Lesekreis Gesellschaftskritik

Wann? 22.03.2017 18:00 Uhr bis 22.03.2017 21:00 Uhr

Wo? Oberhausen, Oberhausen DE
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Oberhausen: Oberhausen | Wir wollen gemeinsam anfangen, Marx zu lesen und zu besprechen. Es sind keine Vorkenntnisse nötig! Hast du Interesse? Dann komm´ einfach vorbei! Unser erstes Treffen findet statt
am 22.03.2017 um 18:00 Uhr bei KITEV

Friedrich-Karl-Str. 4, 46045 Oberhausen (Hochhaus hinter Subway, Oberhausen HBF)

Die Teilnahme am Lesenkreis ist selbstverständlich kostenfrei. Wir sorgen für Snacks und Getränke, außerdem stellen wir alle benötigten Texte für euch zur Verfügung!

Weitere Infos: www.falken-oberhausen.de

Facebook-Veranstaltung: https://www.facebook.com/events/753354204841051/permalink/753358688173936/


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1. Organisatorisches

Der Lesekreis soll auf freiwilliger Basis eine ungezwungene Aneignung linker kritischer Theorie ermöglichen. Vorkenntnisse sind dafür keinesfalls nötig. Wir werden uns die Texte zusammen erarbeiten und versuchen Fragen an den jeweiligen Text zu beantworten und auch Schwierigkeiten mit dem Text zu lösen. Ein inhaltliches Protokoll unserer Treffen, das allen Teilnehmenden zur Verfügung gestellt wird, soll dabei die Anknüpfung an vergangene Treffen erleichtern. Auch wenn ihr es mal nicht zum Lesekreis schafft, ist dadurch sichergestellt, dass ihr ohne Schwierigkeiten wieder einsteigen könnt.

2. Warum sollte man sich für eine linke Politik mit bisweilen schwieriger Theorie befassen?

Kritik an der Gesellschaft üben viele. Ob es die offensichtlichen Ungerechtigkeiten vor Ort oder die anhaltende gravierende Armut in Ländern der sogenannten Dritten Welt sind, es läuft etwas gehörig falsch, wenn Banken gerettet, Menschen aber staatlichen Sparmaßnahmen geopfert werden. Nach einer Zeit der – vor allem wirtschaftlichen – Globalisierung scheint nun eine Rückkehr zum Nationalismus zu folgen. Gegen die Globalisierung und ihre Effekte wird Abschottung gefordert. Dabei besteht bisweilen Einigkeit zwischen nationalistischen Strömungen und vermeintlich linken KritikerInnen. Wolle man etwas gegen die Auswüchse des Kapitalismus unternehmen, so die Annahme, müsse man den Nationalstaat stärken. Um zu verstehen, in wie weit und warum solche Gemeinsamkeiten mit Nationalisten einer der linken Politik entsprechenden Zielsetzung der Emanzipation von Herrschaft entgegenstehen, ist theoretische Überlegung unerlässlich.
Zweck des Lesekreises soll es daher sein, linke Kritik an der Gesellschaft mit Theorie zu unterfüttern. Es ist ein wesentlicher Anfang für die kritische Betrachtung der Gesellschaft, zu sehen, dass wir alle unter der Art und Weise leiden, wie unser Zusammenleben heute geregelt ist. Wollen wir aber tatsächlich etwas dagegen unternehmen, müssen wir uns überlegen, warum die Welt so geworden ist, wie wir sie heute vorfinden. Wir müssen auch wissen, was eigentlich grundlegend falsch läuft in unserer Gesellschaft, und wir müssen uns Gedanken darüber machen, was das Ziel unserer Handlungen ist und mit welchen Mitteln wir dieses Ziel erreichen können. Denn sonst ist völlig unsicher, ob wir mit unseren Handlungen überhaupt etwas erreichen. Gedankliche Arbeit gehört also zum Handeln dazu; Theorie ist die Voraussetzung für eine Praxis, die diesen Namen auch verdient.

3. Was soll zunächst gelesen werden? Womit wollen wir einsteigen?

Das Kapital bietet sich als Einstieg in gesellschaftskritische Debatten an, weil es grundlegend für die meisten Projekte einer kritischen Theorie der Gesellschaft ist. Anhand dieses Textes lässt sich sehen, was eine grundlegende Gesellschaftskritik von bloß moralischer Kritik am Handeln Einzelner unterscheidet. Marx erklärt das Kapital als ein gesellschaftliches Verhältnis, dass von uns allen beständig reproduziert wird, dabei aber zugleich unsere eigene Reproduktion erst ermöglicht. Die Menschen bilden also erst das Kapitalverhältnis, aber umgekehrt bildet dieses Verhältnis ebenso die Menschen selbst. Was das bedeutet, wie es mit dem Mehrwert als Grund der sozialen Ungleichheit zusammenhängt und wo hier die Möglichkeit zur Veränderung dieser Verhältnisse liegt, wollen wir uns anhand des Textes von Band 23 der Marx-Engels-Werke gemeinsam erarbeiten. Einsteigen wollen wir in die Textlektüre allerdings zunächst mit der Einleitung zu den sogenannten Grundrissen der Kritik der politischen Ökonomie. Diese nicht veröffentlichte Einleitung dürfte helfen, Missverständnisse zu vermeiden, die oft das Verständnis des Kapitals erschweren. In dieser Einleitung gibt Marx schließlich wertvolle Hinweise zur Methode seiner Kritik und zu ihrem Gegenstand, die uns das Vorgehen im Kapital besser begreifen lassen.
Zwar ist der Text nicht gerade einfach, aber eine gemeinsame Lektüre kann hierbei helfen. Zugleich sollte man sich aber auch vor Augen führen, dass viele Schwierigkeiten mit dem Kapital aus falschen Vorannahmen stammen. Wir wollen gemeinsam versuchen, solche Hindernisse abzubauen und steigen auch deshalb mit der Einleitung in die Grundrisse ein. Sicherlich gibt es nicht die eine richtige Interpretation des Kapitals, anhand von Widersprüchen mit dem Text selbst, lassen sich aber bestimmte Interpretationen widerlegen. Um eine solche kritische, am Text orientierte, Lektüre wollen wir uns in diesem Lesekreis bemühen.
Mag das Thema auch zunächst trocken klingen, werden wir sehen, dass Marx es versteht die Materie durch sehr treffende Kritiken an bürgerlichen Theoretikern oder auch bisweilen bissige Polemiken interessant zu gestalten. Man merkt, dass es hier um mehr geht als graue Theorie, nämlich um eine Theorie, die „zur materiellen Gewalt“ (wie es in der Einleitung zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie heißt) werden soll, der die Bedeutung der theoretischen Einsichten für unser aller Leben nicht egal ist.
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Siegfried Räbiger aus Oberhausen | 15.03.2017 | 11:36  
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