Kirsten Langenberg und die "Dancing Wheels"

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Kirsten Langenberg (35) aus Rees ist eine bewundernswerte, starke Frau. Sie leidet seit ihrer Geburt an Spina bifida, dem offenen Rücken. Direkt nach der Geburt wurde sie operiert, es folgten noch weitere OPs. Bis sieben Jahre war sie noch in der Lage, an einem Rollator aufrecht zu gehen, „mehr zu hüpfen“ wie sie sagt, doch nach einem von ihr unbemerkten Wadenbeinbruch, der falsch zusammenwuchs, hätte eine weitere Operation nicht viel gebracht und seither sitzt Kirsten im Rollstuhl. Sie hat dies für sich nie als eine Behinderung gesehen, sondern eher als eine Herausforderung an sich selbst.
Sie besuchte einen Regel-Kindergarten sowie eine Regel-Hauptschule. Weil ein Lehrer der Hauptschule einen Aufzug benötigte, war dieser auch für Kirsten zugängig. „Das war mein Glück“ denkt sie zurück. Nach ihrem Schulabschluss war sie erst für ein halbes Jahr auf Berufsfindung und entschloss sich zu einer dreijährigen Ausbildung zur Bürokraft. Der Grund ihrer Wahl zur Bürokraft statt zur –Kauffrau waren Mathe und Buchhaltung, die nicht ihr Ding sind, was jedoch bei Menschen mit Spina bifida öfters vorkomme. Seit 2001 arbeitet sie im „Wunderland Kalkar“. Dank ihres Jobs kann sie selbstständig leben. Sie bewohnt eine rollstuhlgerechte Wohnung (verbreiterte Türen, befahrbare Dusche). Für den Innenausbau musste sie jedoch selbst aufkommen. In ihrer Küche sind keine Hochschränke und Arbeitsfläche und Spüle sind unterfahrbar. Diese zusätzlichen Kosten musste sie selbst zahlen.
2004 machte sie ihren Führerschein. Zum Glück besaß eine Fahrschule in Rees ein entsprechend umgebautes Fahrzeug für Fahrstunden und Prüfung. Seither fährt sie einen inzwischen fast 20 Jahre alten Gebrauchtwagen, der bereits bei Kauf ihren Bedürfnissen entsprechend umgebaut war: mit Einstiegshilfe, Lift, Handgas und –bremse. Bald braucht sie ein neues Auto, diesmal einen Neuwagen, er ist schon bestellt, mit entsprechenden Umbauten, die die Rentenversicherung für Kirsten bezahlt, da sie mehr als 10 Jahre im Beruf steht, für das Auto an sich ist sie „feste am Sparen“.
„Langeweile habe ich nicht“, sie ist sehr vielseitig und –beschäftigt. Sie spielt Tischtennis, liest gerne, trifft oft ihre Freunde, unternimmt viel mit Schwester und Neffe. Sie spielt Querflöte im Tambourcorps und leitet eine Tanzgruppe behinderter Menschen im Rollstuhl, die „Dancing Wheels“, die sich alle 14 Tage dienstags von 19 bis 21 Uhr in Wesel im Bogen trifft. Sie fordert auf: „Jeder ist gerne willkommen, gerne auch Menschen ohne Behinderung“, von denen bereits welche dabei sind. Nach dem Tanztraining sitzt man gemütlich beisammen, Freundschaften sind schon entstanden. „Dancing Wheels“ hatten schon viele Auftritte in Altenheimen. Für Kirsten ist es „rührend, zu sehen, wie die Heimbewohner da mitgehen und –singen“. Ausflüge, einer pro Jahr, machten sie schon ins Sea Life oder zum Duisburger Zoo, Weihnachtsessen und ein Besuch der Rheinpromenade sind in Vorbereitung. Zur Finanzierung dieser Aktivitäten werden pro Monat 2 Euro eingesammelt.
Als Organisatorin der „Dancing Wheels“ verfolgt Kirsten ein Ziel. Sie arbeitet an der Choreographie zu „I will follow him“ aus dem Musical Sister Act. „Dies ist für mich eine Herausforderung“ freut sie sich. Des Weiteren arbeitet sie an Neuauflagen alter Show-Tänze.
Mitte der 90-er Jahre erreichte Kirsten bei einer Tanzmeisterschaft in den Niederlanden das Viertelfinale.

Autor:

Jutta Kiefer aus Wesel

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