Metallica-Drummer Lars Ulrich: "Das Publikum im Revier ist großartig für Hard Rock!"

Wann? 31.05.2015

Wo? Veltins Arena, Ernst-Kuzorra-Weg 1, 45891 Gelsenkirchen DE
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Bei Rock im Revier in der Veltins Arena auf Schalke sitzt Lars Ulrich wieder an den Drums seiner Band Metallica. Fotos: Deutsche Entertainment AG #RIR2015
 
Über die Metallica-Gigs in Deutschland: "Es waren verrückte zehn Tage, wir fühlten uns wie Kinder in einem Laden voller Süßigkeiten und hatten jede Menge Spaß. Das war augenscheinlich der Beginn einer unglaublichen Beziehung zu Deutschland, die nun seit 31 Jahren anhält."
 
"Ich glaube, wir spielten in Zürich, Zwolle, Nürnberg, Paris und ein paar anderen Orten. Deutschland war immer das Land, das Metallica über all die verschiedenen Jahre und Erfahrungen hinweg beständig am stärksten unterstützt hat."
Gelsenkirchen: Veltins Arena |

Bevor Metallica bei Rock im Revier am Freitag, 29. Mai 2015 die Arena auf Schalke rocken, hat Autor Jörg Staude für Eventkompass.de ein Exklusiv-Interview mit Schlagzeuger Lars Ulrich geführt.

Lars, lassen Sie uns über die bevorstehenden Festivals „Rock im Revier“ in Gelsenkirchen, „Rockavaria“ in München und „Rock in Vienna“ sprechen. Können wir uns diesmal auf etwas Besonderes freuen? Planen Sie etwas Spezielles, wie ein weiteres „Metallica by Request“?
„Also, ich hoffe es ist jedes Mal etwas Besonderes, wenn Metallica spielt. Wenn wir an Orte kommen, an denen wir das Glück haben häufig zu spielen, wie in diesem Fall Deutschland und Österreich, tendieren wir dazu es so besonders wie möglich zu machen. Ich versuche immer eine Setlist zu entwerfen, die besondere Songs enthält und tiefergehende Songs, und andere Songs als die letzten Male, die wir dort gespielt haben."

"Deshalb hatten wir letztes Jahr bei 'Rock am Ring' und 'Rock im Park' ein paar sehr besondere Shows. Wir hatten in den letzten Jahren wirklich ein paar großartige Shows in Deutschland, aber das ist jetzt der Beginn einer neuen Reihe an Festivals und einer neuen Erfahrung, und Metallica fühlt sich geehrt, ein Teil davon zu sein. Wir werden definitiv etwas Besonderes daraus machen. Unsere erste große Show in diesem Jahr spielen wir nächstes Wochenende in Las Vegas. 'Rock in Rio' wird nach Las Vegas gebracht, und das ist unsere große Show zum Warm-up. Bis wir dann in ein paar Wochen nach Gelsenkirchen, München und Wien kommen werden wir uns eingespielt haben.“

Deutschland gehört zu Ihren größten Märkten. Können Sie sich daran erinnern, wie Sie 1984 zu ersten Mal hierhergekommen sind? Ich glaube, Sie haben im Februar 1984 in Nürnberg gespielt. Wie ist man damals mit Ihnen umgegangen?
„Wir waren die Vorgruppe für Venom auf der Tour 'Seven Dates Of Hell'. Ich glaube, es war die Hemmerleinhalle, aber ich kann mich nicht mehr genau erinnern. Das war das erste Mal, dass wir in Europa waren. Wir waren ungefähr 12 Jahre alt und hatten noch nie zuvor die Heimat verlassen. Venom gehörten zu unseren großen Helden und waren in Europa eine große Nummer. Wir hatten in den ersten paar Jahren wirklich viel Aufmerksamkeit und viel Fanpost und andere Sachen aus Europa bekommen, und deshalb war es etwas wirklich besonderes für uns, endlich in Europa zu sein – und wir hatten noch nie vor so vielen Menschen gespielt. Wir hatten viel Spaß. Ich weiß nicht, wie viele Shows wir in Deutschland gespielt haben, es müssten wahrscheinlich an die hundert oder so sein. Die Zeit von der Eröffnung für Venom und alle möglichen Festivals, wie die Eröffnung für Deep Purple bei 'Monsters of Rock' 1987, über die Auftritte in verschiedenen kleinen Hallen und Messehallen, bis hin zu den Arenen und natürlich den Festivals war eine unglaubliche Reise. Vor zehn Jahren haben wir in Berlin mit den Symphonikern gespielt und irgendwann im November 1997 haben wir in einem kleinen Club in Hamburg gespielt, glaube ich. Das hat viel Spaß gemacht und es war eine unglaublicher Reise und diese neuen Festivals sind hoffentlich die Fortsetzung davon.“

Erinnerungen an 'No Life ´til Leather'

Wo wir gerade von dieser Ära sprechen: Wie nostalgisch war für Sie vor kurzem die Veröffentlichung des legendären 'No Life ´til Leather'-Demotapes am Record Store Day? Welche Erinnerungen hat das hervorgeholt?
„Wir haben jetzt unser eigenes Label und unsere eigenen Platten und Aufnahmen gehören uns, und deshalb fangen wir in diesem Jahr mit ein paar wirklich coolen Neuauflagen an. Wir graben uns tief in das Verzeichnis und in den Gewölben, Kellern und auf den Dachböden herum. Anstatt mit 'Kill´em all' fingen wir mit dem an, was Verbreitung gefunden hatte und bereits draußen war, das war das 'No Life ´Til Leather'-Tape, unsere erste Demoaufnahme. Das waren damals unsere jungen, unschuldigen Tage, in denen wir uns noch finden mussten. Wir haben nicht so viel über Dinge nachgedacht, sondern es einfach so gemacht, wie man alles mit 19 oder so macht. Da ist man sehr instinktiv und geht einfach mit dem Fluss. Es war sehr lustig als ich ein paar der Songs hörte. Es erinnerte mich an eine Welt voller Wunder und Möglichkeiten. Auch auf anderen Kassetten haben wir ziemlich cooles Zeug gefunden. Das Tape wurde am Record Store Day veröffentlicht und haute uns um, als unsere Manager uns sagten, dass es bei den Verkäufen am Record Store Day in Amerika auf Platz 1 steht. Das ist unglaublich für eine Kassette! Wie viele Menschen haben denn noch einen Kassettenspieler? Obwohl manche Autos auch noch einen haben. Es war richtig cool, das Ding herauszubringen und jetzt arbeiten wir an der EP-Vinyl-Version, die im August oder Anfang des Herbstes erscheinen soll, glaube ich. Und wir haben noch ein paar andere coole Sachen, die wir ausgraben werden – bislang ist die Resonanz auf die Neuauflage phänomenal.“

Konzerttickets im Pappkarton auf dem Dachboden

Sammeln Sie wie früher immer noch Tickets aller Ihrer Konzerte?
„Ja, wir haben immer noch Tickets und sammeln das ganze Zeug.“
Wie archivieren Sie sie?
„Das wird immer besser (lacht). Jahrelang wurden die ganzen Dinge irgendwo in Pappkartons auf Dachböden gesammelt, aber im letzten Jahr haben wir tatsächlich mit einer Art Archivierungssystem angefangen und damit begonnen, die ganzen Neuaufnahmen und das, was in den nächsten paar Jahren herauskommen wird, tatsächlich vorher durchzusehen. Wie ich schon sagte finden wir jede Menge cooles Zeug in unseren Gewölben. Wir sind nicht so gut organisiert, als dass wir ein perfektes Archivierungssystem hätten, aber wir werden besser. Da gab es Sachen, von denen ich nicht erwartet hätte, sie zu finden. Das Finden kostet jede Menge Zeit, aber ich habe einige Sachen schneller gefunden, als ich nach Inhalten für die Neuauflagen des nächsten Jahres oder so gesucht habe. Das Zeug ist da und wir werden es voll ausnutzen.“

Vermissen Sie die Zeiten, in denen man ein richtiges gedrucktes Ticket hatte?
Ich erinnere mich an das der Justice-Tour 1988, das hier in Deutschland die Form einer Gitarre hatte!

„Wir sind in beiden Welten zuhause. Natürlich verändert sich die Welt und wir werden mit ihr vorangehen, aber gleichzeitig macht es so viel Spaß, Teil der Generation zu sein, die sich hinsetzt, sich Platten anguckt, sie anhört und währenddessen die Texte auf der Innenhülle liest, und all solche Sachen – in den Plattenladen gehen, verrückte Tickets haben, und farbige Schallplatten und alle Arten von Erinnerungsstücken, die man anfassen kann. Meine Kinder werden diese Erfahrung wohl niemals machen, denn alles existiert auf ihrem Smartphone, aber gleichzeitig muss man mit der Zeit gehen und ich will auch nicht in der Vergangenheit stehenbleiben. Ich freue mich also darüber, das alles zu erleben und die Fans haben auch diese Chance. Wir haben in den 80-ern und 90-ern mit den Fans kommuniziert und finden jetzt neue coole Wege, dies über das Internet und Webseiten und alles Mögliche zu tun; so haben wir das Beste aus beiden Welten.“

Rückblick auf Gigs in Dortmund, Essen und Oberhausen

2004 haben Sie zum ersten Mal in der Arena in Gelsenkirchen gespielt. Glauben Sie, dass das Konzertpublikum besonders im Ruhrgebiet (Dortmund, Essen, Oberhausen, also Orte, an denen Sie schon vorher viele Male gespielt haben) anders ist als im Rest von Deutschland? Vielleicht wegen des Backgrounds als Arbeitergegend oder der Tatsache, dass das Ruhrgebiet das Herz des Thrash Metal in Deutschland ist, aus dem Bands wie Sodom und Kreator kommen?
„Wir hatten in der Vergangenheit großartige Shows in Köln, Essen und in der Westfalenhalle in Dortmund, 2011 haben wir in Gelsenkirchen mit den „Big Four“ gespielt – die Region ist offensichtlich großartig für Hard Rock! In Amerika hat sich der Schwerpunkt von Hard Rock und Metal um Detroit, Chicago und Cleveland konzentriert, in England um Sheffield, Manchester, Nottingham und Birmingham. Glücklicherweise scheint die Musik von Metallica aber jeden auf unterschiedliche Weise anzusprechen, auch wenn wir offensichtlich viel Spaß im Ruhrgebiet hatten und viel in Köln waren, was zu unseren Lieblingsorten gehört – es ist so eine schöne Stadt! Wir hatten auch in Düsseldorf großartige Zeiten, es ist also für Metallica und für Metal allgemein eine besondere Region.“

Können die deutschen und österreichischen Fans einen neuen Song erwarten? Im letzten Jahr haben Sie 'Lords Of Summer' das erste Mal vor deutschem Publikum aufgeführt. Wie klingen die neuen Sachen? Können Sie uns einen Eindruck geben?
„Wir haben viele neue Songs, es ist also spannend. 'Lords Of Summer' war großartig um im letzten Jahr zu starten, und es hat wirklich Spaß gemacht, es in Deutschland und Lateinamerika zu spielen. Wir haben viele weitere Songs, die sich in verschiedenen Entwicklungsstadien befinden. Ich weiß nicht, ob wir die Möglichkeit haben, einen neuen Song zu spielen; an dem Punkt sind wir noch nicht. Ich habe ja schon vorhin gesagt, dass in zehn Minuten unsere erste Probe anfängt. Im Mai spielen wir Shows für euch, im August in Reading und Leeds, wir spielen ein paar Shows in Russland und machen ein paar Sachen in Skandinavien. Ich glaube es sind etwa 15 Shows im Laufe des Sommers; wenn es also den einen oder anderen Song gibt der sich anfühlt, als sollten wir ihn teilen, werden wir das definitiv tun. Wenn wir in ein paar Wochen etwas haben, das es verdient geteilt zu werden, dann gibt es keine bessere Gelegenheit, als es mit euch in Deutschland zu teilen.”

Zum Ende eine nicht ganz so ernste Frage: Gab es jemals in Ihrem Leben einen Tag, an dem Sie nicht über Musik sprechen wollten?
(Lacht) „Ich spreche täglich überall mit jedem über Musik. Musik ist mein Leben. Ich freue mich, mit jedem über Musik zu sprechen, der mir zuhören möchte.“

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