Thema Integration musikalisch umgesetzt

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Im Rahmen der Ruhrfestspiele trat in der vergangenen Woche ein Ensemble des St. Pauli-Theaters aus Hamburg in Marl mit Halterner Unterstützung auf.

Ein gut besetztes Haus hatte das Theater Marl bei den drei Aufführungen des Theater-Ensembles aus der Hansestadt mit ihrem Stück “Willkommen - Ein deutscher Abend“. Das zehnköpfige Ensemble, dem auch der Halterner Musiker Johannes Brachtendorf angehörte, brachte als “Privates-Flüchtlings-Organisations-Komitee“ eine gelungene Mischung aus Kabarett, Theater und Musical auf die Bühne.

Zum heiß diskutierten Thema des Zustroms von inzwischen etwa 1,5 Millionen Flüchtlingen und der entstehenden Problematik bei der Integration nahmen die Darsteller jedes sich bietende Klischee und jedes Vorurteil gekonnt aufs Korn. Das typisch Deutsche, das typisch Arabische, Nordafrikanische, das Christentum und der Islam bekamen gleichermaßen ihr Fett weg. Dabei wurde manches Märchen entlarvt, mancher wahre Kern herausgestellt. Mit gelungenem Sprachwitz und großem schauspielerischen und musikalischen Können bezogen sie das Publikum in das Geschehen mit ein; hielten ihm auch gelegentlich den Spiegel vor, ohne jemals mit dem moralischen Zeigefinger zu drohen. Im Diskurs um die Aufnahme von Geflüchteten bekamen alle Beteiligten eine Stimme, die Verfechter der Willkommenskultur ebenso wie die Bedenkenträger, die Ängstlichen wie die Optimisten und nicht zuletzt die Flüchtlinge selbst.

Ebenso bunt gemischt war die musikalische Untermalung des Stücks. Bekanntes aus Jazz, Musical und Operette, Pop und Volksmusik mit neuen Texten unterlegt, machten die Inszenierung zum Augen- und Ohrenschmaus mit so mancher politischen und gesellschaftskritischen Spitze. Vom Protestsong bis zur Opernarie wurde alles grandios eingesetzt um die drängenden Fragen zu klären: Woher kommen wir, wo wollen wir hin und "Schaffen wir das wirklich?"

"Willkommen - Ein deutscher Abend" war ein durch und durch gelungener musikalischer Versuch, einer Debatte, die Deutschland fast zu spalten droht, mit dem längst überfälligen Humor zu begegnen. Herzhafte Lacher waren inbegriffen, wenn einem auch zum Schluss buchstäblich das Lachen im Halse stecken blieb.

Ein Happy End gab es nicht, trotz aller Bemühungen des "Privaten-Flüchtlings-Organisations-Komitees". Zum Schluss finden sich die Protagonisten, Deutsche wie Flüchtlinge, desillusioniert vor der Herausforderung Integration wieder, mit der Erkenntnis, dass es mit gutem Willen und Toleranz allein zwar nicht getan ist, dies aber die Voraussetzung von allem ist. Den Vorstellungen entsprechend war der tosende Applaus des Publikums.

Das im Jahr 1841 gegründete Theater ist im Hamburger Stadtteil St. Pauli am Spielbudenplatz beheimatet. Es ist das älteste Privattheater der Stadt und eines der ältesten in Deutschland. Die Integrations-Revue "Willkommen - Ein deutscher Abend", entstammt der Feder von Franz Wittenbrink.
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