Die Punks von der Kapu

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Die Fotomodelle aus der Ausstellung "Frei sein" von Kaan Düzer Felix Fießer
Düsseldorf: Altstadt | Fotoaustellung im Rathaus

Von Felix Fießer

Welten prallen aufeinander, als am 16. Mai, Oberbürgermeister Thomas Geisel die Fotoausstellung "Frei sein- Die Punks von der Kapu", von Kaan Düzer, einweiht. "Es geht heute darum unterschiedliche Lebensentwürfe aufzuzeigen und die Stadt in all ihren Facetten darzustellen", erklärt Geisel. Damit hat er auch vollkommen recht, denn Düsseldorf ist nicht nur Königsallee und Medienhafen sondern auch Kapuzinergasse und Kiefernstraße.

Vielmehr steht Düsseldorf sogar in einer Tradition, die maßgeblich durch Punk geprägt ist. Hier wären die Bands Fehlfarben und die Toten Hosen zu nennen, sowie der legendäre Rathinger Hof. Dennoch ist eine gewisse Distanz zwischen Anzugträgern, Kulturinteressierten und den paar Punks zu spüren, die sich in dem Foyer des Rathauses versammelt haben. Dieser Eindruck wird dann auch durch Geisel bestätigt: "Punk ist ein Ausdruck von Freiheit, auch wenn diese Freiheit nur darin besteht unter einer Brücke zu schlafen." Die Punks wirken leicht verlegen. Hier in der Galerie sind sie auf fremden Terrain, auf den Treppen vor dem Rathaus haben sie sich sichtlich wohler gefühlt. Dabei handelt es sich bei ihnen nicht um eine homogene Gruppe aus Wohnungslosen. Unter ihnen sind Obdachlose aber auch Schüler, Studenten und Berufstätige zu finden. Vereint werden sie dennoch durch ein, zum Teil selbstgewähltes oder auferlegtes, Außenseitertum.

Einzigartige Fotos

Düzer hat die Gruppe ein halbes Jahr lang begleitet und fotografisch dokumentiert. Hierbei sind einzigartige Fotos entstanden, die es schaffen auf eindrucksvolle Weise ganze Geschichten zu erzählen. Da wäre das Portrait von Natalie, die gefasst in die Ferne schaut und dabei ihre, von oben bis unten, vernarbten Arme entblößt. Ein Zusammenspiel aus Verletzlichkeit und Würde, aber vor allem eines; menschlich. Kaan hat seine Arbeiten auch in einem Bildband zusammengetragen, der für 14,99 Euro zu erwerben ist. Auf sein Autorenhonorar hat er dabei komplett verzichtet. Der Erlös geht an die Obdachlosenzeitung fifty-fifty, sowie die Armenküche in der Altstadt. Hier hat Kaan auch die Motive für seinen nächstes Projekt gesammelt. Die Besucher der Armenküche werden von ihm in dem Bildband "Gesehen werden" porträtiert. Der Titel ist dabei bezeichnend, handelt es sich doch um eine Gruppe von Menschen, die von der Gesellschaft gerne übersehen wird.
Die Ausstellung ist noch bis zum 8. Juni im Foyer des Rathauses zu sehen.
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