Theater "Der zerbrochne Krug" in Kapelle Unna-Lünern

Wann? 14.04.2013 17:00 Uhr

Wo? Antoniuskapelle, Am Keilbrink 38, 59427 Unna DE
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Unna: Antoniuskapelle | Dorfrichter missbraucht sein Amt und den Analphabetismus der Nachbarstochter

Schon mehrmals gab das Kölner Theater-Ensemble ebenDIE Gastspiele in der Antoniuskapelle in Unna-Lünern. Inhalte der Stücke – Kindesmissbrauch, Todesstrafe oder Korruption – waren immer „harte Kost an heiligem Ort“, so die Schlagzeile einer Regionalzeitung nach einer der Aufführungen. Jetzt kommen die Kölner wieder und spielen ein vermeintlich verstaubtes Stück aus dem 18. Jahrhundert, dessen Inhalt allerdings nichts an Aktualität und Brisanz eingebüßt hat: Der Dorfrichter Adam missbraucht nicht nur die Macht seines Amtes, sondern nutzt auch die Tatsache, dass die Nachbarstochter Eve Analphabetin ist und erpresst sie mit einem Brief, der angeblich die Einberufung des Verlobten von Eve nach Ostindien ankündigt.

Zu lügen und zu betrügen, um sexuelle Gefälligkeiten einer jungen Frau zu erpressen – der Dorfrichter Adam wird von Heinrich von Kleist in einer ganz modernen Art gezeichnet: Als sich sein Lügengespinnst immer weiter zuzieht, seine Ablenkungsmanöver misslingen und er sein Vergehen nicht länger auf einen anderen – Eves Verlobten Ruprecht – schieben kann, ergreift er die Flucht. Kleist zieht den Zuschauer mit seiner Sprache in den Bann: Er verschleiert und enthüllt zugleich und erzeugt so Spannung. Hat Ruprecht, der sich sprachlich nicht so eloquent ausdrücken kann wie der Richter und dafür von ihm verhöhnt wird, doch den Krug zerbrochen? Schafft es der Richter, seine Nachbarin Marthe Rull, die den zerbrochenen Krug als Beweisstück mitgebracht hat, gegen ihre eigene Tochter Eve aufzubringen? Immerhin hat sie Eve und Ruprecht zu nächtlicher Stunde in deren Zimmer überrascht.

Heinrich von Kleist schreibt in seinem berühmtesten Stück dem Amtsinspektor, Gerichtsrat Walter eine Schlüsselrolle zu, ohne die vermutlich dieser Fall nicht rechtens gelöst und der eigentliche Dorftyrann nicht entlarvt worden wäre. Andererseits kritisierte Kleist die überbordende Bürokratie bei Gericht. Sein Stück „Der zerbrochne Krug“ wurde 1808 in Weimar uraufgeführt und löste damals tumultartige Szenen im Publikum aus. Die Themen sind aber auch nach 200 Jahren so aktuell wie ehedem.
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