Dagje-uit zu unseren niederländischen Nachbarn

Dörfer an der Maas

Sommerzeit heißt Ferien- und Urlaubszeit und viele zieht es dann in die Ferne. Die Daheimgebliebenen genießen ihre Freizeit dagegen gerne mit Tagesausflügen. So halten es zurzeit auch meine Frau und ich. In der ersten Urlaubswoche regierte noch der Hochsommer und schöne ausgiebige Radtouren in die benachbarten Niederlande standen an. Die Erholung erreichte dabei mit den Temperaturen Höchstwerte, so dass einem das Südländische nicht fehlte. Unsere Vorliebe am Wasser Urlaub zumachen wurde gleichzeitig durch die Ausblicke auf die Maas, dem Reindersmeer sowie dem Leukermeer erfüllt. Nicht nur die niederländische Landschaft mit den kleinen Dörfern an der Maas hat unser Herz erobert, sondern auch die Sprache. Der Begriff Dagje-uit steht dabei sinngemäß für Tagesausflug und die Angebotspalette scheint unerschöpflich. Durch ein Plakat fiel unser Augenmerk auf das Angebot der Sfeermärkte in Arcen. Hierbei handelt es sich um eine Art Trödelmarkt, die zur Ferienzeit in den Niederlanden sowieso Hochkonjunktur haben. Man kennt die Märkte von den Nordseeinseln und Stränden bis zu unseren grenznahen Orten auch als Braderie oder Rommelmarkt. Überwiegend wird auch ein Unterhaltungsprogramm geboten. Straßentheater, bummeln und Livemusik laden da zu mehrstündigen verweilen ein. Zahlreiche gastronomische Angebote runden das Angebot noch ab. Es schein, dass ein ganzer Wirtschaftszweig davon lebt. Die Marktbeschicker kommen aus dem gesamten niederländischen, dem grenznahem belgischen und deutschen Raum. Zudem vermieten Leihfirmen Bühnen, Marktstände oder das stille Örtchen. Die überwiegende Kundschaft ist der Feriengast der auf den Campingplätzen und in den Ferienparks im Umland sein Urlaub verbringt. Uns hat dieses Dagje-uit-Angebot neugierig gemacht und wir haben den zweiten Sfeermarkt in Arcen besucht. Jeweils mittwochs ab 14 Uhr folgen bis zum 25. August noch drei weitere Märkte. Wegen dem wechselhaften Wetter haben wir die Anreise von Goch nach Arcen mit dem PKW vollzogen. Wir wählten dabei die erste Ortszufahrt über die N271 und haben nur mit Glück eine Parkmöglichkeit in den Seitenstraßen gefunden. Empfehlen kann man daher eher die weiteren Ortzufahrten, um auf einen der größeren Parkplätze zu gelangen. Man muss zwar mit einer Parkgebühr rechnen, aber dafür geht es entspannter zu. Das Dorf Arcen liegt unmittelbar an der Maas und ist wahrscheinlich durch die Schlossgärten und dem Thermalbad bei den Gochern besser bekannt. Die Bierbrauerei „Hertog Jan“ und die Likörbrennerei „De IJsvogel“ sind hier ebenfalls beheimatet. Gleich zu Beginn lassen einem die Besuchermassen erahnen, welchen hohen Bekanntheitsgrad der Markt bei den Feriengästen hat. Wir stürzen uns in das Getümmel und die Sonne schaut ab und zu zwischen den Wolken hindurch. Unzählige Marktstände durchziehen die kleinen Gassen und die interessanten Geschäfte in den typischen Baustil laden ebenfalls zum Bummeln ein. Am Ende der Maasstraat, mit Blick auf die Maas, erinnert eine Kanone daran, dass Arcen eine kleine niederländische Festungsstadt war. Die wenigen Sonnenstrahlen lockt zum Eis essen und wir reihen uns in die Schlange bei der italienischen Eisdiele ein. Die Wartezeit nutzen wir um den Blick schweifen zulassen und entdecken das die Eisdiele über eine Terrasse zur Maas hin verfügt. Die Wolkendecke hat sich zwischenzeitlich bedrohlich verdichtet und unser Regenschirm schützt uns vor den ersten Tropfen. Ein kräftiger Wolkenbruch sorgt dann für Hektik und die Massen suchen Schutz in den Geschäften, in Hauseingängen und unter den Marktständen. Die Händler sind unterdessen damit beschäftigt, ihre Waren gegen das Nass zu schützen. Wir finden mit Gleichgesinnten Unterschlupf in einem Möbelgeschäft. Der Blick auf die Preise zeigt uns, dass etwas exklusives Angeboten wird und wir nutzen die Zwangspause uns intensiv über Material, Herkunft und Bauweise der Möbel zu informieren. Der Händler merkt schnell, dass die meisten Kunden keine Kaufabsichten haben und kümmert sich derweil um seine Waren vor dem Geschäft, um sie ebenfalls vor den Regenmassen zu schützen. Ein nachlassen des Regens veranlasst uns im Schutze des Regenschirmes weiterzuziehen, doch ein erneuter Wolkenbruch belehrt uns eines Besseren und dieses Mal landen wir in einer der kleinen Gaststätten mit Hertog Jan im Schilde. Der Wirt hat mehr Glück, die Zwangskundschaft sorgt für Umsatz. Wir erwärmen uns derweil an zwei Milchkaffees und dürfen daher auch umsonst auf das stille Örtchen. Ein Schild weist Nichtkunden auf eine Gebühr von 50 Cent hin. Billardtische, Dartscheibe und Bilder von Karnevalsprinzen zeigen uns, dass wir in einem Vereinslokal sind. Die Stammgäste an der Theke beäugen das Treiben in der Gaststube. Eine flinke junge Kellnerin hat die Situation schnell im Griff und erfüllt den Gästen ihre Wünsche. Nach dem Regenschauer beginnt so langsam das Leben wieder auf der Straße und nach und nach zieht es die Gäste aus der Kneipe. Wir genießen derweil noch das gemütliche Ambiente bevor wir uns ebenfalls wieder nach Draußen wagen. Die Gassen sind längst nicht mehr so voll und wir können in Ruhe das Warenangebot der fliegenden Händler betrachten. Eine kleine Kirmes sorgt für Unterhaltung bei den Kindern und Straßenkünstler auf Stelzen sorgen für Belustigung. Ein weibliches Clownpaar spielt mit allerlei Requisiten den typischen Badegast auf der Suche nach dem Strand. Livemusik ertönt vom Rathausplatz wo eine Altherren Band rockige Musik der 60iger und 70iger Jahre spielt. Ein Blick auf die Uhr verrät uns, dass wir „Dinnertime“ haben und wir erkunden das Angebot auf den Speisekarten im Aushang der Restaurants, die zugleich meistens auch Hotels sind. Zwar gibt es auch reichlich Fastfood-Angebote doch wir wollen uns was Gönnen. Wir entscheiden uns für Alt Arce ein Restaurant mit gemütlichem historischem Ambiente und einem für die Niederlande guten Preisleistungsverhältnis. Viele junge Leute arbeiten hier und man kann sogar das Treiben in der Küche bei den ebenfalls jungen Köchen beobachten. Eine Terrasse bietet zwar Maaspanorama ist aber geschlossen. Die Gäste verteilen sich an zahlreichen Tischen in zwei Sälen. Reservierungsschilder auf den Tischen im Saal zur Maas hin verraten uns, dass hier nicht die Laufkundschaft sitzt. Wir erwischen gerade noch einen Vierertisch im zweiten Saal. Die freundliche Bedienung reicht uns die Speisekarte und wir verhalten uns wie die umliegenden Pärchen. Die Männer bestellen den Fleischspieß und die Damen die Pastagerichte. Raffiniert finden wir dabei das Servieren der Beilagen in eine Art Tellerturm. Ich habe Glück das meine Frau sich für die Rückfahrt bereit erklärt und ich mich weiter dem Genuss des Herzog Jan widmen kann. Wir sind sehr von dem Ganzen angetan und können den örtlichen Werbeslogan „Genieten aan de Maas“ nur bestätigen. Die Urlaubsstimmung ist den Gästen und dem Personal anzumerken und wir genießen einen schönen Abend den wir anschließend am Rathausplatz bei Kerzenschein und Livemusik ausklingen lassen. Gocher und Weezer haben wir dabei übrigens auch getroffen. Auf der Rückfahrt nach Goch haben wir noch das „Dagje-uit“ Revue passieren lassen und uns vorgenommen, den anderen Daheimgebliebenen von diesem Angebot zu berichten.

Autor:

Lutz Dennstedt aus Goch

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