Tamara macht Ferien auf dem Lande, Ausschnitt aus meinem Buch

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13 Sonntag, Kirchgang

An diesem Morgen wurden die Kinder von der Glocke geweckt. Ihr helles, Bim, bim, bim scheuchte die Schläfer aus die Betten. Mit erstaunten Augen sammelten sie sich unter der Kastanie. Es sah schon lustig aus, die verschlafenen Kleinen in ihren Schlafanzügen und Nachthemdchen. Tante Berta stand mit ihrem Sonntagkleid vor den Feriengästen. „Guten Morgen liebe Kinder. Der Sonntag ist uns heilig. Darum werden heute nur die Tiere versorgt. Ihr geht gleich in eure Zimmer und zieht gute Sachen an. Bitte packt eine kleine Tasche mit Badetuch und Badeanzug. Wir fahren gleich, nach dem kleinen Frühstück, zusammen in die Kirche. Danach geht es zum Waldfreibad.“ Die Kinder gehorchten sofort. Eine Stunde später ging es mit 40 Kindern auf dem Planwagen in Richtung Emsdetten. Die Gruppe war beim Pfarrer angemeldet. Die Bänke in der ersten Reihe waren für die Ferienkinder reserviert.

Leise, die Köpfe staunend in den Nacken gelegt, betraten die Kinder die Kirche. Die Messe in der Herz-Jesu-Kirche war für die meisten Kinder eine einmalige Sache. Die Kirche war ca. 1920 erbaut worden und stand unter Denkmalschutz. Nach der Messe bewunderte die Gruppe die Holzfigur, die Madonna mit Kind. Sogar die älteren Kinder waren beeindruckt. Vor der Kirche traf die Bäuerin auf ihre Nachbarn und eine lebhafte Debatte, Gerede, hielt Tante Berta auf. Die Betreuer und die Kinder fuhren mit dem Planwagen weiter zum Waldfreibad. So etwas hatten die Kinder aus der Stadt noch nicht gesehen. Ein breiter Weg führte die Gruppe in den Wald. Statt einer Lichtung lag dort ein großer, heller See. Gelber Sand vorne am Wasser. Kleine, bunte Buden standen am Waldrand als Umkleidekabine. Gleich rannten die Mädchen darauf zu um sich die Badesachen anzuziehen. Die Jungen brauchten dafür nur das Badehandtuch, Hose runter, Badehose hochziehen und fertig.

„Hallo Kinder!“ so rief Rolf, „bitte haltet euch nur in dem abgeteilten Schwimmbereich auf. Da ist es sicher. Der See ist natur belassen und nur im Abgeteilten Bereich für uns freigegeben.“ Die Erstklässler hörten es wohl. Doch ob sie sich daran hielten. Mal sehen. Klaus, Wolfgang und Rainer entdeckten die Rutsche als erstes. Ein Hallo und ab auf die Rutsche. Durch das Jauchzen und Schreien wurden die anderen Kinder aufmerksam und liefen auch zur Rutsche. Das war eine Gaudi. Nach einer Weile sah Rainer die kleine Tamara am Rand stehen. „Möchtest du auch mal rutschen?“ so sprach er sie an. Die Augen der Kleinen strahlten als sie mit dem Kopf nickte. Rainer nahm die Kleine mit auf die Rutsche und setzte sie vor sich um dann gemeinsam die Bahn hinunter zu rutschen. Tamara lachte laut auf, als sie und Rainer ins Wasser platschten. Es war einfach toll. „Bitte noch einmal!“ so rief Tamara und Rainer erfüllte ihr den Wunsch. Als die älteren Kinder sahen, was Rainer machte, da folgten sie seinem Beispiel. Jedes Kindergartenkind bekam einen Erstklässler und ab die Rutscherei. Immer ein Kleines vorne und hinten ein großes Kind. Die Betreuer waren beeindruckt von der Selbstständigkeit der Kinder und ließen sie toben.

Mittags wurde eine Ruhepause beschlossen. Alle Ferienkinder sammelten sich im Schatten der Bäume und legten sich auf die ausgebreiteten Decken. Karin packte die Körbe aus, die Tante Berta und Rosi mit liebe gepackt hatten. Was kam da nicht alles zum Vorschein. Eine Dose mit Frikadellen, Mettwürstchen, gekochte Eier, Käse am Stück, Nudel- und Kartoffelsalat. Schnell waren die Teller und Gabeln verteilt. Die Betreuer verteilten die herrlichen Sachen und griffen selber auch zu. Zum Reden war der Mund zu voll. Erst einmal trinken. Gekühlte Milch und Brause mit Zitronengeschmack. Wunderbar. Jetzt wurde über das Erlebte geredet. Die Kirche, die Lieder, die in der Messe gesungen wurden. Das schöne Freibad und, und, und. Nachdem alle satt waren, wurden aufgeräumt und ein Mittagsschläfchen gehalten. Danach durften die Kinder wieder ins Wasser. Doch auch der schönste Tag ging mal zu Ende. Der Planwagen brachte die Kinder gegen Abend zum Bauernhof zurück. Tante Berta hatte schon das Abendessen vorbereitet. Heiße Hühnersuppe und frische Waffeln aus gekochten Kartoffeln. Das hatten die Kleinen noch nie gegessen. Karin erklärte: „Das ist das beste vom ganzen Tag.“ Die Bäuerin freute sich über das Kompliment. Nach dem Essen ging Tamara zu Tante Berta und bat um das Rezept. Ihre Mutti sollte das bitteschön einmal nachbacken. Die Bäuerin holte einen Stift und einen Zettel und schrieb auf:

500 Gramm gekochte Kartoffeln, vom Vortag, durch die Kartoffelpresse drücken
150 ml kalte Milch unter die feinen Kartoffeln rühren
3 Eier nach und nach unterrühren
2 EL Öl für die Geschmeidigkeit unterrühre
125 g Mehl und 75 g Kartoffelmehl unter den Teig rühren
1 TL Backpulver 1 TL Salz und Pfeffer nach Geschmack
Den geschmeidigen Teig in ein heißes Waffeleisen
und nach Geschmack bräunen.
Guten Appetit wünscht Bäuerin Berta Heinrich

Tamara brachte den Zettel sofort in ihr Zimmer. Sie öffnete den Kleiderschrank und verstaute das Rezept in ihren Koffer.
Auch an diesem Abend wünschten sich die Kinder eine Geschichte aus dem Buch von Tante Ruth. Die Stühle standen schon bereit als Ruth in den Raum kam. „Heute möchte ich euch gerne die Bach-Geschichte von Trudi vorlesen, denn auch Trude erzählte dem Bach Sachen, die sie erlebt hatte. Da euer Tag heute so traumhaft war, die Geschichte von Trudis Traum.

Leider spielte das Wetter Trudi in der nächsten Zeit einen Streich nach dem andern. Die dunklen Wolken hangen regenschwer am Himmel Manche schwarze Wolke leerte ihr Wasser über dem Dorf aus. Der Wind blies sehr heftig, doch die Wolken konnte er nicht vertreiben. Mit traurigen Augen saß sie vor dem Küchenfenster und träumte. Dann hörte sie ein leises schnauben. Auf dem nassen Hof stand ein weißes Pferd, mit einer goldenen Mähne und einem silbernen Schweif. Es stand vor der Tür und wieherte. Sie warf einen Blick über die Schulter und sah, dass ihre Mutter mit der Bügelwäsche beschäftigt war. Auf Zehenspitzen schlich sie zur Tür und kletterte auf den Rücken des Pferdes. Kaum saß sie oben, ging es wie der Wind auf in die Lüfte. Trudi sah ihre Haus, den Garten, das Feld und den Bach. Alles wirkte so klein und zierlich. Dann flog das weiße Zauberpferd so schnell, dass Trudi nichts, außer einem hellen Licht, sehen konnte.


Nach einer großen Kurve setze das Pferd auf einer wunderschönen Wiese zur Landung an. Das Mädchen rutschte vom Pferderücken und strich ihre Haare glatt. Beim Ritt durch die Lüfte wurden sie ganz schön strubbelig gemacht. Ansonsten wartete Die Kleine erst einmal ab. Aus einem goldenen Tor kamen kleine Gestalten angelaufen. Die Kleidung von den kleinen Menschen war bunt und lustig anzusehen. Sie verneigten sich vor Trudi nahmen sie bei der Hand. Sie führten sie durch das Tor. Trudi betrat einen gläsernen Raum. Spiegel hingen an den Wänden. Eine weiße Couch stand vor einem Spiegel. Zwei kleine Damen zogen ihr die alten Kleider aus. Trudi musste in eine Wanne aus Kristall steigen. Das Wasser duftete nach Maiglöckchen. Das war ein herrliches Bad. Kleine Luftblasen sprudelten aus dem Boden der Wanne, und kitzelten sie an ihrem Körper. Weißer Schaum bildete sich auf dem Wasser. Trudi konnte sich ein Kichern nicht verkneifen. Es war zu lustig. Danach wurde sie mit weißen Tüchern abgetrocknet. Anschließend wurde Trudi in schöne, wundersame Kleider gehüllt. Die Gewänder raschelten bei jedem Schritt. Ihre Füße steckten in purpurnen Sandalen.

Sie wurde von den Menschen in einen Saal geführt. Es stand ein langer Tisch mitten im Raum. Er war mit so vielen schönen Dingen gedeckt. Trudi hatte einige Sachen noch nie gesehen. Einen Pudding in rosa, mit goldenen Kronen geschmückt. Sahnebonbons in feinem, buntem Seidenpapier. Weitere Süßigkeiten waren in wunderschönen Schalen auf der ganzen Tafel aufgestellt. Auf einem thronartigen Stuhl nahm Trudi platz. Kleine, zarte Mädchen in weißen, duftigen Kleidern, legten ihr die besten Speisen auf einen goldenen Teller. Der vor ihrem Platz stand. Trudi gab sich viel Mühe, sie aß was sie konnte, doch bald passte nichts mehr in ihr Bäuchlein. Sie hatte das Gefühl, ihr Bauch ist voll und wenn sie mit der Hand darüber strich fühlte er sich rund und aufgeblasen an. Sie spülte den letzen Bissen mit roten, süßen Traubensaft hinunter. Dann musste sie sich leider verabschieden. Trudi winke den lieben kleinen Leuten zum Abschied zu. Im Hintergrund hörte sie, wie jemand ihren Namen rief: “Trudi! Trudi!“ Sie schaute sich noch einmal um und sah ihre Mutter. Sie band sich gerade die Schürze um und fragte: „Schatz, was möchtest du zum Abendessen.“ Trudi war ganz baff. Sie hatte das ganze tollte Essen, das Pferd und die lieben kleinen Leute nur geträumt. Aber eins kam ihr komisch vor, sie hatte immer noch das Gefühlt, dass ihr Bauch voll war.“
Betreuerin Ruth klappte das Buch zu und sah in die staunenden Augen der Schlafmützen. Jetzt aber ab ins Bett, ihr könnt ja die Augen nicht mehr aufhalten. Karin seufzte und sprach: „Ach! So ein fliegendes Pony, das währe doch toll.“ Tamara und die anderen Mädchen gaben ihr Recht. Die Jungen tippten sich an die Stirne und Kurt meinte: „Wenn es schon keinen sprechenden Bach gibt, dann erst Recht kein fliegendes Pferd. Ihr Mädchen glaubt auch alles.“ Doch im Traum flogen sie selber über das weite Land.
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Tanja Wehlauch aus Essen-Borbeck | 26.03.2015 | 07:23  
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