Saitenweise Rock- und Pop-Geschichten

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Uli Jon Roth hatte am vergangenen Wochenende erst für ein brechend volles Trigon gesorgt. Die Popularität des Gitarristen ist nach wie vor ungebrochen und tosender Applaus nach jedem Konzert ist ihm sicher. Foto: Preußner
 
Peter Behrens zu Gast in Schürmanns Haus - immer für einen Gag zu haben! (Foto: Frank Schürmann)
 
Uli Jon Roth auf seinem Anwesen in Aberystwyth (Foto: Frank Schürmann)
 
Uli Jon Roths Schloss im walisischen Aberystwyth. (Foto: Frank Schürmann)
Rockstars werden nicht nur durch ihre Musik unsterblich, sondern oft genug auch durch die Legenden, die sich um sie ranken. Dass diese nicht nur von Skandalen oder Drogenkarrieren geprägt sein müssen, sondern auch für manchen Lacher gut sein können, weiß Frank Schürmann aus Haltern. Ihn verbindet nicht nur zu Ex Scorpions-Mitglied Uli Jon Roth eine innige Freundschaft, er ist auch mit zahlreichen anderen Prominenten per Du. Aus den Begegnungen haben sich unvergessliche Anekdoten und Erinnerungen ergeben.

Uli Jon Roth hatte am vergangenen Wochenende erst für ein brechend volles Trigon gesorgt. Die Popularität des Gitarristen ist nach wie vor ungebrochen und tosender Applaus nach jedem Konzert ist ihm sicher. Aber nicht nur die Bühne und das großartige Halterner Publikum holen den Musiker immer wieder gerne in die Seestadt, sondern ebenso das beschauliche Ambiente der Stadt und die Freundschaft zu Frank Schürmann. Nach zahlreichen Auftritten und einer langjährig guten Zusammenarbeit haben die beiden eine Menge gemeinsam erlebt.

Wie Frank Schürmann und der Rockmusiker sich vor 14 Jahren kennengelernt hatten, ist eine der vielen abenteuerlichen Geschichten des studierten Kultur-, Medien- und Freizeitmanagers: Schon als Student verfasste er Berichte für namhafte Musikmagazine und wurde Mitarbeiter im rock´n´pop-Museum Gronau. Seine Aufgaben bestanden unter anderem darin, Exponate verschiedenster Künstler aufzuspüren und für die Ausstellungsräume des Museums zusammenzutragen. An Uli Jon Roth biss er sich zunächst die Zähne aus. Das World Wide Web gab damals bei Weitem noch nicht so viele Informationen her wie heute und Uli Jon Roth hatte nicht einmal eine eigene Homepage. Es blieb Schürmann also nichts anderes übrig, als den Musiker anzurufen. Der versprach sich in Kürze zurückzumelden. Es ging dem Scorpions-Gitarristen aber nicht allein darum Schürmann ein Exponat für die Ausstellung zur Verfügung zu stellen, sondern auch darum diesen für die Erstellung einer eigenen Webseite zu beauftragen. Dazu lud er den Halterner kurzerhand in sein Schloss in Wales ein.

Die weiße Frau von Tanybwlch Manor

Das Anwesen des Musikers "Tanybwlch Manor" lag einsam gelegen etwa 1 km abseits der Ortschaft Aberystwyth und in unmittelbarer Nähe eines alten, verfallenen Friedhofs. Natürlich beherbergte es neben dem Musiker und seiner Familie einen standesgemäßen Geist in Gestalt einer weißen Frau. Diese war zahlreichen Besuchern schon erschienen und hatte neben der Putzfrau auch den Manager Jon Roths und zahlreiche Handwerker bereits in die Flucht geschlagen. Dem Halterner gegenüber verhielt sie sich allerdings bedeckt und zeigte sich auch bei späteren Besuchen nie. Möglicherweise waren dem Geist die geistreichen Gespräche bei geistigen Getränken einfach zu viel. Es mag sein, dass der weißen Frau auch die Musik der beiden auf den Geist ging. Als Vertreterin einer viel älteren Generation stand sie vielleicht nicht auf die harten Gitarrenklänge der Nachwelt. Rock hin Roll her - Fakt ist jedenfalls, dass diese ersten Treffen zwischen Schürmann und Uli Jon Roth zu einer äußerst produktiven und langjährigen Zusammenarbeit führten.

Improvisationstalent auf der Bühne und im Leben

Als technischer Assistent begleitete Frank Schürmann den Musiker und seine Band bei Auftritten in Deutschland, Griechenland und Italien. Es lief nicht immer alles glatt, aber wo immer Probleme auftauchten, nahmen die beiden es mit Humor und bewiesen ihr Improvisationstalent auch jenseits der Bühne. In Hannover vergaß der Musiker seinem Assistenten ein eigenes Hotelzimmer zu buchen, was dazu führte, dass er den Halterner über Nacht in seinem Zimmer versteckte. Am Flughafen in Thessaloniki überkam den Rock-Musiker sein Faible für glitzernden Goldschmuck beim Anblick des Schaufensters eines Geschäftes im Flughafengebäude. Kurzerhand ließ er den Aluminumkoffer, in dem er eine teure Soundkarte mitführte in der Flughafenhalle stehen und eilte in das Geschäft um seiner Leidenschaft ausgiebig frönen zu können. Erst ein lauter Knall holte ihn und seine Crew, die ihn in den Laden begleitet hatte in die Wirklichkeit zurück. Polizisten, die den Koffer entdeckt hatten und für eine mögliche Kofferbombe hielten, hatten das Objekt kurzerhand gesprengt.

Uli Jon Roth und seine Lebensgefährtin, die letzte Freundin des legendären Jimi Hendrix, beherbergten so manchen illustren Gast in ihrem Schloss. Eines Tages meldete sich Ian Gillen von Deep Purple bei Roth um diesen neben zahlreichen anderen Musikanten für ein Gitarrensolo für einen Song auf der CD „Gillans Inn“ zu gewinnen. Schürmann war gerade zufällig vor Ort und übernahm den technischen Support. Im eigenen Studio spielte Roth seine Gitarrensoli ein und fragte Schürmann nach seiner Meinung. Aber von ihm erntete er nicht nur Lob, sondern auch Kritik und Roth bat Schürmann selber etwas zu spielen. Einige Stellen dieser Version schienen ihn inspiriert zu haben und so kam es, dass auf der fertigen CD tatsächlich auch einige Noten von Schürmann zu hören sind.

Bruchpiloten auf Erfolgskurs

Auch in Haltern sorgte Uli Jon Roth für unvergessliche Anekdoten. Zu einer Zeit als Frank Schürmann noch in einem großen Mehrfamilienhaus an der Gottfried Keller Straße wohnte, hatte er den Musiker mit seiner damals fünfjährigen Tochter Akasha zu Gast. Anlass war ein kaputter Computer gewesen, den Schürmann reparieren sollte. Mit Tochter und Computer hatte Uli Jon Roth sich kurzerhand in seinen Mercedes gesetzt und war von seinem Schloss in Wales nach Haltern gefahren. Während die Männer sich nun mit dem Computerproblem beschäftigen, bekam die Kleine Langeweile und entschloss sich auf Erkundungstour zu gehen. Erst später bemerkte ihr Vater, dass sie gar nicht mehr in der Wohnung war. Aufgeregt suchten die Männer das komplette Haus ab. Schließlich fand man das Kind im Hausflur, wo sie an die anderen Haustüren klopfte. Sie hatte es sich schlichtweg nicht vorstellen können, dass Frank Schürmann nur diese eine, in ihren Augen viel zu kleine Wohnung zur Verfügung stand und wollte nun die anderen Etagen und Zimmer seines Schlosses inspizieren.

Jon Roth wählte nicht immer den einfachsten Weg nach Haltern. Die Überfahrt mit Schiff oder Passagierflieger war ihm viel zu unspektakulär. Aus Abenteuerlust entschloss er sich eines Tages zusammen mit einem Freund mit dessen Sportflugzeug den Ärmelkanal zu überfliegen und in Marl zu landen. Das Unternehmen wäre wahrscheinlich auch unter idealsten Bedingungen ein Wagnis gewesen, in ihrem Falle kamen aber noch einige außerplanmäßige Schwierigkeiten hinzu. Überhaupt konnte bei der Idee von "plan"mäßig nicht im Mindesten die Rede sein. So spielte erstens Lohmühle in Marl nicht mit, (der Flughafen war zu der Zeit gar nicht besetzt und eine Landung nicht möglich) und zweitens auch nicht das Wetter! Über der Nordsee zog ein so heftiges Gewitter auf, dass die Piloten schon nach kurzer Zeit die Hand vor Augen nicht mehr sehen konnten. Uli Jon Roth gelang es über das Handy Frank Schürmann zu erreichen und fragte ihn nach seiner Einschätzung der Lage und ob Schürmann eine Landung für möglich hielte. Der fühlte sich verständlicherweise mit der Frage völlig überfordert und wandte sich an den Flughafen Münster. Dort traf er einen Tower-Mitarbeiter an während das Unwetter immer schlimmer wurde. Lächelnd aber eindringlich riet ihm der Mann im Tower von einer Landung mit einer Kleinmaschine bei dieser Wetterlage ab. Indessen bewegte sich die Tanknadel im Flugzeug gefährlich Richtung "empty". So musste das Flugzeug schließlich in Holland wegen Treibstoffmangel auf einem Flughafen „notlanden“. Die Fahrt von Holland nach Haltern mit dem Zug wurde dann etwas länger als geplant, fand aber zumindest auf sicherem Boden statt.

Videoprojekt mit Peter Behrens


Auch zu Trio Trommler Peter Behrens verband Frank Schürmann eine jahrelange, enge Freundschaft. Der Kontakt kam durch eine Exponatanfrage des rock'n'popmuseum zustande. Den Kontakt zustande zu bekommen war nicht einfach – Peter hatte gar kein Telefon. Nach einiger Recherche bekam Schürmann den Hinweis, dass man Peter jeden Abend in seiner Stammkneipe erreichen könne – da klappte es dann tatsächlich auf Anhieb!
Peter Behrens mochte das Ambiente des Halterner Stausees und so wurde das Strandbad zum Ort für ein Musikvideo. Behrens wohnte während dieser Zeit oftmals in Schürmanns Haus und erzählte dem Halterner eine Menge Details über seine Zeit bei Trio und aus seinem interessanten Lebenslauf. Das brachte Schürmann auf die Idee selbst eine Dokumentation über Peter Behrens zu produzieren. Der charismatische Musiker war sofort einverstanden. Schürmann begleitete Behrens durch dessen Alltag, zusammen besuchten sie Orte, die schon für die Entstehung der in den achtziger Jahren weltweit populären Kultband Trio von Bedeutung gewesen waren.

Auch über die gemeinsame Arbeit hinaus besuchten Peter Behrens und Frank Schürmann sich gegenseitig und verbrachten viel Zeit miteinander. Im Laufe der Jahre entstand ein umfassendes Videowerk über das Leben, die Arbeit und den Alltag des ehemaligen Trio-Mitglieds.
Als Peter Behrens kurz vor der Fertigstellung des Films verstarb, war dies für Schürmann zunächst ein harter Schlag. Mit Peter Behrens hatte er einen guten Freund verloren.

Erst jetzt ist er in der Lage, die Dokumentation erneut anzugehen und zu Ende zu bringen. “Das Video war eigentlich so gut wie fertig,“ erklärt Schürmann: “Peter war gesundheitlich angeschlagen und häufig in einer schlechten Verfassung, das wussten wir. Mit seinem plötzlichen Tod hatten wir trotzdem nicht gerechnet. Ich habe eine Weile gebraucht um seinen Tod zu verarbeiten. Nun ist das Ende des Films auch sein Tod und die letzten zwei Jahre, die sie zusammen „on the road“ gewesen waren, scheinen aus heutiger Sicht wie seine Abschiedstournee. „Wir haben viele alte Orte und Wegbegleiter von Peter besucht – in nahezu allen Fällen war es sein letzter Besuch." Für den fertigen Film gibt es bereits Anfragen von verschiedenen Programmkinos. Der Film soll zu Ende Oktober fertig sein um die Anmeldefrist für die Berlinale 2016 einzuhalten – hier hofft Schürmann auf eine Premiere. „Die Chancen schätze ich zwar sehr gering ein aber einen Versuch ist es sicher Wert.“
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