Einfach nur Pferd sein dürfen die Vierhufer auf dem Büker-Hof

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Dieter Michael hat Herz und Händchen für Pferde. Auf seinem Hof werden aus so genannten Problemtieren ganz schnell wieder friedliche Zeitgenossen. So manches Tier wurde vor dem Schlachter gerettet.
 
Hufheilpraktikerin Jenny Mahfouth mit einem ihrer schwierigen Patienten. Stute Lara wurde jahrelang falsch gehalten und behandelt. Auf dem Büker-Hof geht es ihr wieder besser.

Dieter Michael liebt Tiere. Vor allem Pferde. Und weil er sie so in sein Herz geschlossen hat, möchte er auch, dass es ihnen gut geht. Deswegen sperrt er seine Freunde nicht in Boxen, sondern hält sie in der Herde auf der Weide. Natürlich und artgerecht geht es auf dem Werdener Büker-Hof, Plattenweiler 34, zu. Für dieses Engagement wurde der Hof mit vier Sternen ausgezeichnet.

Zugegeben, auf den ersten Blick könnte man meinen, Dieter Michael sei ein leicht „durchgeknallter“ Hobbybauer, der es mit seiner Tierliebe total übertreibt. Aber kommt man mit dem ehemaligen SPD-Ratsherrn und Architekten ins Gespräch, merkt man schnell, dass hier fundiertes Fachwissen spricht: „Das Pferd ist ein Fluchttier, und Fluchttiere sperre ich als Tierfreund nicht ein!“ Klingt doch einleuchtend, wenn man darüber nachdenkt, oder? Genauso wie die Aussage, Pferde bräuchten keine Hufeisen, die würden nämlich nicht nur dem Huf, sondern dem ganze Tier schaden. „Der Huf übernimmt eine Pumpfunktion. Beim Auftreten dehnt er sich aus, zieht sich nach der Belastung wieder zurück. Dadurch wird das Blut aus den Beinen der Pferde gepumpt. Bei beschlagenen Tieren ist dies kaum noch möglich. Da wir gesunde Tiere haben möchten, verzichten wir bei allen elf Pferden komplett auf Eisen“, weiß Jenny Mahfouth. Die Hufheilprakterin lebt auch auf dem Büker-Hof und hat schon so manches nach schulmedizinischer Meinung austherapierte Pferd wieder zum Laufen gebracht. „Damit Pferde gesunde und leistungsfähige Hufe behalten oder wieder bekommen, mit denen sie problemlos über jeden Untergrund und über lange Distanzen geritten werden können, sind neben den artgerechten Haltungsbedingungen für das Flucht- und ehemalige Herdenfernwandertier, anatomisch und physiologisch korrekt bearbeitete Barhufe unabdingbar. Pferde werden schließlich nicht mit Hufeisen geboren!“, unterstreicht Jenny Mahfouth.

Großes Herz für Pferde

Dieter Michael gönnt seinen Tieren Platz. Mehrere Hektar Auslauf rund um das Stallgebäude (in dem die Tiere Futter und einen Unterstand vorfinden) stehen den Pferden täglich zur Verfügung - ganz egal ob es regnet, schneit oder die Sonne scheint. „Unsere Tiere sind fast immer auf der Weide und kommen nur sehr selten in den Stall. Wenn überhaupt, dann bei großer Hitze, den das mögen sie nicht so gerne“, so Michael. Alles auf dem Büker-Hof ist gut durchdacht: So steht zum Beispiel das Wasser der Tiere ganz am anderen Ende des Hofs, weit weg von der Lieblingsweide(einer Streuobstwiese, wer würde sich hier nicht auch am liebsten aufhalten?), so dass die Pferde sich möglichst viel bewegen müssen.
Für seine konsequent natürliche Haltungsform wurde der Büker-Hof bereits zum vierten Mal im Zwei-Jahres-Rhythmus von der Laufstallarbeitsgemeinschaft(LAG) auf artgerechte Haltungsbedingungen kontrolliert und bewertet. Nachdem der Pferdeoffenstall in den letzten sechs Jahren immer mit drei Sternen ausgezeichnet wurde, konnte er diesmal sogar noch einen vierten Stern hinzugewinnen.
Ein Erfolg, der Dieter Michael mit Stolz erfüllt. Muss er doch zu oft sehen, in welchen zum Teil erbärmlichen Verhältnissen Pferde Leben müssen und wie sie vom Menschen behandelt werden.
„Ich unterstelle niemanden, dass er sich absichtlich schlecht um sein Pferd kümmert. Vieles geschieht eindeutig aus Unwissenheit. Deswegen ist es mir so wichtig, Aufklärungsarbeit zu leisten. Ein Beispiel für verhärende Unwissenheit sind Mauleisen, die fast jeder Reiter benutzt. Die führen nämlich beim Pferd zum Reflexkonflikt, da es nicht mehr weiß, ob es atmen oder schlucken soll. Meist fängt es dann an zu schäumen, was oft als wünschenswertes Verhalten beim Pferd gedeutet wird. In Wirklichkeit ist das aber ein Zeichen purer Not. Wer sein Tier liebt, sollte es ganz schnell vom Mauleisen befreien!“, rät der Stallbetreiber. Auch Themen wie „Rollkur bzw. Hyperflexion“ und „bandagierten Beinen“ steht er absolut ablehnend gegenüber.
Sein über die Jahre angeeignetes Wissen gibt der Tierfreund gerne weiter, berät mittlerweile weit über die Stadtgrenzen hinaus konventionelle Stallbesitzer bei der Umgestaltung zu artgerechter, ganzheitlicher Pferdehaltung. Michael: „Ich freue mich über jeden Anruf und jeden Besuch, ganz egal wie beschäftigt ich bin. Mir liegt die artgerechte Pferdehaltung so sehr am Herzen, dass ich jeden, der mit mir darüber sprechen möchte, dazu einlade!“
Dieter Michael hat sich schon immer sehr für Pferde interessiert, hatte aber lange Zeit Angst vor den imposanten Tieren. Durch seinen behinderten Sohn Fabian kam er über die Hippotherapie nah an den Vierhufer heran und aus Interesse wurde schnell Liebe. Seit dem Jahr 2000 betreibt er den Büker-Hof, gibt dort Einzelunterricht und Kurse zum Angstabbau mit Pferden und Hunden.
Zurzeit ist er mit dem Aufbau einer Lebens- und Arbeitsstätte für Behinderte auf dem Hof beschäftigt.

Wer mehr über den Büker-Hof und die Arbeit von Dieter Michael und Jenny Mahfouth wissen möchte und Kontakt sucht, kann sich unter Tel.: 0172/9532590 bzw. 0157/30878765 melden.
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