Taubenzüchter schlagen Alarm: Zu viele Greifvögel!

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  Goch: Gocher Wochenblatt |

Vogelfreund Hans Hofland würde sein größtes Ärgernis am liebsten selbst aus dem Weg räumen, doch dann hat er die Naturschützer am Hals: Dem Taubenzüchter aus Goch haben Greifvögel allein im vergangenen Jahr 16 seiner Tauben geschlagen, und er kann sie nicht schützen. Denn die Jagd auf Habicht und Co. ist in Deutschland verboten.

Von Franz Geib

"Seit 2013 habe ich fünfzig Tauben verloren", beklagt der mit vielen Preisen dekorierte Züchter, dessen Tiere bis zu 75 Euro wert seien. "Und mein Kollege Walter Dahms aus Kessel trägt sich bereits mit dem Gedanken, die Taubenzucht ganz aufzugeben", so Hofland, dem der ehemalige Franz van Well von der Reisevereinigung Goch nur beipflichten kann: "Zuchttauben sind bei Raubvögeln begehrt, weil sie so leicht zu schlagen sind." Anders als wilde Stadttauben seien Zuchttauben den Gefahren in der freien Natur nicht gewachsen, so Hofland: "Die sind die meiste Zeit im Schlag, und sind Feinde gar nicht gewohnt." Wilde Tauben hätten dagegen gelernt, Taktiken und Abwehrmechanismen zu entwickeln, um sich gegen Raubvögel behaupten zu können. Hofland: "Die sind derart sensibilisert und darum von Habichten, Sperbern oder Falken schwer zu schlagen."

Jungtauben sind zu naiv


Für Jungtauben stellt sich die Situation als besonders kritisch dar. Die seien, um es salopp zu umschreiben, einfach zu naiv. "Die Jungtauben müssen zunächst mal ihre Umgebung und Umwelt kennenlernen." Dass ein Greifvogel ihnen dabei gefährlich werden könnte, wissen sie auch nicht. Das Problem: Jungtauben müssen so oft wie möglich trainieren, um später bei Wettflügen Leistung bringen zu können. Habicht und Co. wissen genau, wann die Tauben von ihren Züchter rausgelassen werden ...
Mitunter verlören Taubenzüchter bei einem Raubvogel-Angriff nicht nur das geschlagene Tier, sondern gleich mehrere, wie Franz van Well erklärt: "Wenn der Falke eine packt, dann geraten die anderen in Panik und hauen ab. Manche verletzen sich dabei schwer und kommen darum nie wieder zurück."
Bis in die 90er Jahre seien Greifvögel für Tauben kein nennenswertes Problem gewesen, doch seitdem ist die Population der Jäger stetig gestiegen. Gründe gibt es gleich mehrere. Da ist zum einen der Artenschutz. Seit Mai 2015 wurden Greifvögel laut Ökologischem Jagdgesetz für Nordrhein-Westfalen aus der Liste der jagdbaren Arten gestrichen und genießen seitdem ganzjährig Schonzeit.
Die Folge: Greifvögel konnten sich ungehindert vermehren.

Gegen Taubenplage aktiv


Dazu kam, dass mehr und mehr Städte und auch Firmen auf Greifvögel setzten, um eine gefühlte Taubenplage in den Griff zu kriegen. Ihnen waren die Hinterlassenschaften der Vögel und deren angebliche Gesundheitsgefährdung für den Menschen ein Dorn im Auge. Dabei könne , so Hofland, von den Zuchttauben gar nicht die Rede sein, denn die würden in Freiheit kaum rasten, sondern erst wieder, wenn sie im Taubenschlag seien: "Von wegen die kacken alles voll!"
Dennoch: Zuchtstationen wie im benachbarten Nimwegen wildern seit langem Jahr für Jahr in Gefangenschaft aufgezogene Greifvögel aus, die Population der Jäger stieg auf diese weise innerhalb von nur wenigen Jahren bis auf das Dreifache, hat Hans Hofland festgestellt: "Normalerweise schlagen Raubvögel ein bis zwei Tauben und dann ist eine Weile Ruhe. Aber die werden darauf abgerichtet, um zu töten." Der Anstieg der Population hat weitreichende Folgen: Während früher ein Wanderfalke ein Gebiet von 10 Quadratkilometern abdeckte, würden sich nun mehrere Vögel diesen Raum teilen, zu Lasten der Tauben. Abgerichtet auf Stadttauben, machen die Räuber keinen Hehl daraus, dass ihnen das Brieftaubenangebot wie ein gedeckter Tisch vorkommt, den sie einer mühsamen Jagd auf die wilden Artgenossen allemal vorziehen.
Züchter wie Hofland und van Well können nichts unternehmen, um das natürliche Gleichgewicht wieder herzustellen, sondern allenfalls bei den Behörden auf das Problem aufmerksam machen. Dabei würden beide schon ganz genau wissen, wie sich das Ärgernis aus der Welt schaffen ließe ...

Schlechter Ruf


Greifvögel haben unter Kleintierzüchtern und sogar Jägern oft einen schlechten Ruf. Nicht ganz zu unrecht werden sie beschuldigt, Hühner, Brieftauben, Singvögel und Kleinwild zu jagen. Habichte, Falken, Sperber und andere (außer Eulen) sind tagaktiv und bevorzugen lebende Beute. Entgegen der Meinung von Züchtern meinen Tierschützer, dass Greifvögel gezielt die geschwächten und weniger "fitten" Tiere jagen und somit den Bestand ihrer Beute nicht ernsthaft gefährden könnten. Wanderfalken jagen im Flug und greifen im Sturzflug an. Manche Vögel werden jedoch so hart mit Füßen und Krallen getroffen, dass sie bereits durch die Wucht des Aufpralls getötet werden. Habichte erjagen ihre Beutetiere überwiegend aus dem bodennahen Flug und am Boden.
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1 Kommentar
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Günter van Meegen aus Bedburg-Hau | 02.04.2016 | 10:36  
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