Das Lied vom Satz III.

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Unser Altvater der wohl ehrbaren Buchdruckkunst!
 
Manuskriptverteilung an die Setzermannschaft
Fortsetzung des von Rudolf Köstenberger im Jahre 1928 verfassten Textes auf Schillers Glocke!
Und kramet die Lexikas all aus den Laden
Und suchet im Duden und Wustmann den Faden,
Und stemmet aus reichlich gefülltem Schrein
Den Engel und auch noch Coellns Fehlerbüchlein
Und fügt so des Guten zuviele der Trümmer
Und zeichnet noch immer.

Doch der Setzer mit bösem Blick
Knöpft sich zusammen sein zerrissenes Leibl,
Überschauet das Meisterstück
Und saget sonst nichts als: "Dös Kaibl!"
Siehet der Fische verschiedenste Zeichen,
Die Schuster und Hochzeiten, Deleaturs und Leichen,
Den Durchschuss verrutscht und verbogen,
Die Borgis von Garamond durchflogen,
Öffnet im Schreck den Mund:
"Da geht ja mein´ Ahl´ zugrund!"
Gegen Korrektors Macht
Ist noch kein Schutz erdacht
Und mit seines Wissens Rechten
Mag der Teufel Bündnis flechten,
Doch der Metteur mahnt: "Nur schnell!"

Wohl, kein Fehler ist mehr drinnen
Und es wär´ zum Drucke gut,
Doch es weise zu durchsinnen,
Wie es der Bedachte tut,
Schickt´s die Druckerei,
Ob´s auch fehlerfrei,
Nun dem Autor in die Hände,
Ob er was zu ändern fände.

Anständig wird vom Autor dacht,
Wenn sich der Mensch ein G´wissen macht,
Und was er schmieret, was er schafft,
Bevor er´s drucken lässt, begafft.
Doch wird der Kerl ekelhaft,
Wenn sein Gehirn erst kommt zu Kraft
Und ändert seines Geistes Spur
In seiner Autorkorrektur!
Wehe, wenn des Geistes Walten,
Wachsend ohne Ziel und End´
So verändert seine Spalten,
Dass er s´ selber nimmer kennt,
Und die Schaltungskeile walten,
Dass Metteur und Setzer flennt!
Aus der Tinte quillt manch´ Segen,
Geist´ges Regen,
Aus der Feder, hart wie Stahl,
Kommt was Kluges --
Manchesmal!
Hörst du´s stöhnen, bang und schwer?
Der Metteur!
Kreidebleich
Sind die Wangen,
Blass vor Wut!
Ausgegangen
Seiner Augen helle Glut!
Güt´ger Himmel,
Dieser Autor!
Das Gewimmel!
Spalten auf!
Wasser drauf!
Legt den Satz in seine Teile!
In den Löffel jede Zeile!
Seht ihr nicht die Schaltungskeile?
Alles, was sein Hirn vergessen,
Muss der Korrigierer fressen!
Ausgestrichen, drüberg´schrieben,
Eingebracht und ausgetrieben,
Spatien zwischen, Ahl´, Pinzetten,
Schiffe, Stege und Regletten,
Weg die Trümmer,
Gelten nimmer!
Alles setzet, stichelt, schappelt --
Und nur, weil der Autor rappelt!
Von der Finger flinken Spitzen
Sieht man´s blitzen!
Mit dem Schwamme, vollgesogen,
Fliegt der Lehrling. Hoch im Bogen
Gießt er auf den Satz die Wogen,
Und der Metteur brüllt und flucht,
Stürzt sich drüber voller Wucht,
Ackert, dass die Lettern fliegen,
Lässt die umgefall´nen liegen,
Und -- als wollte er am Rasen
All der Fleiß´gen sich begrasen,
Sich an ihrem Schwumm entzücken,
Kommt Fax, die Händ´ am Rücken,
Er fragt freundlich, wie gewärtig:
"Sag´n S´, wann wer´n S´ denn endlich fertig?
Korrekturen groß?"
Fassungslos
Schreit ihm der Metteur entgegen:
"Ah! A Klanigkeit, wie S´ sehen!"
Von der Korrekturen Stärke
Seinen Rücken,
Um sich z´drücken.
Heißentbrannt ist nun der Eifer,
Und der Ems´gen Autorgreifer.
Neben den korriegierten Spalten
Stehn die unkorrigierten alten.
Nur mit Grauen
Mag das Auge sie erschauen,
Sie allein!
Einen Blick
Nach der Wendung
Zur Vollendung
Sendet der Metteur noch z´rück,
Greift mutig zum Kolumnenmaße:
Was auch der Autor ihm geraubt,
Ob auch zum Wahnsinn ihn getrieben,
Ein süßer Trost ist stets geblieben --
Des Lehrbuam dichtbelaubtes Haupt!

Fortsetzung folgt!
Das Lied vom Satz I.
Das Lied vom Satz II.
Das Lied vom Satz IV.
Das Lied vom Satz V.
Das Lied vom Satz VI.
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