Klöppeln wie vor 500 Jahren

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Bereits seit 1979 gibt Lilli Herbig ihr Wissen und Können als Klöppel-Lehrerin weiter. Erwachsene und auch Jugendliche haben viel Spaß in ihren Kursen. Foto: Petra Pospiech
 
Foto: Petra Pospiech

Kann man mit der alten Kunst des Klöppelns auch heute noch junge Leute begeistern? Lilli Herbig kann es. Der Recklinghäuser Klöppel-Lehrerin gelingt es seit vielen Jahren, nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder und Jugendliche für das filigrane Handwerk zu entflammen.



"Lilli, ich brauche Hilfe! Ich hab' hier ein großes Durcheinander angerichtet", ruft Luisa mit Blick auf ihr Klöppelbrett und die 17 Klöppelpaare. Dass man mit 34 und mehr kleinen spindelförmigen Holzspulen überhaupt arbeiten kann, ohne ein heilloses Faden-Durcheinander anzurichten, scheint für einen Laien nahezu unvorstellbar. Nicht so für Lilli Herbig und ihre Klöppel-Schülerinnen. Schnell und gelassen steht die sympathische 80-Jährige ihrer zwölfjährigen Schülerin mit Geduld und Sachverstand zur Seite, damit die Arbeit an dem angefangenen prachtvollen Stern aus goldgelbem Garn weitergehen kann.

Luisa, zwei weitere Trägerinnen des gleichen Namens, zwei Hannahs, Enkelin Nele und Lena gehören zu der Gruppe von Jugendlichen, die sich jeden Donnerstag von 17 bis 18.30 Uhr im Haus der Liebfrauen-Gemeinde zum Klöppeln treffen. Sie alle sind mit Begeisterung bei der Sache.
Die elfjährige Louisa spricht allen aus dem Herzen, wenn sie sagt: "Beim Klöppeln kann man richtig schön entspannen, man vergisst die Schulsorgen und kann sich ablenken, wenn man am nächsten Tag eine schwere Arbeit in der Schule schreiben muss."

Beim Klöppeln wird viel erzählt und gelacht


Doch nicht nur zum Klöppeln kommt die Gruppe junger Mädchen gern zusammen. "Hier wird immer viel erzählt, gelacht, sogar Weihnachtslieder gesungen - eigentlich so ein richtiger Kaffeeklatsch für Teenies", lacht Uta Voigt (47), die seit sechs Jahren der Erwachsenen-Klöppelgruppe angehört, aber manchmal auch gern zusammen mit Lilli Herbig den jungen Schülerinnen zur Seite steht.
Lilli Herbig selbst hat im Alter von 14 Jahren das Handwerk von ihrer Großmutter in Schleswig-Holstein erlernt. "Zwischendurch habe ich ganz andere Sachen gemacht, habe geheiratet, Kinder bekommen und bin 1968 nach Recklinghausen gezogen", erzählt die jung gebliebene Seniorin. "Aber zwischendurch habe ich immer wieder geklöppelt, so auch mit meinen Töchtern und Enkelkindern Julia (18) und ganz aktiv mit Carolin (15) und Nele (9)."
Bereits seit 1979 gibt Lilli Herbig ihr Wissen und Können als Klöppel-Lehrerin weiter, bis 1979 an der Familienbildungsstätte Recklinghausen, dann in der Kirchengemeinde Liebfrauen. Natürlich hat sich im Laufe der Jahres vieles geändert, Spitzendecken, Kissen und Co. sind mittlerweile völlig out. Dafür ist die Motivarbeit in den Vordergrund gerückt. So entstehen ganze Bilder, auf denen komplette Geschichten erzählt werden. Mit ihren Motivarbeiten "Unter Wasser" und "Schneekönigin" hat ihre Jugendgruppe sogar an Wettbewerben teilgenommen und Auszeichnungen erhalten.
Doch nicht nur Jugendliche können sich für die Klöppelei unter Leitung von Lilli Herbig begeistern. Ihr Erwachsenenkurs am Dienstagabend ist ebenfalls gut besucht. "Dort ist sogar ein Ehepaar sehr aktiv bei Sache", berichtet die Klöpplerin und wendet sich wieder gleich ihren Schülerinnen zu, wenn es heißt: "Lilli, wir brauchen Hilfe!"

Klöppeln:
Das erste Klöppeltechnik-Musterbuch erschien um 1557 in Venedig. Aus Italien kam die Technik über Spanien oder die spanischen Niederlande nach Frankreich und im 16. Jahrhundert ins Erzgebirge. Hier hat sich Barbara Uthmann, die Witwe eines Montan-Unternehmers aus Annaberg, als Arbeitgeberin von 900 Bortenwirkerinnen maßgeblich an der Verbreitung des Klöppelns im Erzgebirge beteiligt. Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts können Klöppelspitzen durch Klöppelmaschinen hergestellt werden.
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