Platz 5 für JC 66-Frauen beim Bundesliga-Finale

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  Die Medaille in der Judo-Bundesliga bleibt weiterhin ein Traum. Nach der fünften Endrundenteilnahme kamen die Judoka des JC 66 Bottrop über das Halbfinale nicht hinaus und sicherten sich damit einmal mehr den fünften Platz. Die Piratinnen zeigten an diesem Tag kämpferisch sehr gute Leistungen, weshalb die Enttäuschung über die Niederlage nicht ganz so hoch ausfiel. Die Gegner waren in diesem Jahr einfach zu stark.
Die Finalrunde begann mit dem Einmarsch aller Teams. Als die Piratinnen die Matte betraten wurde es besonders laut. Mehr als 80 Bottroper Fans hatten den Weg in die Halle gefunden, um die Judoka mit Trommeln, Rasseln und Rufen lautstark anzufeuern. „Wir hatten die Fans von Beginn an auf unserer Seite. Kein anderes Team wurde so sehr unterstützt wie wir. Das war einfach großartig, Gänsehausfeeling.“ so Julia Rotthoff, Teamcaptain.
Dann wurde es ernst. Im ersten Kampf gegen den TSG Backnang stand die Drittplatzierte des Grand Slam in Abu Dhabi, Guusje Steenhuis, bis 78 kg Anna-Maria Wagner, WM-Dritte der u21, gegenüber. Nach einem spannenden Kampf über die volle Kampfzeit ging Bottrop mit einem Sieg in Führung. Der Auftakt war perfekt, die Halle stand Kopf.
Doch bereits mit dem zweiten Kampf wendete sich das Blatt. Saskia Wüst bis 63 kg hatte im Duell gegen die starke und international erfahrene Französin Sarah Loko das Nachsehen, ebenso Lena Wilkes bis 52 kg gegen Vera Dworaczyk. Beide Bottroperinnen kämpften technisch sehr stark und konnten auf dem hohen Niveau lange mithalten, doch letztendlich ging Backnang mit 2:1 in Führung.
Die Chance auf den Ausgleich hatte Sina Felske, Drittplatzierte der diesjährigen Studenten-Europameisterschaft bis 57 kg. Ihr gegenüber stand die zweifache Olympiastarterin und WM-Dritte von 2009 Romy Tarangul, die normalerweise eine Gewichtsklasse tiefer antritt. Felske machte Tarangul in den ersten zwei Minuten ordentlich Druck, ehe sie unglücklich in eine Bodensituation geriet, die sie zur Aufgabe zwang.
Für die Gewichtsklasse über 78 kg hatte Backnang die ukrainische Nationalkämpferin Iryna Kindzerska eingeflogen. Weltspitzekämpferin Tessie Savelkouls stand der deutlich schwereren und kräftigen Ukrainerin gegenüber. Ohne gefährliche Techniken aber mit übermäßigem Krafteinsatz schob Kindzerska die Piratin mehrfach aus der Matte und ließ sie abgebeugt kämpfen. Schlussendlich geriet Savelkouls in einen Armhebel, wodurch sie nicht nur den Kampf verlor, sondern auch noch ihren Ellbogen verletzte und im zweiten Durchgang nicht antreten konnte. Es stand 4:1 für Backnang.
Zum Höhepunkt des Kampfes wurde die Begegnung bis 70 kg zwischen der Piratin und amtierenden Europameisterin Martyna Trajdos – eigentlich bis 63 kg – und der Nationalkämpferin Ilyana Marzok. Trajdos übte von Anfang an Druck aus, ging mit einer kleinen Wertung in Führung und gewann den Kampf nach 3 Minuten durch mehrere Passivitätsstrafen für Marzok. Den letzten Kampf im ersten Durchgang bestritten Julia Rotthoff und die amtierende Deutsche Meisterin Katharina Menz bis 48 kg. Bisher endeten die Duelle immer sehr knapp, Rotthoff konnte in der Vergangenheit bereits mehrere Siege einfahren. Diesmal reichte es nicht. Durch eine Unachtsamkeit von Rotthoff ging Menz nach vier Minuten Kampfzeit als Siegerin von der Matte. Endstand des ersten Durchgangs: 5:2 für Backnang.
Während der Pause wurden die Kräfte mobilisiert, die Taktiken, Stärken und Schwächen der eigenen und gegnerischen Kämpferinnen noch einmal besprochen. Auch wenn der Sieg in die Ferne rückte, die Piratinnen waren hoch motiviert für den zweiten Durchgang und die Zuschauer wieder lautstark dabei.
Im ersten Kampf des zweiten Durchgang wechselten die Piratinnen die international erfahrene Karen Stevenson ein. Sie traf auf Anna-Maria Wagner. Auch diesmal endete der Kampf in der Gewichtsklasse bis 78 kg nach vier Minuten Kampfzeit zu Gunsten der Bottroperinnen. Carla Grol bis 63 kg und Vera Dworaczyk bis 52 kg waren für die Piratinnen Saskia Wüst und Hannah Karrasch zu stark. Beide setzten sich vorzeitig mit Wurftechniken durch. Neuer Zwischenstand: 7:3 für Backnang. Damit hatten die Südstädter bereits ein Unentschieden in diesem Halbfinale sicher. Es reichte also ein einziger Punkt gegen die Bottroperinnen für deren Sieg und damit die Niederlage für die Piratinnen.
In der Gewichtsklasse bis 57 kg gab es keinen Wechsel der Kämpferinnen. Sina Felske war diesmal deutlich besser auf Romy Tarangul eingestellt. Sie erzielte durch eine große Außensichel unter tosendem Applaus eine kleine Wertung. Felske konnte den Vorsprung leider nicht über die Zeit retten. Tarangul übernahm kurz vor Schluss mit einer großen Wertung für einen Schenkelwurf die Führung und brachte diese über die Zeit. Für Backnang stand damit der Viertelfinaleinzug fest, für Bottrop war der Traum von der Medaille geplatzt.
Im nächsten Kampf über 78 kg traf Guusje Steenhuis auf Iryna Kindzerska und gab den Kampf aufgrund ihres deutlich niedrigeren Gewichtes und damit verbundenen Verletzungsrisikos auf. Bis 70 kg warf Martyna Trajdos im Anschluss nach rund zwei Minuten Meike Wegner auf den Rücken. Julia Rotthoff gewann bis 48 kg die Begegnung gegen Katharina Menz durch deren Aufgabe. Endstand: 9:5.
Das Ergebnis fällt sicherlich deutlicher aus als es war. Einige Kämpfe wurden sehr knapp entschieden, der ein oder andere Punkt war sicherlich noch zu holen. Die TSG Backnang war an diesem Tag einfach zu stark, vor allem physisch. Im Vorfeld wurde von guten Medaillenchancen gesprochen, insbesondere aufgrund der guten Vorbereitungen der Piratinnen und wegen Ausfällen im Team Backnang. Dass die Ausfälle jedoch so gut kompensiert werden konnten, damit hat niemand gerechnet. Ein Knackpunkt war sicherlich auch die Gewichtsklasse über 78 kg, in der die Bottroperinnen mit Siegen gerechnet haben. Zudem kommt die mentale Stärke, die bei einer Finalrunde gefordert ist. Der Respekt gegenüber den Top-Kämpfern anderer Vereine spielt auch immer eine Rolle. Es ist für manche Kämpferinnen nicht leicht diese Blockade zu lösen und einfach zu kämpfen. Alles in allem ist der fünfte Platz eine zufriedenstellende Leistung, wenn man den schwachen Saisonstart berücksichtigt. Schließlich lagen die Piratinnen nach der Vorrunde auf Platz 3.
Im zweiten Halbfinale trennten sich die SUA Witten und der JC Wiesbaden mit 4:9. Die Viertelfinals bestritten im Anschluss der TSG Backnang gegen den Nordmeister und Ausrichter 1. JC Mönchengladbach. Durch den knappen 8:6-Sieg von Backnang zog dieses Team ins Finale ein. Zweiter Finalteilnehmer war der JSV Speyer nach einem 10:3-Sieg gegen den JC-Wiesbaden. Finalsieger und damit zum ersten Mal Deutscher Mannschaftsmeister wurde der JSV Speyer. Die Begegnung gegen TSG Backnang endete 9:4.

Fotos:
CDZ_6349 Einstimmen auf das Bundesligafinale
CDZ_7132 Romy Tarangul gegen Sina Felske
Fotos zur Verfügung gestellt von Christian Dziwok.

Weitere Informationen zu Verein, den Ligen und dem Training sind jederzeit unter: www.jc66.de zu finden.
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