Eine neue "Bergziege" ist geboren! - Tanja Neumeiers Bericht vom Eiger Ultra Trail 2015

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Finisherin Tanja Neumeier im Ziel (Foto: Tanja Neumeier)
 
Nach dem Start durchs Dorf (Foto: Tanja Neumeier)
 
Es geht bergauf! (Foto: Tanja Neumeier)
Dortmund: Innenstadt-West | Tanja Neumeier, Lauftrainerin und Marathonläuferin aus Dortmund, hat diesen Bericht über ihren ersten Bergtraillauf direkt einen Tag danach niedergeschrieben:

Die Anmeldung


Letztes Jahr im Herbst bekam ich zufällig im Internet die Veröffentlichung der Ausschreibung des 3. Eiger Ultra Trail mit. Da ich mich schon eine Weile für Trailrunning interessierte und der Eiger, insbesondere die Eigernordwand, ein bekannter und legendärer fast 4.000er Berg ist, sah ich mir die Homepage von diesem Lauf etwas genauer an. Zu meiner Freude konnte ich feststellen, dass es dort einen 16-km-Traillauf für Ersttrailläufer gibt, den sog. Genusstrail. 16 km hören sich für mich als mehrfache Halbmarathon- und Marathonläuferin nicht viel an. Aber ich hatte Respekt vor den 960 Höhenmetern (HM) auf diesen wenigen Kilometern. Das Laufprofil auf der Homepage zeigte einem auch direkt an, dass es heftig bergauf und auch wieder bergab gehen sollte. Im Angebot gab es dann noch die Strecken E51 und E101, sprich 51 oder 101 km mit 3.100 bzw. 6.700 HM. Und das war mir für den ersten Bergtraillauf dann doch etwas zu viel. Die Entscheidung, dass ich da mitlaufen wollte, fiel ziemlich schnell. Ich vergewisserte mich, dass der Lauf in die Zeit der Sommerferien fiel. Also buchte ich den Lauf und auch gleich eine Pension für eine Woche dazu, damit sich der ganze Aufwand auch lohnt.

Die Vorbereitung


Tja, wie bereitet man sich in unseren Regionen mit den verhältnismäßig kleinen Hügeln, die wir hier haben, auf so einen Lauf vor? Ich habe in der Bittermark ein paarmal die Berge unter meine Füße und Beine genommen und auch bei ein paar anderen Läufen war ein wenig „Bergtraining“ dabei. Aber alles nicht zu vergleichen mit den echten Bergen in der Schweiz. Auf jeden Fall habe ich mir als selbstständige Lauf- und Personaltrainerin einen Trainingsplan geschrieben, um diesen Lauf so gut wie möglich zu meistern.

Die Anreise


Ein dreiviertel Jahr verging und dann stand die Reise zu meinem Lauf-Jahreshighlight 2015 vor der Tür. Der Lauf war am 18.07.2015, an einem Samstag. Wir fuhren ein paar Tage früher nach Grindelwald und blieben auch noch ein paar Tage nach dem Lauf dort.
Zwei Tage vor dem Lauf wollte ich unbedingt noch einen kleinen Trainingslauf in den Bergen absolvieren, um wenigstens ein kleines Gespür dafür zu bekommen, was da auf mich zukommen sollte. Es wurden 10 km mit Bergab- und Bergauf-Lauf. Mein Respekt vor den Bergen wurde immer größer…

Der Lauf


Samstagmorgen, kurz vor 8:00 Uhr:
Während der Busfahrt runter vom Berg zum Startbereich kam die bis dahin verdrängte Nervosität auf. Würde ich es schaffen, die Berge hochzukommen? Wie heftig werden sie sein? 8 km fast immer nur aufwärts bin ich im ganzen Leben noch nicht gelaufen. Hoffentlich kann ich den Lauf bis zum Ende durchziehen? Hoffentlich stürze ich nicht. All das ging mir durch den Kopf. Mir war ganz schlecht. Gut, dass meine Kinder dabei waren. Wir hielten uns noch eine Weile auf der Läufermesse auf. Ich traf dort zwei Lauffreunde aus Deutschland, die jetzt in der Schweiz leben.
Pünktlich um 10 Uhr wurden wir 500 Starter auf den E16 geschickt. Ein Hubschrauber flog kurz vorher noch über uns und das Eventgelände, was schon mal für ordentliche Stimmung sorgte. So liefen wir also los, zuerst durch den Ort Grindelwald, vorbei an den Zuschauern. Dann ging es recht schnell raus in die Landschaft. Die Wege wurden schmaler, aus Asphalt wurden Wald- und Wiesenwege. Wir waren gerade mal 2 km unterwegs, da fingen die ersten Läufer bereits an zu gehen. Ich war ein wenig überrascht, aber ein paar Meter weiter tat ich es ihnen gleich. Lieber piano angehen als gleich auf den nächsten Kilometern komplett platt zu sein. Ich habe ja keine Erfahrung was da noch so kommt. Nach ca. 2,5 km gab es eine leichte Entspannung. Es ging bergab. Aber nicht lange. Der Berg rief und von nun an ging es nur noch bergauf bis Km 6. Das ging ganz schön in die Beine. Teilweise waren es wieder asphaltierte Bergstraßen, Schotterwege und Wiesentrails, die sich abwechselten. Zwischendurch versuchte ich immer wieder mal zu laufen, kurze gerade Passagen von wenigen Metern Länge. Bei Km 4, Oberer Gletscher, gab es den ersten Verpflegungsstand (VP). Ich nahm mir ein Wasser und weiter ging's. Von Km 7 - 12 ging es immer wieder auf und ab. Hier waren die schönsten Trails durch die Wiesen und Hänge. Wir kamen an weiteren drei VP's vorbei, an Berien (km 6,5), Bort (km 8,5) und Holewang (km 12). Und bei jedem genehmigte ich mir gerne ein Wasser und ein Elektrolyte-Getränk. Ich nahm mir auch kurz die Zeit, um wenigstens ein paar Fotos von der Strecke zu machen. Bei jedem Kilometer-Schild stellte ich mit einem Blick auf meine Laufuhr fest, dass mir immer 400 m fehlten. Hm, egal, am Ende wird's schon passen mit den 16 km.
Stark atmend wie noch nie bei einem Lauf, lief ich Kilometer um Kilometer weiter. Ob das auch an der Höhe lag? Was mir auffiel, selbst die kurzen geraden Stücke zwischen den Anstiegen waren anstrengend zu laufen. Ich spürte einfach die gelaufenen Höhenmeter in meinen Beinen, in meinem Körper. Das ist schon anders als sonst bei Straßenläufen. Viele gingen selbst auf diesen geraden Teilstücken. Ich hielt mich an meinen Plan. Steilere oder längere Anstiege bin ich gegangen, schnell. Dadurch habe ich mir Kraft eingespart, die ich dann wieder bei leichteren Abschnitten einsetzen konnte. Das Prinzip ging gut auf. Den einen oder anderen Kollegen konnte ich so überholen.
Ja, und dann ging es ab Km 12 los mit dem spritzigen Downhill. Und ich muss sagen, das hat mir richtig viel Spaß gemacht! Ich habe auf diesen 2 Kilometern einige Läufer-/innen überholt, bin die hubbeligen und wendigen Wiesen- und Waldtrails an ihnen vorbei gehuscht. Das war schon cool! Vorbei auch an weidenden Kühen. Klasse! Die Km flogen nur so dahin. Und ich dachte, super, dann ist es ja nicht mehr weit und ich bin gleich da...
Aber dann wurde es nochmal echt schwer. Bei Km 14 ging es nochmal bergauf. Und das bestimmt 1,5 km lang. Und irgendwie kam das Ziel nicht in Sicht. Wie weit ist es denn noch, meine Uhr zeigt schon lange 16 km an?? Der Weg mündete wieder ins Dorf Grindelwald auf einer anderen Seite und schlängelte sich durch die Häuser und Gassen. Dann endlich waren die Lautsprecher vom Eventgelände zu hören! Die Pfeile auf dem Asphalt wiesen den Weg zum Zieleinlauf. Die Zuschauer feuerten einen nochmal an. Hinter mir versuchte noch jemand, mich zu überholen. Ich gab aber Gas und ließ sie oder ihn nicht mehr an mir vorbeikommen. Ich lief auf die Holzbrücke, die extra für den Lauf gebaut worden war. Und da standen meine Mädels und jubelten mir zu! Was für ein schönes Gefühl... Pippi in den Augen... und dann musste ich nur noch die steile Rampe runter und ab ins Ziel...
Geschafft! Mein 1. Bergtraillauf - die Uhr blieb stehen bei 02:36:02 Std. und 17,47 km. Mit dieser Zeit erreichte ich einen 98. Platz (also unter den Top100) aller 195 Frauen beim E16 und den 24. Platz von 59 Frauen in meiner Altersklasse. Das ist für mich ein überraschend gutes Ergebnis! Ich hatte nicht mit einer '2' vorne gerechnet, weil ich die 960 Höhenmeter nicht einschätzen konnte.

Der Tag danach


Meine Freude ist echt groß darüber und ich bin stolz auf meinen Muskelkater heute und bestimmt auch noch die nächsten Tage. Um etwas Abhilfe und Verbesserung zu schaffen, habe ich meine Blackroll und meinen Blackroll Ball mitgenommen.
Dieser Lauf hat mir folgende zwei Dinge besonders gelehrt: meine Atmung unter großer/größerer Anstrengung zu kontrollieren, weil ich damit viel beeinflussen kann. Und die Konzentriertheit zu schulen bei den Downhills. Das war der Hammer! Eine 100% ige Konzentration und eine ein paar Prozent abweichende entscheidet nicht nur über Stolpern etc., sondern auch über Zeit - wenn einem das wichtig ist. Das war beim ersten Berglauf für mich nicht vorrangig. Aber es hat mir wahnsinnigen Spaß gemacht, die Berge runter zu semmeln.
Tja, das war der Erste. Ich weiß schon jetzt, da werden noch weitere folgen. Vielleicht der E51 im nächsten Jahr? Der E101 ist oberkrass. Ich habe bei weiteren Tagestouren einige Teilstück davon kennengelernt. Und dann durch die Nacht? Durch diese Berge? Bei Gewitter wie gestern? Naja, davon bin ich noch weit entfernt. Aber der E51 reizt mich schon ;-) Den werde ich mal im Auge behalten…

Geschrieben von Tanja Neumeier
Sportfachwirtin IHK
Lauftrainerin, Personaltrainerin
Agentur für SportBusiness
www.tanja-neumeier.de
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