Starke Mütter - starke Kinder: Über den Erfolg des Sprachkurses für „Frauen mit Kinderbetreuung“

Am 1. Juni 2017 startete in den Räumen des leer stehenden Förderzentrums an der Johannes-Janssen Str. 11 in Xanten der neue Sprachkurs für Frauen mit Kindern. „Das Projekt des Arbeitskreises Asyl in Xanten ist bisher einzigartig

. Es gibt keinen anderen Anbieter der junge Mütter in der Form unterstützt und fördert, obwohl es enorm wichtig ist, ihnen so eine Chance zu bieten“, berichtet Dr. Wolfgang Schneider vom AK-Asyl. „Gefördert wird dieses Projekt durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft und durch private Spenden und wir hoffen, dass wir es nach den Herbstferien weiterführen können.“

Seit dem Start im Juni besuchen 20 Mütter im Alter von 25 bis 35 Jahren - aus den unterschiedlichsten Herkunftsländern - drei bis vier mal in der Woche vormittags den Unterricht. Das Dozentinnen-Team bilden Daniela Postler und Alexandra van Bebber, unterstützt werden sie von Elke Aaldering und Nadine Kretschmer.

Möglich wurde dies nur durch die gleichzeitige Kinderbetreuung, die eigens in einem weiteren Klassenraum eingerichtet wurde. Viele dieser Frauen haben bis zu vier Kinder, die teilweise noch keine Kindertagesstätte besuchen. Diese Kinder im Alter von 4 Monaten bis 4 Jahren werden hier von Vanessa Jargon und Nicole Hegering betreut, während ihre Mütter nebenan die deutsche Sprache lernen. Da die Kinder bisher nur das familiäre Umfeld kennen gelernt haben, lernen sie hier auch die soziale Komponente beim Spiel mit anderen Kindern.

Eine große Schwierigkeit für alle Beteiligten waren zunächst die unterschiedlichsten Voraussetzungen. So sprechen fast alle Teilnehmerinnen eine andere Sprache. Sie sind u.a aus Afghanistan, Syrien, Kurdistan, Ghana, Eritrea, Tschetschenien, der Mongolei und dem Irak zu uns gekommen. Das Sprachverständnis und die Auffassungsgabe waren unterschiedlich ausgeprägt und einige haben noch nie eine Schule besucht.

Daniela Postler, sie ist seit 2015 als Sprachdozentin beim Arbeitskreis Asyl aktiv, erinnert sich: „Die Lernsituation an sich war schon eine enorme Herausforderung. Es wurde mit „Händen und Füßen“ und mit den einfachsten Bildwörterbüchern begonnen.“

Nach einiger Zeit stellte sich heraus, dass es sinnvoll wurde, den Kurs zu teilen. Eine zusätzliche Herausforderung war nun der Alphabetisierungskurs. Tatsächlich mussten die Teilnehmerinnen zunächst lernen, wie man einen Stift hält. Nicht nur Buchstaben werden eingeübt, auch die Zahlen, um die einfachsten Dinge wie das Datum, die Uhrzeit, Telefonnummern lesen zu können und den Umgang mit dem Geld zu erlernen. Auch die Allgemeinbildung wird im Unterricht gefördert. So werden religiöse und politische Themen besprochen und gesundheitliche und soziale Aspekte erörtert.

Daniela Postler ist beeindruckt von dem großen Zusammenhalt unter den Frauen, die sich gegenseitig ermuntern und unterstützen. „Frauen unter sich sind freier“, erzählt sie. Sie haben den Mut und die Gelegenheit, auch persönliche Dinge zu besprechen. Der Erfolg gibt ihnen Selbstvertrauen. Die jungen Mütter denken zukunftsorientiert. Sie wollen ihre Kinder in der Schule unterstützen können. Die Sprachkenntnisse werden nicht nur im Alltag, beim Einkaufen, bei Behördengängen und Arztbesuchen benötigt. Das wichtigste ist für die Mütter, ihre Kinder in der Schule zu unterstützen und zu stärken. Sei es bei Gesprächen mit den Lehrern und bei der Organisation des Schulalltags. Obwohl eine Prüfung bei diesen Kursen nicht vorgesehen ist, wollen einige Frauen den Abschluss bei der VHS wagen.

Beim gemeinsamen festlichen Essen am letzten Tag vor den Sommerferien und vor den Herbstferien, zu denen auch die Steuerungsgruppe des AK-Asyl, einzelne Sprachpaten und die drei Flüchtlingsberaterinnen eingeladen wurden, wurde deutlich, wie dankbar die Frauen sind. Es ist spürbar, wie gerne die Frauen zu beiden Kursen kommen. Sie wissen, dass sie sonst „durch das Netz“ fallen würden und der Ehrgeiz ist ihnen anzumerken. Sie „entfliehen“ für etwa vier Stunden der häuslichen Eintönigkeit, kommunizieren mit anderen Frauen aus unterschiedlichen Herkunftsländern und wissen ihre Kleinkinder - in unmittelbarer räumlicher Nachbarschaft - behütet.

„Das, was der Arbeitskreis Asyl mit Spendengeldern erreicht hat, ist eine einzigartige Geschichte und wir hoffen, dass wir das, was wir angefangen haben und mit Erfolg durchführen, auch weiterhin den jungen, hochmotivierten Frauen ermöglichen können,“ hofft Dr. Wolfgang Schneider, der sich für die Beantragung weiterer Fördermittel einsetzt. Weiterhin ist der Arbeitskreis auf die Bereitschaft aus der Bevölkerung angewiesen und nimmt dankend Spendengelder entgegen. Das Spendenkonto des Arbeitskreises ist auf der Homepage www.flüchtlingshilfe-xanten.de zu finden.

Autor:

Lokalkompass Kreis Wesel aus Wesel

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