"Der Frohsinn sei mit Euch"

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Seine Eminenz Heinz Roters im Einsatz. (Foto: Plümpe)
 
Heinz Roters beim Ausarbeiten seiner Büttenrede.
Xanten: Schützenhaus |

Wenn im Schützenhaus seine Eminenz einmarschiert und mit den Worten „Der Frohsinn sei mit Euch“ grüßt, wissen Xantener Narren, dass in der kommenden halbe Stunde Heinz Roters mit seiner Büttenrede das Lokalgeschehen aufs Korn nimmt.

Seit mittlerweile 16 Jahren ist Eminenz Heinz Roters fester Bestandteil der Halt Pölje Karnevalssitzung. Dabei geriet er eher zufällig an den Job. Als er die Schulleitung hier im Jahr 2000 übernommen hatte, wollte er als begeisterter Freund des Sitzungskarnevals auch eine Karte für das Schützenhaus. „Ausverkauft. Hier kommen Sie nur rein, wenn Sie eine Büttenrede halten“, lautete die Antwort auf sein damaliges Bemühen um eine Karte im Vorverkauf. Und der hatte die Rechnung ohne Roters gemacht….
„Ich hatte schon eine Rede vorbereitet“, gesteht Roters, der zuvor in Hamminkeln als Lehrer und auch im Karneval unterwegs war. Diese Rede „musste ich nur den Xantener Gegebenheiten anpassen“, erinnert er sich. Dabei hat er schon zu Studentenzeiten mit Büttenreden angefangen. Insbesondere die politischen Reden der Mainzer Fastnacht hatten es ihm angetan. Schließlich war einst die Aufgabe des Karnevals, den Regierenden den Spiegel vorzuhalten. „Das stirbt leider immer mehr aus, aus dem Sitzungskarneval, wo Musik und Tanz nur nettes Beiwerk waren, wird immer mehr ein Partykarneval“, bedauert er.
Die Kolpingfamilie und die katholischen Frauen Deutschlands (kfd), die die Sitzung organisieren, seien eine echte Karnevalsfamilie. Da macht er sich dann auch gerne die Mühe, die über das Jahr gesammelten Notizen und Anekdoten für Xanten in gute Witze und flotte Reime zu packen. Manchmal zum Leidwesen seiner Frau. „Ich fang immer in den Weihnachtsferien mit dem Schreiben an“, sagt er, „und dazu muss ich in Stimmung sein.“ So schallt dann häufig statt „Stiller Nacht“ Karnevalsmusik durch das Roters´sche Haus. „Meine Frau hat schon vorgeschlagen, ich könne ja gleich Luftschlangen an den Christbaum hängen“, lacht er.
Mit seinen Scherzen nimmt er eigentlich alles und jeden aufs Korn. Als die Fußball-Bundesliga beispielsweise das Abstandsspray für die Schiedsrichter einführte, hat er das Thema einfach auf einen Gottesdienst im Dom übertragen. „Scherze darf man über alles machen, man darf nur niemanden verletzen oder despektierlich gegenüber der Kirche sein“, lautet seine Prämisse.
Tatsächlich hat Roters noch vor jedem Auftritt Lampenfieber. Die Nervosität legt sich erst beim Einmarsch. „Da bin ich dem Xantener Publikum sehr dankbar, die machen gleich mit und schon ist die Nervosität weg.“ Allerdings empfindet er auch, dass die Erwartungshaltung an seine Reden mittlerweile sehr hoch ist, „das ist schon ein großer Druck für mich.“ Zumal er bei der Sitzung ja eine Doppelfunktion hat, schließlich ist Roters auch noch Sitzungspräsident. Doch „Ulrike Derksen, Bärbel Ricken, Gerd Janßen und Franz Steeger unterstützen mich super, sonst würde das nicht gehen.“
Aus dem Programm will er freilich noch nichts verraten, aber „auch in Xanten führt kein Weg an der FIFA vorbei“, bleibt auch der Weltfußballverband nicht verschont. Wer am 5.2. noch dabei sein will, muss sich sputen, denn er gibt nur noch vereinzelte Restkarten. Und so werden wieder über 300 Kehlen Seiner Eminenz Heinz Roters auf „Der Frohsinn sei mit Euch“ antworten: „Und mit Deinem Geiste.“
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