Fastenbrechen in Witten
Zusammen Vorurteile überwinden

An einer reichlich gedeckten Tafel wurden wir mit allerlei orientalischen Köstlichkeiten verwöhnt.
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Wie Millionen auf der ganzen Welt feierten auch Muslime in Witten Ramadan, den Fastenmonat. Es ist aber nicht nur eine Zeit des Fastens, des Entsagens, sondern auch des Zusammenkommens. Daran erinnerte ein Projekt des Vereines Lernimpuls.

Ich war bei Familie Akarsu zu Gast, die mich sehr herzlich begrüßte - eine von vielen muslimischen Familien, die vom 5. Mai bis zum 4. Juni gefastet haben – die Zeit des Ramadans in diesem Jahr. Nach Sonnenuntergang wird dann feierlich das Fastenbrechen, Iftar genannt, begangen. Für mich eine völlig neue Erfahrung. Bülent Yavas, Geschäftsführer Lernimpuls Witten, lud mich sowie Claudia Formann, Integrationsbeauftragte der Stadt Witten, Stabsstelle Integration, und Violetta Andresen, Geschäftsführerin des Integrationsrats, ebenfalls Stabsstelle, zu diesem besonderen Abend ein. Anlass ist eine Initiative des Vereins Lernimpuls, bei der Muslime und Nicht-Muslime zum gemeinsamen Fastenbrechen in den Familien zusammenkamen. „Wir wollen damit Begegnungen fördern, Vorurteile abbauen, einen Dialog schaffen“, so Bülent Yavas – mit Erfolg. Viele Wittener haben sich angemeldet. Es ist auch nicht das erste Mal, im vergangenen Jahr bereits animierte der Verein zum interkulturellen Treffen während dieser für Muslime so wichtigen Zeit. „Eine ganze Familie, die im letzten Jahr noch nicht mitgemacht hat, hat sich angemeldet – keiner kannte sich vorher, trotzdem war das eine ganz tolle Zeit, die zum gegenseitigen Werteaustausch geführt hat, wenn auch nur für den begrenzten Zeitraum des Iftar“, so Yavas weiter.
Claudia Formann hat bereits im letzten Jahr mitgemacht und war auch diesmal begeistert: „Ich bin sehr dankbar für diese Erfahrung.“ Genau so begeistert erzählt sie von der Arbeit der Stabsstelle, die unter anderem „Kontrakt“ ins Leben gerufen – ein Angebot für Schüler der achten Klasse mit Migrationshintergrund, die drei Jahre lang finanziell, aber vor allem auch ideell begleitet werden. Unter den 31 Jugendlichen, die aktuell betreut werden, ist auch Salim Akarsu, der jüngste Sohn der Familie. Seit knapp einem Jahr sind er und sein Bruder in Deutschland, sein Vater ist vor zwei Jahren aus der Türkei gekommen. Eine Geschichte von Flucht, Verfolgung, Lebensgefahr erzählt er uns. Eine Geschichte, die betroffen macht, zum Nachdenken anregt. Mehr noch aber ist dieses Abend geprägt vom gemeinsamen Lachen, von Herzlichkeit, Gastfreundschaft. Verständigungsprobleme wurden einfach weggelacht - oder "weggegessen", denn zu essen gab es mehr als genug. Wenn man im nächsten Jahr wieder zusammenkommt, dann wird bitte ausschließlich auf Deutsch gesprochen, witzeln wir. An so einem Abend sind Sprachbarrieren aber zweitrangig.
Natürlich sprechen wir auch über das Fest, das uns alle zusammengebracht hat, über Ramadan. „Im Vordergrund steht die Besinnlichkeit, das Nachdenken über die Beziehung zu Gott. Freunde und Nachbarn kommen dann zusammen – das Schöne an dieser Zeit ist, man ist nie allein“, so Yavas.
Ramadan ist zwar nun vorbei, doch was mir bleibt ist die Erinnerung an eine wunderbare Begegnung und eine neu geknüpfte Freundschaft. Auch im nächsten Jahr haben Interessierte wieder die Möglichkeit zum gemeinsamen Fastenbrechen. Ich war jedenfalls begeistert, für mich steht nun fest: Das war nicht mein letzter Iftar.

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