New Fall Festival: Besonders ist gut, aber nicht immer - Zu Gast bei Patrice und Andreas Dorau

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Patrice trat im Capitol auf. Ein bestuhlter Saal für ein Reggae-Konzert? Schwierig. Foto: Veranstalter/Lukas Wiegand

Das New Fall Festival fand am vergangenen Wochenende zum 5. Mal in Düsseldorf statt. Motto der fünftägigen Konzertreihe ist, dass Künstler an besonderen Orten auftreten.


Freitagabend. Capitol. Der deutsche Reggae-Musiker Patrice steht auf dem Programm. „Vielleicht ist das auch im Foyer“, sagt eine Besucherin vor der Veranstaltung zu ihrer Begleitung. Denn sie weiß: Das Capitol ist mit festen Stühlen ausgestattet. Das sehen viele der Gäste an diesem Abend erst, als sie den Saal betreten haben. Schulterzucken. Mal schauen, was passiert. Der Saal ist gut ausgelastet. Die Crowd quatscht. Und sitzt. Patrice und Band kommen. Und alle sitzen. Nur ein Besucher mit Sonnenbrille in der ersten Reihe steht auf. Beim zweiten Lied eine zweite Besucherin – und dann plötzlich alle. Der Saal steht. Zwei Stunden. Vor der ersten Reihe bilden sich schnell drei Stehreihen. Die Fans wollen feiern. Und Patrice und seine Band geben ihnen, was sie wollen. „Soulstorm“ und „Sunshine“ und zum Schluss was ganz Neues. Kein schlechtes Konzert. Aber kein Platz zum Tanzen. Also am falschen Ort.

Unterhaltsamer Nachmittag


Ganz im Gegensatz zu Andreas Dorau. Außergewöhnlicher konnte seine Performancelesung nicht sein. „Das ist ja wie in einer Kommune hier“, sagte eine Besucherin. Denn Andreas Dorau, der Anfang der 1980er unerwartet zu einem der Helden der neuen Deutschen Welle geworden war, präsentierte seine Memoiren „Ärger mit der Unsterblichkeit“ in einem Saal des Hotel Nikko an der Immermannstraße, ohne Stühle. Denn hier fehlten sie gänzlich. „So ist das nunmal“ , wenn man zu einem Auftritt Andreas Doraus geht. Die Menge musste auf Teppichboden Platz nehmen, was jedoch einige Unverbesserliche nicht davon abhielt, sich Stühle aus dem Foyer zu packen und sie kurzerhand ungefragt mit in den Saal zu nehmen. Die Lesung fand im Rahmen des Radioformats EinsLive Clubbings statt.
Gestartet wurde die Lesung „dort, wo es wehtut“, sagte Doraus Verleger Helge Malchow, womit er die Geschichte hinter „Fred vom Jupiter“, dem Hit, der für Dorau Fluch und Segen zugleich ist, meinte.
Und so beschränkte sich der Multikünstler auf das, was er am besten könne, wie er es selbst formulierte, nämlich „Kleine Filmchen zeigen“. Ursprünglicherweise hätte Sven Regener lesen können. Der Frontmann von Element of crime und Bestsellerautor von Büchern wie „Herr Lehmann“ ist für den formulierten Inhalt verantwortlich, den Andreas Dorau ihm diktiert hat. „40 Frauen“ waren geschätzt nicht da, aber dafür vermutlich jede Menge „Girls in love“, die sich noch an die „Fred“-Zeiten erinnern.
Mit vielen Anekdoten aus dem Musikbusiness und dem üblichen nicht vorhandenen „Größenwahn“ eines Andreas Doraus wurde der Nachmittag im Hotel Nikko zu einem höchst unterhaltsamen Nachmittag, wie er in dieser Form wohl nie wieder stattfinden wird.

(Von Christina Görtz und Michael Hoch)
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