„Kein Parallel-Universum für Flüchtlinge“

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Peter Horn (von links) von der Awo sowie Thomas Langmesser und Mike Wetzel vom Fachbereich Jugend der Stadt Heiligenhaus befassen sich derzeit täglich mit Zahlen, Daten und Fakten was minderjährige Flüchtlinge betrifft. Gemeinsames Ziel ist es, den jungen Leuten ein stabiles und zukunftsorientiertes Umfeld zu bieten.
Heiligenhaus: Rathaus | Die minderjährigen Flüchtlinge, die der Stadt Heiligenhaus zugewiesen werden, stellen den Fachbereich Jugend vor eine Herausforderung. Auf lange Sicht gesehen müssen genügend geeignete Unterbringungsmöglichkeiten gefunden beziehungsweise geschaffen werden. „Und wir wollen definitiv kein Parallel-Universum schaffen, sondern die minderjährigen Flüchtlinge in das städtische Leben der Heiligenhauser integrieren“, so Fachbereichsleiter Thomas Langmesser, der nun Zahlen, Fakten und Planungen zu diesem Thema vorstellte.

Wegen einer Gesetzesänderung sind Jugendämter seit dem 1. November dazu verpflichtet, sich um noch nicht registrierte unbegleitet ankommende minderjährige Flüchtlinge zu kümmern. Außerdem werden zusätzlich welche durch das Landesjugendamt der Stadt zugewiesen. Nach der jetzigen Quote – berechnet nach der Zahl der minderjährigen Flüchtlinge sowie der Einwohnerzahl der Städte – können Heiligenhaus bis zu 18 Minderjährige zugewiesen werden.
Die ersten Zwölf werden bereits durch die Mitarbeiter des Fachbereichs Jugend betreut. Untergebracht sind sie allerdings nicht nur in der direkten Umgebung, sondern teilweise auch in Jugendhilfeeinrichtungen in Wesel, Herne und Bochum. „Das bedeutet natürlich, dass unsere Mitarbeiter teilweise lange Fahrtstrecken auf sich nehmen müssen, um ihren Aufgaben nachkommen zu können“, so der Fachbereichsleiter. Außerdem betont er, dass natürlich auch für die Flüchtlinge die allgemein geltenden hohen Kriterien der Jugendhilfe stets zu erfüllen sind.
„Mit einem weiteren Zustrom von Flüchtlingen wird natürlich auch die Quote weiter steigen“, blickt Langmesser in die Zukunft. „Im August 2015 lag sie beispielsweise noch bei vier bis sechs Jugendlichen für Heiligenhaus, inzwischen hat es da diesen immensen Anstieg gegeben.“ Bisher seien es nur männliche Jugendliche mit einem Durchschnittsalter von 16 Jahren, weiß Mike Wetzel, Verantwortlicher bei der Jugendhilfe in Heiligenhaus. „Sie kommen aus Syrien, Afghanistan und Nordafrika.“
Nach wie vor suche man für die Kinder und Jugendlichen Pflegefamilien und Ehrenamtliche, die Vormundschaften übernehmen möchten. „Die Bürger werden entsprechend geschult und begleitet“, versichert Wetzel.

Aber auch weitere Planungen gibt es: Mit der Awo als Kooperationspartner soll im Club eine Unterbringungsmöglichkeit für sechs bis acht minderjährige Flüchtlinge geschaffen werden. „Sobald wir entsprechendes Fachpersonal für deren Betreuung haben, kann es eigentlich damit losgehen“, sagt Peter Horn von der Awo. Eine Rundum-Betreuung, also sieben Tage die Woche 24 Stunden, sei erforderlich. „Die jungen Leute sollen nicht nur die deutsche Sprache und Kultur kennenlernen, wir möchten ihnen auch helfen, eine Tagesstuktur zu entwickeln.“ Je nach Alter und Bildungsstand sollen sie darüber hinaus die Schule besuchen, eine Ausbildung oder Arbeit finden.

Das soll natürlich keine Dauerlösung sein. „Nach drei bis sechs Monaten sollen sie soweit gefestigt sein, dass der Übergang in eine dauerhafte Unterbringung stattfinden kann“, so Horn weiter. Ob Jugendhilfeeinrichtungen, Pflegefamilien oder betreutes Wohnen – das sei von Fall zu Fall zu entscheiden.
„Bisher gibt es keine Jugendhilfeeinrichtung in Heiligenhaus, sondern wir haben in der Vergangenheit mit dem Haus Maria Frieden in Velbert-Langenberg kooperiert“, sagt Langmesser. Auch das wird sich wohl zukünftig ändern. Die Pläne bezüglich einer solchen Einrichtung würden inzwischen schon sehr konkret werden, eine städtische Immobilie, die sich eignet, ist bereits gefunden. Interessiertes Fachpersonal für die Einrichtung im Heiligenhauser Club oder auch Bürger, die sich ehrenamtlich für minderjährige Flüchtlinge einbringen möchten, werden gebeten, sich unter Tel. 02056/13320 bei Mike Wetzel von der Jugendhilfe zu melden.
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