Der Weihbischof im Gespräch über den Zustand der Kirche und über den Menschen Rolf Lohmann
Zwischen Himmel und Xanten

40 Meter über dem Erdboden: Weihbischof Rolf Lohmann und Dombaumeister Johannes Schubert genießen den Blick über den Niederrhein.
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Den beiden Kirchen in Deutschland laufen die Gläubigen in Scharen weg. Woran liegt das? Was machen die Kirchen falsch? Finden Sie nicht mehr die richtigen Antworten in der heutigen Zeit? Wie kann man den Trend umkehren? Und welchen Einfluss kann darauf ein Bischof nehmen, der Seelsorger für über 600.000 Katholiken am Niederrhein und in Recklinghausen ist? Ein Gespräch mit Weihbischof Rolf Lohmann.

Von Christoph Pries

Herr Lohmann was ist für Sie die drängendste Frage, die die Kirche heute beantworten muss?
Bischof Rolf Lohmann: "Die Menschen stehen heute insgesamt vor großen Herausforderungen, ich nenne da beispielhaft die Themen Flucht und Migration sowie Klimaschutz. Da geht es um gesamtgesellschaftliche Fragen, zu denen auch die Kirche Antworten sucht und deren Lösung nur gemeinsam, mit allen Menschen, gelingen kann. Konkret denke ich zum Beispiel an meinen Freund Laurent Lompo, der Erzbischof im Niger ist, eine der ärmsten Regionen der Welt. Auch mit Hilfe aus Deutschland werden dort Projekte unterstützt, die den Menschen Hilfe zur Selbsthilfe ermöglichen und so gar nicht erst zur Flucht führen. Das ist also eine der wichtigen Fragen: Wie können wir den Menschen helfen, sich selbst zu helfen?
Der Schutz der Umwelt ist gleichbedeutend mit der Bewahrung der Schöpfung. Das hat bereits Papst Franziskus in seiner Enzyklika "Laudato si" deutlich gemacht. Wir können als Kirche jedoch nicht nur appellieren, sondern auch konkret handeln. Ich sitze bei der Deutschen Bischofskonferenz einer Arbeitsgruppe vor, die klare Handlungsempfehlungen für alle Erzbistümer und Bistümer in Deutschland erarbeitet hat. Wir müssen alle gemeinsam handeln und mit allen Menschen guten Willens praktische Verantwortung für Gottes Schöpfung übernehmen.
Auch die Weitergabe des Glaubens – in zeitgemäßer Form – ist von großer Wichtigkeit. Wir müssen auch auf das hören, was die Menschen uns sagen. Alle Getauften und Gefirmten gehören zum Volk Gottes!"

Die Kirchen stecken in der Krise, Vertrauen wurde verloren, was ist zu tun?
Bischof Rolf Lohmann: "In der Tat haben die erschreckenden Ergebnisse der sogenannten MHG-Studie zum Missbrauch und auch die konkreten Fälle vor Ort, die Kirche in einen tiefe Vertrauenskrise gestürzt. Die Menschen erwarten nun zu Recht, dass alle Fälle aufgeklärt werden - und nicht nur kirchenintern, sondern auch durch die unabhängigen, staatlichen Behörden. Ich sehe bei meinen Besuchen in den Gemeinden vor Ort aber auch, wie viele Menschen sich noch immer für die Kirche und das Gemeindeleben einsetzen und engagiert mitarbeiten. Ich freue mich über diesen Einsatz und darüber, dass sie das Vertrauen eben nicht verloren haben.
Auch die zurückliegende 72-Stunden-Aktion hat ein enormes Engagement der jungen Mitglieder unserer Kirche gezeigt. Das ist ermutigend und erfreulich. Auch hier gilt, auf die Meinung der jungen Menschen zu hören und auch von ihnen Rat für die Zukunft der Kirche zu holen."

Zölibat, Rechte der Frauen in der Kirche. Wie geht Kirche damit um?
Bischof Rolf Lohmann: "Das Zölibat und grundsätzlich die Zugangsbedingungen zum kirchlichen Amt sind Themen, die weit oben auf der Agenda stehen und diskutiert werden müssen. Das gilt ebenso für das Thema ,Frau in der Kirche‘. Auch hier erlebe ich bei meinen Visitationen immer wieder, welche tragende Rolle Frauen im Gemeindeleben übernehmen. Wenn wir nun über neue Formen der Leitung nachdenken, in denen Laien mehr Verantwortung übernehmen, sind Frauen und Männer gleichermaßen gefragt.
Bei dem jetzt anstehenden synodalen Weg sind alle Themen auf die Agenda zu nehmen; kein Thema darf ausgespart werden. Meine Hoffnung ist, so tatsächlich zu Reformen zu kommen und die Beteiligung aller am kirchlichen Leben zu fördern."

Wer ist Rolf Lohmann?
Bischof Rolf Lohmann: "Ich bin am 21. Februar 1963 geboren worden und stamme aus Westtünnen bei Hamm. Zunächst wollte ich Betriebswirtschaft studieren. Eine damalige Gemeindemission mit Redemptoristen hat diesen Weg dann immer mehr in Frage gestellt, bis ich mich durchgerungen habe, doch Theologie und Philosophie zu studieren. Nach den Aufgaben als Kaplan und Vikar war ich Pastor im Münsterland und dann 6 Jahre in Kevelaer, dort gleichzeitig Rektor der Wallfahrt. Am 8. Juli 2017 bin ich dann zum Bischof geweiht worden und seitdem zuständig für den Niederrhein und das Kreisdekanat Recklinghausen. Es ist eine herausfordernde und bereichernde Aufgabe, mit so vielen Menschen – die Region umfasst 630.000 Katholiken – immer neu ins Gespräch und in den Austausch zu kommen. Wenn die Kirche zur Zeit sicher in einer tiefen Krise steckt, möchte ich alle Kraft investieren, das Evangelium glaubwürdig zu verkünden und hoffe auf Unterstützung und das Gebet der Menschen."

Welche Hobbys hat Rolf Lohmann?
Bischof Rolf Lohmann: "Ich lese gerne, fahre gerne Fahrrad und wandere in der schönen niederrheinischen Natur. Bisweilen bleibt dafür nur wenig Zeit."

Entspannt ein Bischof in einer goldenen Badewanne?
Bischof Rolf Lohmann: "Eine goldene Badewanne besitze ich nicht. Ich wohne in einem der alten Stiftshäuser am Kapitel in Xanten in schöner Umgebung, immer mit Blick auf die Domtürme. Im Haus und im Garten kann man gut entspannen, was ich ab und zu auch tue. Im Haus befindet sich auch eine kleine Kapelle, wo ich geistlich auftanken kann. Auch das tut gut."

Was macht ein Bischof in seiner Freizeit?
Bischof Rolf Lohmann: "In meiner Freizeit besuche ich Freunde oder Familienangehörige. Besonders schön sind auch die Urlaubsfahrten mit guten Freunden." 

Hintergrund

Der gebürtige Hammer Rolf Lohmann studierte nach dem Abitur Theologie. Im Jahr 1989 wurde er durch Bischof Dr. Reinhard Lettmann zum Priester geweiht.
Es folgten Stationen als Kaplan, Vikar und Pfarrer unter anderem im Münsterland und am Niederrhein.
Vor zwei Jahren wurde der heute 55-Jährige zum Weihbischof für die Region Niederrhein ernannt. Im selben Jahr empfing er die Bischofsweihe im St. Paulus-Dom in Münster.
 Seit November 2017 hat Rolf Lohmann als zusätzlichen Aufgabenbereich das Kreisdekanat Recklinghausen übernommen.

40 Meter über dem Erdboden: Weihbischof Rolf Lohmann und Dombaumeister Johannes Schubert genießen den Blick über den Niederrhein.
Weihbischof Rolf Lohmann, die stellvertretende Leiterin des Stiftsmuseums, Elisabeth Maas und Dombaumeister Johannes Schubert im Glockenstuhl des St. Viktor-Domes.
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Lokalkompass Xanten aus Xanten

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