Interview Tanzpädagogin Erika Pico - Neuer Tanztheater-Workshop 8. und 19. 11. THG Waltrop

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Fast unglaublich ist die Lebensgeschichte der in Columbien geborenen Tänzerin Erika Pico.
 
Egal welchen Alters und welcher körperlicher oder geistiger Verfassung: Die Teilnehmer des Tanztheaters bringen Erstaunliches auf die Bühne. Fotos: Petra Pospiech

Erika Pico ist wieder in der Stadt. Bereits im letzten Jahr sorgt das von ihr geleitete inklusive Waltroper Tanztheaterprojekt „Das Strahlen beginnt“ für Furore. Mit Kreativität und Einfühlungsvermögen versteht es die einstige Profitänzerin und Tanzpädagogin verschiedenste Menschen - ob jung oder alt, ob mit oder ohne Handicap - zu unglaublichen Leistungen anzuspornen und zu einem tanzbegeisterten Ensemble zu vereinen.



Fast unglaublich ist auch die Lebensgeschichte der in Columbien geborenen Tänzerin. Seit ihrem achten Lebensjahr tanzt Erika Pico in ihrem Heimatland in einer Tanzcompany für Acht- bis Fünfzehnjährige. Ihr Tanzlehrer erkennt ihr Talent und fördert sie. „Schon mit 16, direkt nach dem Abschluss der Highschool, vermittelte er mich als Profitänzerin an die berühmte „Company Espacios Alternos“ in Caracas in Venezuela“, berichtet die zierliche Südamerikanerin. Doch bald hat sie das Gefühl

„Ich will hier raus!


Ich möchte Europa kennenlernen und dort tanzen.“ In Caracas arbeitet sie mit einer Tanzlehrerin zusammen, die einst an der Folkwangschule in Essen Tanz studiert hat. Sie hilft der jungen Tänzerin Kontakt zu dieser Schule aufnehmen. „Ich wusste nichts über Deutschland, kannte nicht einmal den Klang der deutschen Sprache und doch stand für mich fest: Da will ich hin.“

Erica Pico erhält eine Einladung zur Aufnahmeprüfung an der Essener Folkwangschule. Die 19-Jährige setzt sich ganz allein in den Flieger, kommt nach Essen, besteht die Aufnahmeprüfung und studiert Tanz an der berühmten Essener Akademie. Sie erzählt: „In Essen kannte ich niemanden, ich konnte weder Deutsch noch richtig englisch. Beide Sprachen, in denen die internationalen Tanzschüler der Schule unterrichtet wurden. Also besuchte ich einen Deutschsprachkurs, aber nur vier Monate lang, denn die Proben nahmen den ganzen Tag in Anspruch und abends jobbte ich in einem Italienischen Restaurant. Ich musste ja irgendwie meinen Anteil an der Wohnung, die ich mit zwei Mädchen aus Südamerika teilte, und meinen Lebensunterhalt finanzieren.“

Schmunzelnd sagt die heute 40-Jährige: „So lernte während meiner vierjährigen Ausbildung nicht nur deutsch und englisch, sondern auch noch italienisch.“ Erika Pino denkt gern zurück: „Während meiner -Ausbildung hatte ich das große Glück auch kurzzeitig mit der berühmten Tänzerin Pina Bausch zusammenzuarbeiten.“ Nach Abschluss ihrer Ausbildung übernimmt sie das Folkwang-Tanzstudio unter Leitung von Henrietta Horn als Profi-Tänzerin.

„Profi-Tänzerin zu sein bedeutet, 10 bis 12 Stunden täglich zu tanzen, zu proben und aufzutreten.


Ein normales Leben ist dabei nicht möglich.“ Fünf Jahre dreht sich ihr ganzes Leben nur um den Tanz. Als sie ihren deutschen Ehemann heiratet, ist für sie klar: „Ich möchte ein normales Leben, eine Familie, aber meine Leidenschaft zum Tanz nicht verlieren oder vergessen. Ich möchte meine Erfahrung weitergeben und meinen Schülern das Gefühl vermitteln, was es heißt auf der Bühne bewundert zu werden.“ Als selbstständige Tanzpädagogin ist Erika Pico mittlerweile mehr als gefragt. Sie arbeitet in Schulen, Altenheimen in ganz NRW und leitet Tanz-Projekte in sozialen Brennpunkten, zum Beispiel auch in Duisburg-Marxloh. Die exzellente Tänzerin und zweifache Mutter hat ein wunderbares Gespür für Menschen. Völlig ungezwungen geht sie mit Menschen um, fordert und fördert sie. Erika Pico gelingt es, das alle Tänzer, egal welchen Alters oder körperlich geistiger Verfassung alles aus sich herausholen und Erstaunliches auf die Bühne bringen. Daher wundert es nicht, dass alle Beteiligten des letztjährigen Waltroper Tanztheater-Projektes auch in diesem Jahr wieder begeistert am neuen Projekt mitwirken. Wer sich daran beteiligen möchte, hat Gelegenheit hineinzuschnuppern beim Workshop am 8. und 19. November.

Info:
Das Tanztheaterprojekt Waltrop ist entstanden in Kooperation mit dem Theodor-Heuss-Gymnasium, der Lebenshilfe und der VHS Waltrop. Gesucht werden weitere Tänzer und Tänzerinnen im Alter von 10 bis 90 Jahren mit oder ohne Handikap. Der Workshop zum Kennenlernen findet statt am Dienstag 8. November von 17 bis 20 Uhr und am Samstag ab 11 Uhr in der Aula des THG. Weitere Infos: www.tanztheaterprojekt-waltrop.de, Anmeldung: VHS Waltrop, Telefon: 02309 / 9626133 oder
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