Schutz im Frauenhaus Kreis Soest
Häusliche Gewalt in Zeiten der Pandemie

Schutz von Frauen und Kindern vor häuslicher Gewalt sind auch in der besonderen Pandemielage zu gewährleisten. Foto: EFhiW
  • Schutz von Frauen und Kindern vor häuslicher Gewalt sind auch in der besonderen Pandemielage zu gewährleisten. Foto: EFhiW
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„Neun Frauen und acht Kindern aus dem Kreis Soest konnten wir mit der Alternativen Schutzunterkunft Hilfe bieten“, fasst Maike Schöne, Leiterin des Frauenhauses Soest, die Situation zusammen.
Die Schutzsuchenden blieben zwischen zwei und vierzehn Tagen. Die Alternative Schutzunterkunft  war zum 1. April diesen Jahres wegen der besonderen Situation der Corona-Pandemie eröffnet worden. 
Die Einrichtung konnte bis zu acht Frauen und deren Kindern, die von häuslicher Gewalt betroffen sind, zu jeder Tages- und Nachtzeit Schutz durch Unterkunft, Verpflegung und Ersthilfe bieten. Es war weder eine Heimeinrichtung, in der Frauen und Kinder beaufsichtigt wurden, noch eine Einrichtung wie die eines Frauenhauses.
Mitarbeiterinnen der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen waren in dieser Zeit für die Aufnahme der schutzsuchenden Frauen zuständig und deren Ansprechpartnerinnen im Hause. „Den genauen Ort der Alternativen Schutzunterkunft wollen wir während der Pandemie-Zeit – voraussichtlich bis zum Zeitpunkt eines Covid-19- Impfstoffes - nicht bekannt geben“, erklärt Maike Schöne. Die sozial-psychologische Beratung übernahmen die Mitarbeiterinnen des Frauenhauses Soest. Durch das Engagement aller wurden zusätzliche Rufbereitschaften abgedeckt und eine 24-Stunden-Aufnahme ermöglicht.
Die Kosten wurden vom Kreis Soest finanziert aus der Motivation heraus, den „Schutz von Frauen und Kindern im Kreis Soest vor häuslicher Gewalt auch in der besonderen Pandemielage gewährleisten zu können.“ Dies sei ein „wichtiges Thema“, macht Gudrun Hengst, Leiterin des Kreisjugendamtes, deutlich.
„Allen Beteiligten war klar, dass der Corona-Lockdown ab Mitte März leider zu mehr Gewalt in Partnerschaften und Familien führen würde“, erläuterte die 34-jährige Diplom-Pädagogin. Jedoch wurde es zunächst „erschreckend ruhig“.
Das Frauenhaus war durchgehend voll belegt und dennoch fand erst Mitte Mai die erste Aufnahme in der Alternativen Schutzunterkunft statt. „Frauen, die zu uns gekommen sind, berichteten davon, dass sie unter permanenter Beobachtung vom Partner standen“, berichtet die Leiterin des Frauenhauses. „Kurzarbeit, Homeoffice oder auch plötzliche Arbeitslosigkeit traten ein. Es fehlten dann teilweise sogar die Momente für ein ungestörtes Telefonat, um sich beraten zu lassen. Zudem hatten Frauen Hemmungen, ihr bisheriges Zuhause zu verlassen, da sie sich selbst der Infektionsgefahr aussetzen würden – vor allem auch, wenn sie in ein Frauenhaus mit vielen Bewohnerinnen gehen.“
Diese Erzählungen legen eine sehr hohe Dunkelziffer in der Lockdown-Zeit nahe. Die Vermutung, dass mit den Lockerungen die Anfragen nach Schutz steigen werden, erfüllte sich leider. So stieg die Zahl der Aufnahmen in der Alternativen Schutzunterkunft im Juli auf drei und im August auf vier an. „Sechs der insgesamt neun schutzsuchenden Frauen haben sich selbst gemeldet, sind also nicht über Beratungsstellen oder Polizei in die Schutzunterkunft gekommen“, bemerkt die Frauenhaus-Leiterin und sieht auch hierin ein Indiz für die besonderen Hürden in der Lockdown-Zeit.

„Aktuell sind die Anfragen scheinbar wieder „auf normalem Niveau“ – das heißt „hoch“! Sobald wir einen Platz im Haus frei haben und unsere Hilfeampel unter www.frauen-info-netz.de auf „grün“ stellen, kommen sofort mehrere Anfragen, so dass wir freie Plätze schnell nachbesetzen“, schildert die Diplom-Pädagogin die Situation im Frauenhaus Soest. Dabei müssen sie aktuell weiterhin die besondere Aufnahme-Situation unter Covid-19 berücksichtigen. „Zum Glück sind wir bisher ohne besondere Einzel-Quarantäne-Maßnahmen oder ohne eine Schließung des Hauses durch die Pandemie gekommen“, stellt sie fest und dankt für die besondere Anstrengung aller Beteiligten, die unkomplizierte Unterstützung durch den Kreis Soest sowie den kreativen Einsatz der Mitarbeiterinnen der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen.

Hilfe im Notfall

Telefonische Beratung ist montags bis freitags von 8:00 bis 16:00 Uhr unter Telefon: 02921/17585 möglich. Informationen sind auf der Homepage www.frauenhaus-soest.de zu finden. Außerhalb dieser Zeiten gibt es Hilfe beim Hilfetelefon: 08000 116 016 oder www.hilfetelefon.de. Dort gibt es auch online- und Chat-Beratung sowie Dolmetscherinnen für 17 Sprachen.

Autor:

Anja Jungvogel aus Stadtspiegel Kamen

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