Verwaltungs-Vorschlag zur Schaffung einer städtischen SocialMedia-Manager-Stelle liegt auf Eis
Wesel stellt die Internetarbeit noch zurück: Zu viele offene Fragen, vor allem zur Rechtssicherheit.

Die Stadt Wesel will sich über ihre geografischen Grenzen hinaus intensiver im Netz präsentieren.
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  • Die Stadt Wesel will sich über ihre geografischen Grenzen hinaus intensiver im Netz präsentieren.
  • Foto: Oliver Schmitz (Bearbeitung: dibo)
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Der Vorschlag der Verwaltung lautete nüchtern und zielstrebig: Der Rat der Stadt Wesel beschließt, das SocialMedia-Konzept Wesel umzusetzen. Doch ganz so leicht macht's die örtliche Politik der Rathausverwaltung nicht.

Vor allem Jürgen Linz (CDU) äußerte Kritik: Bereits vor sechs Jahren hätte seine Fraktion angemahnt, die Öffentlichkeitsarbeit der Stadt wirksam ins Internet zu tragen. Die Einstellung des Stadtsprechers Swen Coralic sei dann zwar unter diesen Vorzeichen erfolgt, dessen Aufgabenpalette  aber immer stärker in die Funktion eines klassischen Pressesprechers zweckentfremdet worden.
Ulrich Gorris (Grüne) und Thomas Moll (Wir für Wesel) bliesen in dasselbe Horn, Gorris stellte gar die provokante Frage: "Was macht denn Herr Coralic überhaupt?" Barbara Wagner (DieLinke) rückte rechtliche Bedenken ins Licht und bezweifelte, dass die Stadt durch selbst betriebene SocialMedia-Kanäle Resonanz und Reichweiten weitgehend selbst lenken könne.

Viele in der Stadt (und der Verwaltung) wünschen sich, dass Wesel seine Kommunikations-Kogge verlässt und den Rhineliner entert, auf dem Nachbarkommunen bereits angeheuert haben: Zeitgemäße Kommunikation im Internet, steht auf der Flagge des flotten Medienschiffes - und es braucht einen fähigen Käpt'n!
Kern der Diskussion: Menschen müssen medial dort abgeholt werden, wo sie sich befinden. Das schlagen Kommunikationswissenschaftler vor. Mit der vollen Breitseite an gegenseitiger Beeinflussung und der dazugehörigen „Emoji“-Munition. Doch die Befeuerung der entsprechenden Kanäle sei keine Einbahnstraße, sondern die Chance auf einen ständigen offenen und aktiven Austausch. 

Die angepeilten Faktoren: Transparenz (beispielsweise bei Bauvorhaben), politische Willensbildung, Konfliktbewältigung. Lösungsfindung, Stärkung der Debattenkultur. Kommunen können sich aber auch selbst in den sozialen Netzwerken vermarkten. Durch die Präsentation des Wirtschaftsstandortes und der touristischen Attraktionen - oder auch auf dem Stellenmarkt, um Fachkräfte anzusprechen und zu gewinnen. Weitere Beispiele: Corona-Infos (Impfkampagne), Krisenkommunikation (Unwetterwarnungen, Bombenfunde), Aufklärung von Falschmeldungen und allgemeinen Unklarheiten in der Weseler Bevölkerung. 

Bei der notwendigen Heuer muss die Stadt Wesel allerdings weitsichtig agieren, denn eine adäquate Bespielung der sozialen Medien kann nur über mindestens eine Vollzeitstelle funktionieren. Und noch mehr: Technische Ausstattung (Smartphone, Software, schneller Rechner) sind Grundlage für funktionierende SocialMedia-Arbeit. Gutes Equipment ist eine Sache - ein breiter Horizont die andere. Soll heißen: YouTube als Distributionskanal reicht längst nicht aus; vor allem Facebook, Instagram und Twitter müssen ständig bedient und aktualisiert werden.

Bei aller Kritik aus den Reihen der Ausschussmitglieder: Einig sind sich alle Fraktionen, dass SocialMedia-Präsenz als Ersatz für schwindende Resonanz - vor allem auf Printmedien - künftig von großer Bedeutung für die öffentliche Wahrnehmung des Weseler Stadtgeschehens sein wird. Bürgermeisterin Ulrike Westkamp betonte wiederholt, dass die Pressearbeit mit der zusätzlichen ToDo-Liste im SocialMedia-Bereich mindestens eine weitere Vollzeitkraft erfordere. Die Stellenbesetzung in vergleichbaren Nachbarstädten könne als Beweis dienen. Westkamp schlug einen Sperrvermerk für die Beschluss-Sache vor, der HFA war einverstanden. 

Damit liegt der Beschlussvorschlag erst einmal auf Eis, bis Wesel weitere Rechtssicherheit in Bezug auf die städtische SocialMedia-Arbeit hat. Fortsetzung folgt.

Autor:

Dirk Bohlen aus Wesel

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