Die Hirsche von Gevelsberg

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Sind seit Jahrzehnten beliebter Anziehungspunkt im Gevelsberger Stadtwald: die Hirsche im Damwildgatter. Foto: mar
 
Dirk Huckenbeck. Foto: Jarych

Der Gevelsberger Stadtwald ist eines der bekanntesten Naherholungsgebiete der Region. Einen besonderen Anziehungspunkt des Waldes stellt das Damwildgatter dar.



Das Damwildgatter gibt heute keinen Hinweis darauf, doch seine Entstehung hat es einem Aufsteiger aus der Belle Époque zu verdanken. Der in Breckerfeld geborene Bauernsohn Fritz Halverscheid machte im ausgehenden 19. Jahrhundert Karriere als Pädagoge in Gevelsberg. Er gründete aber nicht nur das hiesige Gymnasium, sondern 1899 auch den Verschönerungsverein Gevelsberg.

„Der Verein bezweckt Verschönerungen aller Art, namentlich solche Anlagen und Wege im Weichbild der Stadt Gevelsberg und nächster Umgebung anzuregen und entweder selbständig auszuführen oder deren Ausführung zu unterstützen, welche zur Annehmlichkeit und Bequemlichkeit des Publikums beitragen können“, heißt es bei der Gründung des Vereins in der Satzung. Eine dieser „Verschönerungen aller Art“ war zweifelsohne die Entstehung des Damwildgatters im Jahre 1911.

Mehr als hundert Jahre später steht das Gatter noch. Nachdem zwischenzeitlich auch andere Tiere hier angesiedelt waren, beschloss der Verschönerungsverein in den 50er Jahren, sich auf Damwild zu beschränken, das dem Gatter letztendlich seinen bis heute gebräuchlichen Namen zu verdanken hat.

„Damwild“, erläutert Dirk Huckenbeck, „ist nicht zu verwechseln mit Rehen. Das sind Hirsche.“ Der Jagdaufseher im Gevelsberger Stadtwald betreut das Damwildgatter. „Es gibt in Deutschland drei verschiedene Hirscharten“, erklärt Huckenbeck. „Da gibt es das Rotwild, die Sikahirsche – die sind etwas kleiner – und dann die kleinste in Deutschland vorkommende Art, die Damhirsche.“

Von denen tummeln sich rund 20 Tiere im dreieinhalb Hektar großen Damwildgatter. Ein Hektar des Geheges macht Weidefläche aus. „Generell ernähren sich die Tiere von jeglichem Grün“, sagt Huckenbeck.

Doch die Blätter und Gräser, die im Gatter wachsen, reichen nicht aus. Um die Futterkosten zu senken, hatte Otto Remmert 1950 die Idee, die Schüler aus Gevelsberg zu einer Sammlung von Wildfrüchten aufzurufen. Daraus wurde eine Tradition, die bis heute anhält, nämlich die Kastaniensammlung.

Drei oder vier Mal im Jahr gibt es im Herbst Termine, an denen die Gevelsberger eingesammelte Kastanien beim Wildgatter abgeben können. „Wir haben Wasserbecken, wo immer frisches Quellwassser durchgeht“, erläutert Huckenbeck. Darin werden die Kastanien eingelagert. Unter Wasser befinden sie sich unter Luftabschluss, sodass kein Schimmel entsteht. Auf diese Weise bleiben die Kastanien bis zu einem Jahr haltbar.

In diesem Jahr konnten zum ersten Mal auch Äpfel und Eicheln abgegeben werden. Während die Äpfel ähnlich wie die Kastanien über einen längeren Zeitraum gelagert werden können, müssen Eicheln direkt an die Tiere verfüttert werden.
„Jedes Kilo ist wichtig“, betont Huckenbeck, vor allem weil in diesem Jahr die Kastaniensammlung etwas geringer ausfiel als sonst. Grund dafür ist der sehr trockene Sommer, sodass im Herbst weniger Kastanien „geerntet“ werden konnten.

Wer noch Kastanien abzugeben hat, kann das am Forsthaus tun. Weitere Informationen gibt es bei Dirk Huckenbeck unter Tel. 0171/6952909 und auf www. vv-gevelsberg.de.
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