Wie läuft der Einzelhandel im Vergleich zu den Städten in der Umgebung?
Über die Besonderheiten in Hamminkeln und Wesel (Interview mit Wilhelm Bommann, HV)

Die Weseler City punktet mit einer hohen Zentralitätsziffer.
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  • Die Weseler City punktet mit einer hohen Zentralitätsziffer.
  • Foto: Jan Wolff
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Wesel steht als Einkaufsstadt ganz gut da. Zumindest im Vergleich zu anderen Mittelzentren in NRW - und auch im Kreis Wesel. Die Kreisstadt hat immerhin eine Zentralitätskennziffer von 109.3 - was bedeutet, dass Wesel knapp 10 Prozent mehr als die theoretische Gesamtmenge ihrer Einwohner einkaufstechnisch anzulocken versteht.

"Die Stadt Wesel ist zurzeit dabei, ihr Einzelhandels- und Zentrenkonzept zu überarbeiten. Diese Überarbeitung ist wichtig, um einerseits Planungssicherheit für investitonswillige Unternehmen zu schaffen und, was genau so bedeutend ist, eine rechtssichere Stadtentwicklung vornehmen zu können“, so Wilhelm Bommann, Hauptgeschäftsführer des Verbandes.
Auch die Aktivitäten in der Esplanade dienten der Stärkung des zentralen Versorgungsbereichs Innenstadt.Es bleibe abzuwarten, wie die Bestandsaufnahme des Einzelhandels aussehen wird, so Bommann weiter. Man wartet mit Spannung auf die Ergebnisse der Gutachter.

Mittels dreier Fragen versuchen wir, etwas mehr Licht auf das dunkle Theoriefeld der Weseler Handelswelt zu werfen. 

dibo: Was hat Wesel in den vergangenen Jahren richtig gemacht – was könnte besser laufen?
Bommann: Es sind viele Dinge, die die Wettbewerbsfähigkeit der Stadt Wesel stabil gehalten haben.
Zunächst ist zu erwähnen, dass die Stadt Wesel als Grundlage der Einzelhandelsentwicklung seit Jahren über ein Einzelhandels- und Zentrenkonzept verfügt, dieses zeitgemäß anpasst (wie zurzeit) und, dies ist extrem wichtig, sich auch daran hält. Einerseits schafft dies Planungssicherheit für investitionswillige Unternehmen und andererseits besteht die Möglichkeit, eine rechtssichere Stadtentwicklung vornehmen zu können.
Vor vielen Jahren wurde in Wesel eine Weseler Erklärung unterzeichnet, wonach die Unterzeichner sich zur Verwirklichung gemeinsamer Ziele verpflichteten. Die Unterzeichner Stadt, Werbegemeinschaft, IHK, Einzelhandelsverband etc. sahen in der Stärkung des lokalen Einzelhandels die Möglichkeit, die Wettbewerbsfähigkeit der Stadt als Wohn- und Einkaufsstadt zu fördern. Dieser Schwur gilt noch heute.
Eine nicht zu unterschätzende Rolle haben auch die Investitionen im öffentlichen Raum eingenommen. Denken Sie an die Umgestaltung der Fussgängerzone oder an die Verbesserungen im Bahnhofsumfeld. Alles kleine, aber wirkungsvolle Mosaiksteine.Es gibt aber auch das positive Zusammenspiel von Werbegemeinschaft, WeselMarketing, Stadtspitze und Einzelhandelsverband, was durch einen regelmäßigen Austausch und Verabredungen wirkt.

dibo: Was hat Wesel (neben der guten ZKZ von 109.3 Prozent), was Bocholt, Dinslaken und Moers nicht haben?
Bommann: Auch in anderen Städten wird man sagen können, dass der Dialog und Meinungsaustausch mit dem örtlichen Einzelhandel funktioniert. Es gibt, was manchmal auch schwierig durchzuhalten ist, eine, so will ich das mal nennen, eine übergreifende Weselfraktion.

dibo: Gastronomie in der City ist ein schwieriges Thema. Was ließe sich hier verbessern?
Bommann: Gastronomie spielt bei der Frage nach einer Urbanität eine große Rolle. Im Zusammenspiel mit dem lokalen Einzelhandel kann die Aufenthaltsqualität gesteigert werden. Man trifft sich, man geht also in die Stadt. Gastronomie ist aber nicht die Baustelle des Einzelhandelsverbandes, sondern die des Hotel- und Gaststättenverbandes.

Hamminkeln

Und wie sieht's in Hamminkeln aus. Auch hier stellen wir dem HV-Experten drei Fragen.

dibo: Wird das neue Geschäftshaus an der Raiffeisenstraße das Gewerbeleben in Hamminkeln weiter nach vorne bringen?
Bommann: Die Gutachten, das heißt Verkehrsgutachten und Verträglichkeitsanalyse, liegen vor und sind vom Fachausschuss beraten worden. Beide Analysen gehen davon aus, dass das Vorhaben zur Stärkung des Ortskernes beitragen kann bzw. verkehrstechnisch umsetzbar ist. Man soll aber nicht außer acht lassen, dass insgesamt Verkaufsflächen von rund 2.800 Quadratmetern entstehen können. Entscheidend wird sein, dass dort Branchen angesiedelt werden, die nicht oder nur nicht ausreichend vorhanden sind. Aber, dass Vorhaben ist in der integrierten Mitte und nicht in einem Gewerbegebiet außerhalb.

dibo: Blick über den Tellerrand: Wie gut schneidet Hamminkeln im Vergleich zu anderen Städten dieser Größe ab?
Bommann: (schickt als Antwort eine aktuelle Tabelle aus der Jahresbilanz, deren Daten wir hier auflisten, Reihenfolge: Stadt, Einwohner, Einzelhandelszentralität): Hamminkeln (26.739 EW; EZ = 73,6); Neukirchen-Vluyn (26.982 EW, EZ = 70,8); Rheinberg (31.097 EW, EZ = 66,7); Voerde (35.999 EW, EZ = 91,8). Anmerkung der Redaktion: Der Einzelhandel der Stadt Voerde bindet also trotz der Nähe zu Dinslaken und Wesel wesentlich mehr Käufer an sich als der in Hamminkeln.

dibo: Gibt es Defizite in der örtlichen Händlerstruktur (und was könnte man dort verbessern)?
Bommann: Hierzu müßte man die jeweiligen Einzelhandelskonzepte zu rate ziehen. Aus diesen ergeben sich möglicherweise Branchendefizite. Es muss sich dann aber auch ein/e Einzelhändler/in finden, der/die mit dieser Investion ein hinreichendes Ergebnis einfährt. Als Verbandsvertreter konkrete Vorschläge zu machen, ginge zu weit.

Hier lesen Sie mehr zur Jahresbilanz des Handelsverbandes Niederrhein.

Autor:

Dirk Bohlen aus Wesel

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