Lesung „Unerwünscht“ im zib Unna schafft Zugang zu schwierigem Thema

Wann? 10.12.2015 19:00 Uhr

Wo? ZIB, Lindenplatz 1, 59423 Unna DE
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Die drei Brüder Mojtaba, Masoud und Milad Sadinam erzählen die Geschichte ihres Lebens (Foto: privat)
Unna: ZIB |

Die drei Brüder Mojtaba, Masoud und Milad Sadinam schildern am Donnerstag, 10. Dezember, um 19 Uhr in der Bibliothek im zib mit Auszügen aus ihrem Buch „Unerwünscht“ das, was ihnen als Flüchtlinge widerfuhr.

Über die Integration von Migranten wird oft hitzig gestritten. Doch wie wird man eigentlich integriert und wie kann man sich selbst integrieren? Die Hardliner im Windschatten von Sarrazin sprechen gerne von „Integrationsverweigerern/innen“ und Parallelgesellschaften in „migrantischen Communitys“, selten aber von Migranten/innen, die sich erfolgreich ein Leben in Deutschland aufgebaut haben und den gängigen Klischees so gar nicht entsprechen.

Sie wachsen Anfang der achtziger Jahre in Teheran als Kinder regimekritischer Eltern auf und müssen 1996 zusammen mit ihnen aus dem Iran fliehen. Mit Hilfe eines Schleppers gelingt ihnen in einer Nacht-und-Nebel-Aktion die Flucht nach Deutschland.

Nur mit Mühe wird eine Abschiebung verhindert

Sie kommen ohne Geld, Papiere und ohne deutsche Sprachkenntnisse in ein Auffanglager in Münster an. Obwohl im Iran akut bedroht, wird ihr Asylantrag kurze Zeit später abgelehnt. Nur durch die Hilfe engagierter Mitmenschen gelingt es ihnen, die Abschiebung in den Iran (vorerst) aufzuschieben und sich trotz der permanenten Unsicherheit und einer ungewissen Zukunft irgendwie einzurichten.

Die Drei schaffen es von der Auffangklasse für Flüchtlinge bis auf das Gymnasium. Doch trotz allen Engagements und Willens, hier zuhause zu sein, droht ihnen bald wieder die Abschiebung - ihr Antrag wird abgelehnt und die Familie mit Druck aufgefordert das Land „freiwillig“ zu verlassen. Erst nach dem Selbstmordversuch ihrer Mutter und der Änderung des Asylgesetzes bekommen sie 2005 die lang erhoffte Aufenthaltsgenehmigung. Nach einer Jugend in Gemeinschaftsunterkünften, Asylbewerberheimen und Baracken können sie sich endlich ohne Angst eine Zukunft in Deutschland aufbauen. Sie berichten von einer Integration gegen alle Widerstände. Sie machen in Deutschland ein erstklassiges Abitur und bekommen exklusivste Studienstipendien – doch wirklich willkommen fühlen sie sich hier nie!

Nach der Flucht folgte der bürokratische Kampf

In „Unerwünscht – Drei Brüder aus dem Iran erzählen ihre deutsche Geschichte“ schreiben sie von ihrer Flucht, dem langen Kampf gegen die Windmühlen der Behörden und ihrem Wunsch, endlich in Deutschland ankommen zu können. Und sie schreiben davon, wie engagierte Mitmenschen ihre auf Menschlichkeit begründete „Willkommenskultur“ entwickelten, von der angesichts vieler Flüchtlinge heute gesprochen wird und wie dringend notwendig diese ist.
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