Auf einer Koppel in Marienbaum: Füchse im Schafspelz - eine vom Aussterben bedrohte Nutztierrasse!

"Hallo - ich bin ein Coburger Fuchsschaaaf !"
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von Christel und Hans-Martin Scheibner

Am Montag entdeckte ich am Lohscher Weg in Marienbaum eine mir unbekannte Schafsrasse, welche sich nach näheren Recherchen als "Coburger Fuchsschaf" herausstellte. Dieser Tag erinnerte eher an April als an einen Sommertag, doch wenn zwischenzeitlich die Sonne herauskam, kam die schöne Färbung dieser Tiere erst richtig zur Geltung. Die "Anliegerschafe" schauten neugierig zu den "Leihschafen" auf der Nebenkoppel, die so ganz anders als sie aussahen.

Das Fuchsschaf ist ein mittelgroßes, hornloses Landschaf, welches wegen seiner Wolle und seinem wohlschmeckenden Fleisch gehalten wird. Es hat einen edlem schmalen, rostbraunem unbewollten Kopf, leicht hängenden Ohren, die Beine sind ebenfalls rostbraun gefärbt. Das leicht glänzende Fell kann unterschiedliche melierte Beige- und Brauntöne aufweisen. Das rotbraune Vlies, welches die Lämmer bei der Geburt haben, wird vom 6. Monat an zusehens heller und zum sogenannten "Goldenen Vlies". Diese Rasse liefert hochwertige Wolle im unterschiedlichsten Farbenspiel von Brauntönen, welche sich hervorragend zum Spinnen, Weben, für Strickwaren und Filzen eignet.

Das wohlschmeckende zarte Fleisch ist bei Feinschmeckern sehr gefragt, sowohl das der Lämmer als auch der älteren Tiere, weil es kaum Fettansatz hat und somit nicht tranig schmeckt.

Im 19. Jahrhundert besiedelte diese äußerst fruchtbare, robuste, langlebige, anspruchslose, alte Landschafrasse die europäischen oft kargen Mittelgebirge. Diese fuchsfarbigen Schafe waren unter Namen wie Goldfüchse, Hunsrücker Rotköpfe, Westerwälder, Eisfelder und Oberpfälzer Füchse, Eifeler Schafe, Coburger Fuchsschafe, Ardenais, Solognotes, Rousse Tetes und Welsh Mountain Sheep bekannt.

In den 30er Jahren waren Fuchsschafe dann nicht mehr gefragt und wurden zugunsten von Rassen, welche mehr Fleisch hergaben, aber auch den von mehr Wolle tragenden Merinoschafen, verdrängt. Systematisch geschah dies in den Zeiten des Dritten Reiches und der damaligen DDR. Der Tuchfabrikant Otto Strizel aus dem Fichtelgebirge kam dann auf die Idee, aus der Wolle von "rottragenden" Schafen Tweed-Stoffe nach englischem Vorbild herzustellen. 1945 züchtete er wieder die ersten Fuchsschafe und verhinderte so das Aussterben dieses braunköpfigen Schafes. Auch in heutiger Zeit gehört die vorwiegend von Idealisten gehaltene Rasse immer noch zu den bedrohten Nutztierarten. In den 60ern erfreute es sich vorwiegend in Franken und Nordbayern, wo seine Haltung finanziell gefördert wurde, immer größerer Beliebtheit. 1966 wurden sämtliche Fuchsschaftypen mit Unterstützung von Prof. Dr. Rudolf Waßmuth von der DLG als Rasse anerkannt. Aber erst viel später zogen auch andere Bundesländer mit Fördergeldern nach, um einen Anreiz für die Haltung dieser Tiere zu schaffen.

Am wohlsten fühlt sich dieses ruhige, freundliche, kontaktfreudige Tier, wie auch von den meisten Züchtern empfohlen, in kargen Mittelgebirgslandschaften. Man hält es aber auch bis in die Niederungen. Schwere, nasse durchweichte Böden verträgt es nicht. Die für Kühe zuträglichen fetten Weiden sind nicht nur für das Coburger Landschaf, sondern für alle Schafsrassen ungeeignet. Es wird als Koppelschaf gehalten oder auch in der Landschaftspflege eingesetzt, ist aber auch ausgezeichnet als Hüte- und sogar Wanderschaf geeignet. Allerdings sind die für Kühe zuträglichen fetten Weiden für sämtliche Schafrassen ungeeignet. Zusätzlich Spurenelemente reicht man den Tieren in Form von Lecksteinen.

Ihre kleinen Klauen führen zu einer gezielten Oberflächenverdichtung, was in Bergregionen die Grasnarbe verdichtet und so die Bodenerosion verhindert. Da sie mit Vorliebe junge Triebe und Blätter von Sträuchern und jungen Bäumen, sogar Baumrinde fressen, sterben die Gewächse mit der Zeit ab, und so bekommen seltene Pflanzen wieder Licht und Nährstoffe zum Wachsen. Auch Disteln und Brennesseln verschmähen diese guten Futterverwerter nicht. Vor allem Hüteschafe, welche die Weidegründe wechseln, tragen zur Artenvielfalt bei, indem sie in ihrer Wolle Pollen, Samen und Insekten transportieren.

Aufgrund ihrer bodenverdichtenden Eigenschaften wird auch vorgeschlagen, diese Rasse zum Beweiden von Deichen einzusetzen, wo sie allerdings ihre Lieblingsnahrung nicht vorfinden werden. Gehören diese schönen, an Bergregionen angepaßten Tiere in Flußniederungen, wo es so viele Schafsrassen gibt, die eher für diese Gebiete geeignet sind ?

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