Enervie: Netzentgelt-Problem gelöst - Kraftwerke schließen - Personalabbau und Millionenkosten

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Die Region atmet auf, für die Stadt Hagen aber bedeutet der Verhandlungserfolg in Sachen Netzentgelt der Verlust von Arbeitsplätzen und Kosten in Millionenhöhe. Technische Umbaumaßnahmen ermöglichen die Sicherung der Stromversorgung mit der Folge, dass ab 2016 die Hagener Kraftwerke nicht mehr gebraucht werden.

Hier die offizielle Presseerklärung der Enervie:

Durchbruch bei Netzentgelt-Problem in Südwestfalen – nach intensiven Verhandlungen ist nun eine technische Lösung gefunden worden, die ab 2016 zu einer erheblichen Reduzierung der zuletzt erhöhten Netzentgelte in der Region führen könnte. Umfassende Informationen gab der ENERVIE Vorstand am 10.02.2015 im Rahmen einer Aufsichtsratssitzung den Gremienmitgliedern.

Grund für den Anstieg der Netzentgelte waren Kosten, die der Zwangseinsatz der Kraftwerke zur Sicherung der Stromversorgung und Netzstabilität in der Region mit sich bringen. Die Kraftwerke der ENERVIE werden aktuell benötigt, da nicht ausreichend Strom über die Netzkupplung in Hagen-Garenfeld eingespeist werden kann.

Besonders für die energie-intensiven Betriebe ist die erzielte Lösung eine gute Nachricht: Die Sonderbelastung der Märkischen Region mit drastischen Steigerungen der Netzentgelte könnte damit ab 2016 abgefedert werden.

Die Schattenseiten


Für Enervie hat diese Lösung allerdings auch eine große Schattenseite: Die Kraftwerke in Hagen, Herdecke und Werdohl werden bald nicht mehr zur Sicherstellung der Stromversorgung und Netzstabilität gebraucht.

Der Vorstand hat nun dem Aufsichtsrat zugesichert, zeitnah dem Gremium entsprechende Szenarien insbesondere zu den Themenkomplexen Stilllegung Erzeugung, Personalabbau und Sicherung des finanziellen Handlungsspielraums darzulegen.

Der Netzbetreiber ENERVIE AssetNetwork hatte nach einem Gespräch bei Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel am 18. Dezember 2014 unter Beteiligung der Bundesnetzagentur nochmals Gespräche mit allen benachbarten Netzbetreibern Amprion, AVU und Westnetz aufgenommen, um erneut technische Lösungsmöglichkeiten auszuloten. Ziel war es, so viel Strombezugskapazität von Außen zu schaffen, dass die Versorgungssicherheit der Region Südwestfalen mit ausreichend Strom zu allen Zeiten des Jahres sichergestellt wird.

Die noch klärungsbedürftigen regulatorischen und vertraglichen Fragestellungen werden von der Bundesnetzagentur begleitet, alle beteiligten Netzbetreiber ziehen an einem Strang. So könnte ein technischer Ausweg gefunden werden, der die Region nachhaltig entlastet.

Mit der Energiewende zwingt die Politik den gesamten Energiesektor in Deutschland zu einer grundsätzlichen Neuaufstellung. Völlig neue Rahmenbedingungen haben langfristige Investitionen, zum Beispiel in Kraftwerke, über Nacht wertlos oder unprofitabel gemacht.

Konsequenz: ENERVIE durchschreitet derzeit eine Talsohle aufgrund von politischen Entscheidungen zur Energiewende, die nicht in Hagen, sondern von der Bundespolitik in Berlin getroffen worden sind.

Auch ENERVIE Kraftwerke wurden durch die Energiewende unrentabel. ENERVIE musste deshalb schon 2013 ihre Stilllegung bei der Bundesnetzagentur beantragen. Die Stromnetz-Anbindung in Südwestfalen reicht aber bisher nicht aus, um die Versorgung ohne diese Kraftwerke von außen zu sichern. Der Ausbau der Netzanbindung des Umspannwerkes (UW) Garenfeld durch Amprion GmbH wird erst in einigen Jahren fertiggestellt werden.

Die Bundesnetzagentur verlangte deshalb zunächst, dass ENERVIE die Kraftwerke bis 2020 am Netz behalten muss . Die Kosten für diesen Zwangseinsatz der Kraftwerke wurden auf die Kunden in der Region umgelegt – die Folge war eine drastische Erhöhung (Privatkunden rd. 25 %, bei Industriekunden bis zu 100 %) der Netzentgelte.

Dies bedeutete eine Sonderbelastung der Wirtschaft in unserer Region und schwächte den Wirtschaftsstandort Südwestfalen. Zu Recht liefen Unternehmen, Verbände und Politik dagegen Sturm. Sie sagten: Die Existenz mancher Betriebe, besonders in energie-intensiven Branchen, steht dabei auf dem Spiel; Investitionen werden künftig anderswo getätigt.

ENERVIE Chef Ivo Grünhagen, Bundestagsabgeordnete und Wirtschaftsvertreter aus Südwestfalen machten Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel am 18. Dezember 2014 in Berlin klar, dass diese Benachteiligung der Wirtschaftsregion nicht hinnehmbar sei. Der politische Druck des Vizekanzlers brachte seither neue Bewegung.

Jetzt steht fest: Neue Gespräche zwischen den Netzbetreibern ENERVIE AssetNetWork, Amprion, AVU und Westnetz haben nun die Möglichkeit einer technischen Lösung eröffnet, welche die Region Südwestfalen mit ausreichend Strom versorgt, ohne dass die Kraftwerke der ENERVIE dafür gebraucht werden. Nach zuvor notwendigen netztechnischen Baumaßnahmen im Laufe des Jahres wird dies voraussichtlich Ende 2015 möglich sein.

Das bedeutet: Damit wäre die Sonderbelastung der Wirtschaft für unsere Region spätestens ab 2016 weitgehend beendet. Die drastisch höheren Netzentgelte könnten wieder deutlich abgesenkt werden, Arbeitsplätze und Gewerbesteuern werden wieder sicherer. Eine gute Nachricht für Wirtschaft, Arbeitnehmer und Kommunen in der Region.

"Konkreter Personalabbauplan"


Eine schwierige Situation für ENERVIE: Die Auswirkungen für die verschiedenen Standorte und Kraftwerke sowie ein konkreter Personalabbauplan werden in den nächsten Wochen zwischen Vorstand und Arbeitnehmervertretern erarbeitet werden.

Was die Wirtschaft der Region entlastet, zwingt Enervie damit erneut zu einer Neuausrichtung. So kosten die Abschaltung der Kraftwerke und der damit zwingend notwendige Abbau der Arbeitsplätze zunächst Millionenbeträge. Das bedeutet: Enervie wird in den kommenden Jahren weiter in einer angespannten Situation agieren müssen.

Alle Beteiligten sollten ein gemeinsames Interesse an einer starken ENERVIE haben, die sich in den Dienst der Region und ihre wirtschaftliche Zukunft stellt und die Herausforderungen der Energiewende für die Menschen in der Region aktiv gestaltet.
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