Lob der Buchdruckerkunst!

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Unser Altvater der wohl ehrbaren Buchdruckerkunst "Henchen Gensfleisch" genannt Johannes Gutenberg!
Auf! Und stimmt ein Lied der Lieder
einen jubelnden Päan,
Kunstgenossen, teutsche Brüder,
unsrer Kunst zu Ehren an!
Nur des Despotismus Freunde,
die im schwarzen Bunde stehn,
nur des hellen Lichtes Feinde
können diese Kunst uns schmäh´n.

Chor:

Blüh´, o Kunst! In allen Landen,
von der Donau bis zum Belt!
Kunst, die, zu dem Heil der Welt,
Guttenberg und Faust erfanden.

Denn der weisen Vorwelt Spuren
wären aus der Zeit Ruin,
ohne Bengel und Puncturen,
nimmer bis zu uns gedieh´n.
Seht, der Weisesten Orakel
und der Dichtkunst Meisterstück,
zieht in Schaaren vom Tenakel
durch die Welt im Augenblick.

Chor:

Stille, wenn die Ballen pochen!
Stille, wenn der Deckel fällt!
Horcht! Es wird zur ganzen Welt
hier ein großes Wort gesprochen!

Über Berge, Thal und Meere
eilet schnell von Ort zu Ort
tausendfach das Wort der Lehre
und die neue Zeitung fort.
Was die Menschen, eure Brüder,
auf der ganzen Erde trifft,
meldet diese als die schnellste Schrift.

Chor:

Sie erzählt der Türken Kriege
und Britanniens Parthey´n,
und vom Padus bis zum Rhein
Frankreichs leichenvolle Siege.

Und des herrschenden Befehle
kommen kaum aus seiner Hand,
macht sie ohne Schwerdt und Kehle
unsre Kunst sogleich bekannt.
Alle Fehler, alle Mängel,
was die Staaten drückt und neckt,
wird durch Ballen und durch Bengel
allen Augen aufgedeckt.

Chor:

Eilt, ihr muntern Drucker-Chöre,
schwärzet, rollet, presst und schiebt
munter, dass es Bogen giebt:
und die Welt die Wahrheit höre!

Macht, ihr giftigen Kabalen,
still und heimlich euren Plan!
Bergt euch vor der Sonne Strahlen,
hier wird alles aufgethan!
Unsre Kunst kann mächtig retten,
aller Rechte stellt sie her:
mancher Thorheit Zentnerketten
macht ihr Zauber minder schwer.

Chor:

In den hochbeglückten Landen,
wo die Druckerkunst gedeiht,
weilet die Gerechtigkeit,
wird der Bosheit Werk zu Schanden.

Welches Menschen Schatz erschwänge
sich zur Lust, zum Unterricht,
guter Bücher eine Menge,
gäb´ ihm diese Kunst sie nicht?
Dass die Armen wie die Reichen
sich der Musen Dienste weih´n,
dankt man dieser Kunst allein.

Chor:

Wenig fordert sie zum Lohne,
sendet um geringes Geld
mild und freudig durch die Welt
Meisterwerke jeder Zone.

Huldigt ihr, der Tonkunst Söhne,
und der Sänger frohe Schaar
seht, sie stellt euch Eure Töne
in den schönsten Formen dar.
Seht, die Schriften zu verschönern,
machen Meister sich zur Pflicht:
Teutsche sollt ihr nicht mehr höhnen,
stolze Fremde, länger nicht!

Chor:

Welche Schärfe, welche Fülle!
Preiset jeden, der gewandt,
schön´re Formen sich erfand:
Breitkopf, Ungern, Baskerville.

Macht ein Finsterling uns bange,
will uns neues Dunkel droh´n,
allen Listen, allem Zwange
spricht die Kunst der Drucker Hohn;
darum stimme, sie zu preisen,
wer die Menschen liebet, ein!
All´ ihr Guten! all´ ihr Weisen,
schließt euch an unsre Reih´n.

Chor:

Blüh´ o Kunst! In allen Landen
von der Donau bis zum Belt!
Kunst, die zu dem Heil der Welt,
Guttenberg und Faust erfanden.
(Georg Gustav Fülleborn, Schriftsteller, Philosoph und Theologe; geboren am 2. März 1769 in Groß Glogau und im Alter von 33 Jahren am 6. Februar 1803 an einem
Herzversagen verstorben).
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7 Kommentare
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Paul Scharrenbroich aus Monheim am Rhein | 03.03.2015 | 15:40  
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Lothar Dierkes aus Goch | 03.03.2015 | 16:17  
57.143
Hanni Borzel aus Arnsberg | 03.03.2015 | 22:03  
11.082
Lothar Dierkes aus Goch | 03.03.2015 | 22:34  
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Hanni Borzel aus Arnsberg | 03.03.2015 | 23:41  
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Christian Tiemeßen aus Emmerich am Rhein | 04.03.2015 | 14:09  
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Hildegard van Hueuet aus Xanten | 07.03.2015 | 08:48  
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