Ein Italiener in Waltrop - Ein Waltroper in Italien

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Bereits fünf Mal war Fernando Mecarone mit seinen Ruderfreunden bei der „Venezia Vogalonga“ dabei. Foto: privat
 
Mit seinem dreijährigen italienischen APE kutschiert Fernando Mecarone nicht nur den Schützenvogel zum Festzelt, sondern auch den Grill zum Kinderferienspaß. Foto: Pospiech
Vor 47 Jahren kam Fernando Mecarone von Italien nach Deutschland. „Mittlerweile ist er deutscher als jeder Deutsche“, behaupten Ehefrau Ulla und seine Freunde. Zum Deutschsein gehört natürlich auch seine „Vereinsmeierei“ im Schützenverein Oberwiese und im Ruderverein Datteln.

Aus reiner Neugier antworten Fernando Mecarone und sein Freund 1965 auf eine Zeitungsanzeige des italienischen Arbeitsamtes, das eine Auswanderung nach Deutschland anbietet. Geboren in Lubriano, einem kleinem Ort bei Viterbo in Mittelitalien, arbeitet der damals 22-Jährige in der Landwirtschaft. Nachdem er mehrere Monate nichts mehr vom Arbeitsamt hört, geht plötzlich alles ganz schnell. Nach einer Gesundheitsprüfung in Verona bekommt er Bescheid, dass seiner Auswanderung nichts mehr im Wege steht. Ungebunden und frei, wie er damals ist, entschließt sich der junge Italiener spontan, auf dieses Abenteuer einzugehen. Von seinem Freund hört er nichts mehr, trifft aber bei der Abreise im Zug vier junge Leute aus seiner Region.

Angekommen in Emsdetten, bietet man ihnen im Zentrum für Auswanderung im März 1966 eine Auswahl von Arbeitsplätzen. „Da bald Sommer war, entschieden wir uns für eine Arbeit in einer Gartenbaufirma“, erzählt der Auswanderer. „Zwei Tage später setzte Schneeregen ein. Da stand ich mit Pike und Schubkarre und dachte mir, wo ich denn nur gelandet bin. In meinem kleinen Koffer hatte ich überhaupt keine warmen Sachen dabei. Einer der Inhaber war sehr nett und staffierte mich mit Stiefeln und einer Regenjacke aus.“ Nach Ende der Gartensaison nimmt Fernando Mecarone eine Arbeit in einer Weberei und später in einer Eisdiele an.

1972 lernt Fernando Mecarone seine große Liebe, die Waltroperin Ulla, kennen. Vergessen ist der Gedanke an eine Rückkehr ins sonnige Italien. Vor 40 Jahren, am 22. Juni 1973, führt er seine Braut zum Standesamt und einen Tag später zum Traualtar. Das Paar zieht nach Oberwiese.

Von Anfang an fühlt sich Fernando Mecarone hier heimisch. In der Nachbarschaft und durch seinen Aushilfsjob im Jägerhof findet er schnell Freunde. Sie laden das Paar zu Schützenfesten, zum Wurstsammeln und zu gemeinsamen Feiern bei Höwer Wenker in Oberwiese ein. Doch erst 2007, als sein Freund Hansi Höwer Schützenkönig wird, tritt er dem Schützenverein Oberwiese bei. Hauptberuflich arbeitet Fernando Mecarone damals schon bei Becker Prünte in Datteln und das insgesamt 30 Jahre lang.

Bereits 1978 überreden ihn einige Arbeitskollegen, dem Dattelner Ruderverein beizutreten. Zehn Jahre lang ist er mit Feuereifer dabei. 1988 hört er jedoch auf mit der Ruderei, um mehr Zeit mit seiner Familie verbringen zu können. 2002 ruft der Vorsitzende des Rudervereines an: „Wir wollen nach Venedig, zur ‚Venezia Vogalonga‘. Kommst Du als Übersetzter mit?“

Nur wenige Wochen später fährt Fernando Mecarone mit 15 Kollegen und drei 14 Meter langen Booten nicht nur als Übersetzer, sondern auch als Ruderer mit nach Venedig. Im vergangenen Jahr beteiligte er sich mit seinen Ruderfreunden bereits zum fünften Male an dem Riesenspektakel.
In seinen beiden Vereinen fühlt sich Fernando Mecarone so richtig wohl und genießt die Feste, wie sie fallen - ob in Oberwiese oder Venedig.

Hintergrund

Entstanden ist die „Venezia Vogalonga“ vor 40 Jahren als Protestaktion gegen motorbetriebenen Boote in Venedig. Deshalb dürfen sich an der Regatta auch nur von Menschenkraft betriebene Boote beteiligen. Es gibt keine Sieger. Die Veranstaltung findet alle zwei Jahre am Pfingstsonntag mit bis zu 1700 Booten statt.
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