Xantener setzt sich für besseren Hochwasserschutz ein
Mehr Polder notwendig

Schön, aber gefährlich  -  Hochwasser am Rhein
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Wer in diesen Tagen am Rhein spazieren geht, kann das Naturschauspiel wieder beobachten – Vater Rhein ist aus seinem Bett gekommen. Doch was Hunderte von Schaulustigen anzieht und von ihnen als Attraktion gesehen wird, bedeutet für viele Betroffene Existenznöte sowie Verlust von Hab und Gut.

Fast jährlich tritt der Rhein durch Schmelzwasser aus dem Süden und verstärkte Regenfällen über seine Ufer, mal stärker, mal weniger stark. Auch die Folgen des Bergbaus, die für eine Absenkung des Geländes verantwortlich sind, bestimmen die Auswirkungen des Hochwassers. Um diese Auswirkungen möglichst gering zu halten, wird der Rhein von Deichen flankiert, sowohl von rheinnahen, als auch -fernen. Doch reichen diese Deiche aus und halten sie dem Druck auf Dauer stand? In einer Studie sei vor Jahren auf eventuelle Folgen eines Deichbruchs am Niederrhein aufmerksam gemacht worden, sagt Hans-Peter Feldmann aus Xanten-Birten. Dabei habe sich ergeben, dass ein extremes Hochwasser bei Versagen der Schutzmaßnahmen allein in der Stadt Moers mehr als 1000 Menschenleben fordern würde. Der Xantener befasst sich seit über 20 Jahren mit dem Hochwasserschutz und entsprechenden Lösungsvorschlägen.

Daseinsvorsorge für mehr als 1,5 Millionen Menschen

„Hochwasserschutz bedeutet Daseinsvorsorge für mehr als 1,5 Millionen Menschen am Niederrhein, einem dicht besiedelten Raum mit starker Wirtschaftspräsenz“, gibt er zu bedenken. Die Pflege dieses Hochwasserschutzes, die Unterhaltung der Deiche und die Anpassung an das Abflussverhalten eines unberechenbaren Flusses überlasse die Landesregierung ehrenamtlichen Bürgern, die auf Zuschüsse des Landes angewiesen seien, beanstandet er und bezeichnet die Organisation der Deichverbände, deren Deichstuhl inklusive unterschiedlicher Beiräte für jeweils fünf Jahre demokratisch gewählt wird, als längst nicht mehr zeitgemäß. „Hier wird leichtsinnig mit Menschen und Schutzgütern umgegangen“. Der Sanierungsüberhang an bestimmten Deichstrecken widerspreche der Verpflichtung nach der Deichschutzverordnung.

Der Rhein braucht Platz

Um eine weitere Entlastung des Rheins bei Hochwasser herbeizuführen bedürfe es weiterer sogenannter Polder, Überlaufflächen, in denen sich der Rhein gefahrlos ausbreiten könne.
Dies sei beispielsweise in Xanten im Naturschutzgebiet Bislicher Insel der Fall. Dieser Polder entschärfe hauptsächlich die Gefahrensituation unserer niederländischen Nachbarn. Aber auch für den Hochwasserschutz am Niederrhein, dessen gefährdete Gebiete durch den Bergbau im Laufe der Jahre mittlerweile bis zu 25 m abgesenkt wurden, müsse mehr getan werden. Durch diese Absenkungen müsse man in Zukunft mit Überstauhöhen von mehr als zehn Metern rechnen, was für Schäden in Milliardenhöhe sowie die Gefährdung von Menschenleben sorge.
Als eine Möglichkeit sieht der engagierte Bürger eine Einbeziehung des in Kürze stillgelegten Tagebaus im Rheinischen Braunkohlerevier.

Kanal als Bypass

Bereits 2017 wurde von Frau Dr. Lina Schröder eine Dissertation verfasst, in der die schon aus der Zeit Napoleons stammenden, aber nie realisierten Pläne für einen Rhein-Maas-Kanal thematisiert wurden. Ursprünglicher Sinn dieses Vorhabens war eine Verbindung des Niederrheins mit dem Hafen Antwerpen. Dieses Projekt könnte man auch heutzutage noch realisieren, indem man das Braunkohle Abbaugebiet einbezieht.
Der Erfolg des Vorhabens läge auf der Hand, denn neben der schiffbaren durch Grundwasser gespeisten Verbindung mit dem Hafen Antwerpen würde auch die Region im Abbaugebiet gegen eventuelle Folgen extremes Hochwasser gesichert.
Das bestätigt die Antwort von Professor Dr. Andreas Schumann von der Ruhr Universität Bochum auf eine entsprechende Anfrage Feldmanns nach der Machbarkeit eines solchen „Bypasses am Niederrhein“.

Machbarkeitsstudie durch internationale Projektgruppe notwendig
Hierin verwies Schumann auf Vorüberlegungen der Niederlande, die bereits im Jahr 2003 zwei alternative Ableitungen aus dem Rhein über so genannte „Green Rivers“ in Betracht zogen. Bei der Planung derartiger „Gerinne“ würden frühere Feuchtgebiete und Flusstäler vorrangig berücksichtigt.
Allerdings sei für die Machbarkeitsstudie eines solches Vorhabens eine interdisziplinäre und internationale Projektgruppe notwendig.
„Das wäre ein großer Schritt in Richtung Sicherheit für die Anwohner des Niederrheins“, folgert Feldmann.
Wer sich über den Stand seiner Überlegungen informieren möchte, kann dies auf seiner Homepage tun.

Randolf Vastmans

Autor:

Randolf Vastmans aus Xanten

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