Leiter der Halterner Stadtbücherei geht in den Ruhestand

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Bernhard Köster geht nach 37 Jahren in den wohlverdienten Ruhestand

"Ein bisschen komisch fühlt es sich schon an nach so langen Jahren das Büro zu räumen," gibt Bernhard Köster zu; auch wenn man wochenlang Zeit hatte sich auf diesen Moment vorzubereiten. Gerade ist er aus dem Urlaub zurück - sein letzter in seiner Funktion als Leiter der Bücherei. In wenigen Wochen wird seine Nachfolgerin das Amt übernehmen und künftig im Verbund der Büchereien Marl, Recklinghausen und Haltern die Stadt Haltern vertreten.

Am 1.7.1982 hatte er die Leitung der Stadtbücherei übernommen, erinnert sich Köster. Damals befand sich die Bücherei noch auf der Rekumer Straße, später zog sie um in die Räumlichkeiten des Schulzentrums. Zu der Zeit hatte der Rat der Stadt Haltern bereits beschlossen, die Stadtbücherei im Gebäude-Komplex der damals noch im Bau befindlichen Muttergottesstiege unterzubringen. Im September 1984 konnte der Umzug dann vollzogen werden.

Im Wandel der Zeit

Zusammen mit einem Team von Mitarbeitern baute Köster im Laufe der kommenden Zeit die Bücherei zu einer, gemessen an der Größe Halterns, sehr stattlichen Bibliothek aus. Mit den Jahren hat sich das Kundenverhalten verlagert. Waren es zu Beginn vorwiegend Bücher, die ausgeliehen wurden, so sind es heute zunehmend auch iBooks. Gleich geblieben ist aber, dass die überwiegende Zahl der Besucher Mädchen und Frauen sind. Sie interessieren sich vor allem für Romane, Krimis und Serien, während die Männer oft zur Fachliteratur greifen.

Dabei liegen die Aufgaben der Einrichtung aber bei Weitem nicht nur auf dem Verleihen von Büchern verschiedenster Genres. Büchereien sorgen dafür, dass das abendländische Erbe im Gedächtnis bleibt. Bedeutende Zeugnisse bekannter Schriftsteller haben ihren Platz hier ebenso wie lokale Autoren. Viele Werke bleiben dauerhaft, andere sind dem Wandel der Zeit unterworfen und werden irgendwann aussortiert. Zu letzteren zählen auch Bücher, die einmal Bestseller gewesen sind, heute aber von niemandem mehr gelesen werden. Sie alle zu behalten würde die räumlichen Kapazitäten der Bücherei sprengen.

Verwaltung von Kulturgut

Die Arbeit des Bibliothekars ist aber noch weiter gefächert. Bernhard Köster erklärt es so: “Legen Sie die Bibel einem Theologen, einem Philologen, einem Historiker und einem Bibliothekar vor. Der Theologe sucht in dem Buch die göttliche Wahrheit, der Philologe untersucht die Sprache und den literarischen Gehalt und der Historiker sucht nach geschichtlichen Wahrheiten. Der Bibliothekar aber untersucht Merkmale wie Papier, Druck, Handschrift, und Illustrationen. Das ist eine Wissenschaft für sich.“

Die Organisation von Ausstellungen, Vorträgen und Lesungen nimmt einen weiteren, großen Teil seines Tätigkeitsfeldes ein. Die Unterstützung des Altertumsvereins bei Buchprojekten rund um das Thema der Stadtgeschichte Halterns und die Betreuung der Publikationsreihe “Edition Haltern am See“ gehört ebenso dazu wie das Sammeln und Archivieren geschichtsträchtiger Artefakte für die Nachwelt. “Zur Leitung einer Bibliothek gehört auch die Öffentlichkeitsarbeit und die Verwaltung von Kulturgut,“ erklärt der Diplom-Bibliothekar.

Neben einer Reihe antiker Originalschriften und Landkarten beherbergt die Stadtbücherei eine Druckwerkstatt und ein kleines Museum, das die Anfänge der Buchdruckerkunst veranschaulicht. Interessant ist auch die sogenannte Zimelienkammer mit ihren Kostbarkeiten in Buchform; ein Nachbau einer historischen Kettenbibliothek, in der antike Andachtsbücher zu bestaunen sind. In vergangenen Tagen wurden wertvolle Werke zum Schutz vor Diebstahl buchstäblich an die Kette gelegt und an den Lesepulten befestigt.

Höhen und Tiefen

Zu den Höhepunkten seiner beruflichen Laufbahn gehört für Bernhard Köster die Organisation der 700-Jahrfeier Halterns im Jahre 1989, an der die Halterner Stadtbücherei maßgeblich beteiligt war. Aber auch den weniger schönen Ereignissen kann er etwas Positives abgewinnen: Mehrfach war die Bibliothek von Wasserschäden betroffen. Neben der Decke und den Böden des Gebäudes wurden auch Bücher in Mitleidenschaft gezogen. Viele Werke aus der Kunstabteilung waren vom herablaufenden Wasser so stark beschädigt, dass sie entsorgt werden mussten. “Dadurch aber wurden die Räumlichkeiten endlich renoviert.“

Ein Kapitel geht zu Ende


In seinen ausführlichen Erläuterungen, die den Gang durch die Regalreihen begleiten, schwingt viel Liebe für seinen Beruf mit. Noch wenige Tage bleiben dem Bibliothekar bis zum Ruhestand. Ob er auch im Anschluss noch beratend tätig sein möchte? “Nein," sagt er entschieden: "Diese Aufgabe überlasse ich voll und ganz meiner Nachfolgerin. Dieses Kapitel ist für mich zu Ende. Sollte man aber meine Hilfe benötigen, bin ich sicher gerne zur Stelle.“
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