Tiger, Minka und noch mehr Katzen Kap.24-27

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24 Minka zieht aus

Statt Freigänger waren sie jetzt Stubenkatzen. Ich erinnere mich nicht gerne an diese Zeit. Es war eine Qual für Minka und für uns. Moritz war noch jung und fand sich besser damit ab. Doch Minka hatte 6 Jahre als Freigänger gelebt und verlangte jetzt, laut schreiend und mit kratzen an der Tür, ihren Willen. Lasst mich raus!! Wir versuchten Alles. Aber wirklich Alles. Mit Leckerli und Spielen konnte ich sie zuerst noch ablenken doch mit den Wochen wurde es immer schlimmer. Ich kaufte Fachbücher über Katzenhaltung und Erziehung. Fand aber in keinem Buch eine Lösung. Was in dem einem Buch für gut befunden wurde, war im Anderen eben keine Lösung. Die Autoren redeten mir sogar ein schlechtes Gewissen ein, weil ich den Katzen, lt. Buch, die Freiheit genommen hatte. Mit der Zeit hatten die Tür und die Tapete daneben, tiefe Kratzspuren von Minka. An der anderen Wand hing die Tapete in Fetzen herunter. Das Miauen ging in jammern und schreien über. Es war nicht mehr aus zu halten. Moritz verstand das nicht und hielt sich fern von seiner Mutter. Als sie dann noch unsauber wurde holte ich mir Rat bei dem Tierarzt und bei verschiedenen Leuten. Mein Bruder, dem ich auch davon erzählte, machte mich mit einer Frau bekannt, die auf einem Bauernhof arbeitete. Sie hatte eine eigene Wohnung auf dem Gelände und würde Minka gerne nehmen. Da hätte sie ihre Freiheit und eine Hand zum Streicheln. Die Begegnung mit der Frau und Minka verlief gut. Minka lief in der Küche umher und sprang dann auf das Tischen vor dem Fenster. Die Dame streichelte ihr glänzendes Fell und sprach sie an: „Was bist du doch für ein hübsches kleines Mädchen. Dein Fell ist so glatt und glänzt so gesund. Wir kommen sicher gut zusammen aus. Minka rieb ihr Köpfchen an ihrer Hand, legte sich auf den Tisch und lies sich streicheln. Sie schmuste mit der Frau so, das ich fasst etwas eifersüchtig wurde. Doch diese Lösung war für alle Seiten das Beste. Das Minka keine Jungen mehr bekommen konnte machte die Übergabe perfekt. Die Trennung viel uns doch schwerer als anfangs gedacht.

Nun war ich gespannt, was Moritz wohl machten würde. Der Kater ging wohl einige Tage suchend durch das Haus doch mehr passierte nicht. Nach 14 Tagen traf ich meinen Bruder und er konnte nur Gutes berichten. Minka hatte bereits den Hof erkundet und sich in Haus und Hof eingelebt. Noch heute bedauere ich es, dass wir Minka abgegeben hatten. Sicher, sie war auf dem Bauernhof gut versorgt, doch vielleicht hätten wir, mit mehr Zeit, Minka an die Wohnung gewöhnen können. Wer weiß das schon. Doch nie mehr werde ich eine Katze abgeben, dass stand für mich fest.

25 Moritz der Pascha

So war Moritz ein Einzelkater geworden. Es war so, als ob er Minka gar nicht vermisste hätte. Er schmuste mit uns, kam in mein Bett zum Knubbeln und Schlafen. Morgens weckte er mich mit feuchten Küsschen. Brrr. Irgendwie weckte er mich immer um die gleiche Zeit. Ob Wochentags oder Sonntag, das war ihm gleich. Na ja, wenn man früh aufsteht dann bekommt man mehr geschafft. Moritz freute sich über jede Abwechslung. Er war wohl der Einzige, der sich freute, wenn die Nichten und Neffen zu besuch kamen. Was die Kinder alles mit dem Kater anstellen war wahninnig. Die Mädchen zogen ihm Puppenkleidchen an und setzten ihm eine Mütze auf seine Ohren. Was kann es für eine Katze schlimmeres geben als ihr das Gehör zu nehmen. Doch Moritz ertrug die Prozedur heldenhaft. Zum Schluss wickelten sie Moritz in eine Decke. Setzen ihn dann in die Sofaecke. Oh Wunder, er blieb sitzen. Jetzt musste der Kater noch Milchwasser aus einer Liebesperlenflasche trinken. Brav schluckte er die Brühe, die ihm sicher nicht besonders geschmeckt hatte. Er war eben ein braver Teddy. Ein anderes Mal legten die Jungens Moritz sein Geschirr um, hatten sie in der Flurkommode gefunden, aus einen Schuhkarton bauten die Kinder eine Kutsche und befestigten den Karton an die Leine vom Geschirr. Dann locken sie den Kater mit Leckerli quer durch die Küche. Ich konnte nur den Kopf schütteln. Der Kater machte das Alles mit, fast sah es so aus, als wenn er das gerne gemacht hatte. In diesem Moment bedauerte ich es, dass wir keine eigenen Kinder hatten. Es sollte wohl nicht sein. Manche glauben jetzt sicher, die Katzen waren Kindersatz. Nein, das waren sie nicht. Es waren Katzen doch wir hatten sie gerne. Ich muss ehrlich eingestehen, als die Neffen und Nichten wieder nach Hause mussten, war ich heil froh.

Da sah ich, dass Moritz immer noch im Puppenkleidchen durch die Wohnung lief. „Komm her du armes Kerlchen. Ich befreie dich von dieser Verkleidung.“ Ein Gefühl sagte mir, er hat Langeweile und war froh, wenn er durch Besuch oder neue Spiele abgelenkt wurde. Immer öfter lag er stundenlang auf der Sofalehne und starte in den Raum. Den ganzen Tag mit ihm Spiel, die Zeit hatten wir leider nicht. Vielleicht sollten wir ihm doch einen Kumpel besorgen. Gesagt, getan. Durch eine Bekannte hörte ich von zwei kleinen Katzen, die hier im Ort auf ein neues Heim warteten. Nach Rücksprache mit meinem Mann holten wir dann „Oscar.“ Der getigerte Kater war ca. 4 Monate alt. Er hatte noch einen Bruder, der genauso aussah. Doch Beide konnten wir nicht nehmen. Oscar war im Juni 1984 geboren und leider schon im Oktober des gleichen Jahres gestorben. Dabei verstanden sich Moritz und Oscar sehr gut. Sie spielten in allen Räumen fangen und jagen. Schliefen gemeinsam im Körbchen. Doch eines Tages kam Oscar aus der Küche ins Wohnzimmer. Ich bemerkte, dass Oscar seinen Kopf so schief hielt und beim Laufen torkelte. Gleich wurde ein Termin beim Tierarzt gemacht. Der Tierdoktor konnte ihm nicht helfen. Er hatte wohl im Kopf einen Tumor und dadurch die Gleichgewichtsstörung. Armer Oscar, armer Moritz. Eine Spritze als Stärkung, mehr konnte der Arzt nicht tun. Nach dem Tierarztbesuch legte ich Oscar in sein Körbchen. Diesen Blick seiner Augen habe ich bis heute nicht vergessen. Am anderen Morgen war er bereits im Katzenhimmel. Er hatte es wohl gewusst und sich so verabschiedet.

Im Nachhinein muss ich feststellen, wie dumm doch der Mensch ist. Da schließe ich mit nicht aus. Ich glaubte doch tatsächlich, dass Moritz nicht merken würde wenn ich ihm einen anderen Kater vor die Nase setzte. Hoffentlich war der andere Kater noch da. Mein Gebet wurde erhört, die Familie, von der wir Oscar geholt hatten, war den Bruder von Oscar noch nicht losgeworden. Ein Anruf und am gleichen Abend holten wir den Bruder von Oscar ab. Das musste Oscars Zwilling sein, denn er sah wirklich genauso aus. Es gab sonst immer Unterschiede in der Zeichnung bei getigerten Katern, doch hier nicht. Wir glaubten immer noch, dass wir das Richtige taten. Der Tausch wäre perfekt. Wieder einmal zeigte sich, Glauben heißt „nichts wissen.“ Natürlich konnten wir Moritz nicht täuschen. Moritz beschnupperte den Neuen und ging seiner Wege. War eben nicht sein Freund. Wir nannten den zweiten Kater auch noch Oscar II.

Doch mit der Zeit gewöhnte sich Moritz an den Neuen. Was blieb ihn auch sonst übrig. Oscar II verfolgte Moritz, egal wohin sich Moritz verdrückte, Oscar fand ihn und legte sich zu ihm. Moritz stand dann auf und suchte einen anderen Platz zum Schlafen. Doch kaum lag er da – schwupp – legte sich Oscar daneben. Irgendwann ergab er sich in sein Schicksal. Das heißt, er fand sich damit ab, dass der Getigerte im Hause wohnte. Der Tag war lang und mit einem Kumpel kann man besser spielen als alleine. Das Lieblingsspiel der Beiden war, zu unserem Leidwesen, eine wilde Jagt durch Küche, Schlafzimmer und Wohnzimmer. Die Couch, hatte eine Rundecke, was den Beiden sehr gelegen kam. Mit Schwung nahmen Moritz und Oscar die Ecke, wie ein Auto die Steilkurve auf der Carrerabahn. Das sah ich nicht gerne, darum wurde das Sofa mit einer Decke geschützt. - So war der Plan. - Doch Moritz hatte einen anderen Plan. Er kroch unter die Sofadecke und Oscar musste ihn suchen. Danach wurde getauscht. Jetzt muss ich sagen, wir hatten noch Glück, dass sie das Spiel tagsüber machten und nicht in der Nacht. Irgendwie hatten sie ihr Leben dem unserem angepasst.

26 Oscar der Unglücksrabe

Es ist schon wieder passiert. Als ich in den Garten ging muss Oscar II mir entwischt sein. Der Teppichboden auf den Stufen der Treppe schluckte jeden Tritt. Natürlich erst recht, das Tapsen von Katzenpfoten. Nach der getanen Arbeit im Garten wollte ich ins Haus zurück. Hatte gerade die Haustür aufgeschlossen und wollte in den Flur zur Wohnung hinauf gehen, da klingelte es. Zwei Kinder standen vor der Tür, zeigten auf die gegenüber liegende Straßenseite und fragten: „Ist das ihre Katze?“ Ich wollte schon den Kopf schütteln als mein Blick auf das graue Fell fiel. Eilig schloss ich die Haustür und lief mit den Kindern über die Straße. Da lag er. Tränen stiegen mir in die Augen. Die Kinder warteten immer noch. Sein erster Ausflug in die „Freiheit“ hatte ihm den Tod gebracht. Verkehrsberuhigte Zone, ist doch lachhaft. Die Kinder sagten mir, dass ein Auto sehr schnell die Straße herunterkam und den Kater erfasste, kurz abbremste und dann Gas gab und weiterfuhr. Der Teufel soll dich holen, so waren, in diesem Moment, meine Gedanken.

Mein Auto stand noch auf dem Hof. Ich sauste nach oben und holte den Wagenschlüssel, informierte meinen Mann, und so wie ich aus dem Garten gekommen war, mit schmutziger Hose und dreckigen Händen, legte ich Oscar auf eine weiche Decke in den Kofferraum und fuhr zum Tierarzt. Obwohl es Samstag war, hatte der Tierarzt Zeit für uns. Doch er konnte nur den Tod feststellen. Als Trost sagte er: „Er hat nicht gelitten, war sofort tot.“ Schon wieder eine Bestattung, doch dieses Mal in unserem Garten. Er kam neben seinen Bruder, Oscar I. Es war traurig. Moritz war schon wieder alleine.

27 Moritz trauert

Obwohl Oscar II lange gebraucht hatte um die Freundschaft von Moritz zu erkämpfen, waren die Beiden doch als Kumpel zusammen gewachsen. Moritz suchte den Grauen und fraß einige Tage nicht. Mit Streicheleinheiten und Spielen lenkten wir Moritz ab und freuten uns, als er wieder seinen Teller leer gefressen hatte. Er schloss sich noch fester an mich und meinen Mann an. Er begeleitete mich auf Schritt und Tritt. Küche, Bad, Keller, er war erst abgelenkt wenn mein Mann im Hause war. Jetzt war Kater Moritz bei all seinen Unternehmungen dabei und ich hatte Ruhe. Einmal, als das Badezimmer neu Fliesen bekommen sollte, war auch Moritz dabei. Ehrlich! Eine Hilfe war er nicht. Mit seinen schwarzen Pfoten prüfte er den Kleber. War noch weich und der Pfotenabdruck ist heute noch zu sehen. Dass Schneider der Fliesen fand er auch sehr interessant. Er lag nahe bei der Schneidemaschine und ließ sich nicht verscheuchen. Nach erledigter Arbeit war der Schwarze grauweiß vom feinen Staub der geschnittenen Fliesen. Ich wollte ihn fangen um den Staub zu entfernen. Er meinte wohl das ist ein neues Spiel und jagte durch die Wohnung.

Genau dieses wollte ich vermeiden. Der Kater war zwar jetzt sauber aber auf seinem Weg hat er alles, was er berührte, mit grauem Staub gepudert. Abends lag er dann, wie jeden Abend, auf der Couch bei meinem Mann. Er kuschelte sich zwischen die Rippen und den Arm von meinem Gatten. Er lag dabei meistens auf den Rücken, die Pfoten in den Himmel gestreckt und schnarchte. Ja wohl er schnarchte, wenn er sich nicht das Fernsehprogramm anschaute. Moritz sah am liebsten Tierfilme. Damals gab es als Pausenzeichen keine Werbung sondern Kurzfilme. Zum Beispiel die Stromleitung mit den flatternden Vögeln. Das war sein Hit. Der Kater sprang dann vom Sofa und wollte die Flattermänner im Fernseher fangen. War zu goldig wenn er sich vor dem Fernseher auf den Hinterpfoten stellte und mit beiden Vorderpfoten versuchte die bunten Vögel zu fangen. Wenn er unten keinen Erfolg hatte, dann sprang er oben auf dem Apparat legte sich lang darauf und versuchte dann mit einer Pfote die Piepmätze von oben zu greifen. Er sah auch nach ob die Vögel vielleicht hinter dem Kasten steckten. Er fiel jedes Mal auf dieses Pausezeichen herein.

Wenn der Film anfing, dann lag er noch einige Zeit auf dem Kasten bis ich ihn darunter holte. Es störte einfach wenn der Schwanz und eine Pfote im Bild hingen.
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