"Viva Espana!" oder "Zwei Jungs aus dem Mellmausland entdecken und bestaunen die große, weite Welt ..."

Barcelona, Hauptstadt von Katalonien, ist immer eine Reise wert.
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Mit dem Heinkel-Roller
nach Barcelona

Erste große Urlaubs-Reise
endete nach 1700 Kilometern

Er hieß Manuel, war Spanier und kellnerte in unserem Vereinslokal. Und wir, zwei junge TuRa-Fußballer, verstanden uns mit ihm prächtig. Logisch, dass wir seine Einladung, ihn doch mal in seinem katalanischen Heimatstädtchen Castelldefels zu besuchen, ohne lange zu überlegen annahmen.

Wir waren jung (20/22), abenteuerlustig und kannten weder Limits, noch hatten wir je etwas von dem Örtchen Castelldefels, 20 Kilometer westlich der Welt- und Hafenstadt Barcelona gelegen, gehört. Nach Wochen der Vorbereitung starteten Anfang Mai 1961 zwei wagemutige Jungs aus dem beschaulichen "Mellmausland" auf einem Heinkel-Roller (satte 9,5 PS, lächerliche 3 Liter Verbrauch, wahnsinnige 95 km/h), bepackt mit Zelt und zwei Koffern, aber ohne die heute obligatorischen Sturzhelme - nur mit Brille und einer Schlägermütze auf dem Kopf - ihre erste Reise in die große, weite Welt.

Mein stets zu Späßen aufgelegter Sportfreund Sigi hatte anhand von Straßenkarten eine Reiseroute ausgearbeitet und sprach von "etwa drei Tagen Fahrtzeit" für unsere 1700 Kilometer lange sitztechnische Herausforderung. Über die Autobahn Köln-Frankfurt-Karlsruhe-Basel endete die erste Etappe im französischen Ort Belfort. Vom zweiten Reisetag an ging's nur über Landstraßen weiter. Besancon, Bourg, Lyon, Avignon ließen wir hinter uns, bis wir Nimes erreichten und in einem Hotelzimmer nächtigten, das mit einem Bidet ausgestattet war, wir aber damals null Ahnung hatten, wozu es wirklich diente.

Am Tag drei der strapaziösen Reise steuerte "Chefpilot" Sigi seinen zuverlässig brummenden Einzylinder-Viertakter über Beziers, Perpignon zur französisch-spanischen Grenze Le Perthus/La Jonquera, wo wir erst einmal Halt machten und zum allerersten Mal in unserem Leben ein Grill-Hähnchen "verputzten". Und das war richtig lecker. Gestärkt und mit "Viva Espana!" auf den Lippen waren die finalen 200 "Kilometerchen" entlang der Costa Brava bis zum Zielort Castelldefels und dem zuvor ausgesuchten Campingplatz "la ballena alegro" (der fröhliche Walfisch) für uns nur noch ein Klacks.

Tags darauf folgte eine überaus herzliche Begrüßung seitens Manuel und seiner Familie, die natürlich feucht-fröhlich endete. Und danach begannen die bis dato aufregendsten wie erlebnisreichsten 14 Tage unseres bisherigen Lebens.

Tagsüber entspannten wir am damals noch menschenleeren Strand von Castelldefels, und abends entdeckten zwei "vom Dorf" erstmals das unglaublich aufregende Rotlicht-Viertel "Barrio chino". Unmittelbar neben und entlang Barcelonas kilometerlangem Prachtboulevard "Rambla de las flores" erschloss sich uns eine bislang völlig unbekannte Welt. Logisch, dass es uns immer wieder dort hinzog. Jedoch mit der Besichtigung der inzwischen zum Weltkulkturerbe zählenden Kathedrale "Sagrada Familia" im gotischen Altstadt-Viertel sowie der 60 Meter hohen Columbus-Säule am Hafen, taten wir auch ein wenig für die "Bildung".

Doch eins gehörte für zwei gestandene Fußballer natürlich zum absoluten Pflichtprogramm: ein Besuch im Jahre 1961 schon 90.000 Zuschauer fassenden Fußball-Tempel "Camp Nou" von FC Barcelona. Und mit dem Lokal-Kracher FCB gegen Espanyol Barcelona sahen Freund Sigi und meine Wenigkeit dann auch ein echtes Highlight, bei dem die weltberühmten FCB-Kicker Luis Suarez, Sandor Kocsis und Ladislav Kubala Fußball vom Feinsten zelebrierten.

Leider gehen auch die schönsten Tage und heißesten Nächte einmal vorbei, und wir mussten schweren Herzens die "Triebwerke" von unserem vielbestauntem "Silberpfeil" mit dem irren Sound zünden und gen Heimat düsen. Gesund und trotz unserer arg strapazierten "vier Buchstaben" immer noch munter erreichten wir unfallfrei wieder das Mellmausland.

Keine Frage, dass wir natürlich zuerst unser Vereinslokal ansteuerten. Freudig erregt gingen wir hinein. Und dann folgte ein total ernüchternder Schock, der alles Erlebte schlagartig total unwichtig erscheinen ließ, indem der Vereinswirt zu uns sagte: "Ihr müsst jetzt ganz stark sein, euer Sportfreund Lothar ist mit seinem Motorrad tödlich verunglückt."

Autor:

Alfred Möller aus Witten

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