Die Grünen in Herdecke feiern 30. Geburtstag: "Das waren ideale Rahmenbedingungen damals"

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Klaus Reuter, bis 2011 Fraktionssprecher, wirft einen Blick auf 30 Jahre Grüne in Herdecke zurück.
Von Jens Holsteg

Fast als stünden sie Spalier, erschienen im Jahr des 30-jährigen Bestehens der Herdecker Grünen wieder zwei Themen auf der Agenda, die bereits die Anfangszeit des jungen Ortsverbandes prägten: die Busanbindung des Bahnhofs und der Cunoturm von Mark E.

Doch blicken wir zunächst drei Jahrzehnte zurück, als sich im damaligen Café Kaktus am Bachplatz sieben engagierte Bürgerinnen und Bürger zum Ortsverband der Grünen in Herdecke zusammenschlossen. Was im September 1983 schließlich als neue „grüne“ Partei auf der Spielfläche der Herdecker Kommunalpolitik erschien, speiste sich aus mehreren alternativen Gruppen, in denen sich friedensbewegte, ökologisch motivierte, und generell politisch interessierte Menschen engagierten.
Das Café Kaktus, Schauplatz der Gründungsversammlung, war Anfang der 80er Jahre ein zentraler Treffpunkt kritischer Geister , sozusagen der „Kristallisationspunkt“ der alternativen Bewegungen in Herdecke.
„Das waren damals ideale Rahmenbedingungen für die Gründung einer alternativen Partei. Ganz anders als heute,“ blickt Klaus Reuter, seit 1989 im Rat und von 1995 bis 2011 grüner Fraktionssprecher, zurück. „Politisch interessierte Jugendliche, engagierte Bürger und damals noch recht junge Alt-68er – das war schon klasse.“
Es war eine politisierte Gesellschaft in Aufbruchstimmung: Gemeinsame Reisen zu Ostermärschen oder der großen Anti-Atom-Veranstaltung mit 300.000 Teilnehmern im Bonner Hofgarten, Friedensdemos in der Herdecker City oder der große Demonstrationszug zum Cuno-Kraftwerk: „Herdecke war damals eine gutbürgerliche Gesellschaft, in der es keine großen Konflikte gab. Wir haben die unangenehmen Themen auf die Tagesordnung gesetzt und ins Gespräch gebracht.“
Die Gründung der Grünen speiste sich damals aus einer Mischung bundes- und lokalpolitischer Themen. Neben der Nachrüstungsdebatte und dem Volkszählungsboykott ging es um Herdecker Themen wie den Bau des Cuno-Turms, die Erweiterung des Gewerbegebiets an der Gahlenfeldstraße und den geplanten Ausbau der Ender Talstraße: „Die sollte im unteren Bereich genauso breit ausgebaut werden wie das obere Stück zum Krankenhaus hin. Das traf auf Widerstand in großen Teilen der Bürgerschaft.“
In der Satzung des Gründungsparteitages der Bundespartei 1980 in Karlsruhe hieß es: „Die Grünen sind die grundlegende Alternative zu den herkömmlichen Parteien.“ So empfand man es auch in Herdecke: „Ja, absolut, das haben wir so gelebt.“ Daher war es gar nicht selbstverständlich, eine neue Partei zu gründen, wie sich mehrere Gründungsmitglieder erinnern. Erst einmal musste natürlich ausführlich diskutiert werden, ob man nicht lieber weiter außerparlamentarische Opposition betreiben sollte, als sich mit dem „System“ zu arrangieren. Aber dann gab man sich schließlich doch noch einen Ruck und die Herdecker Parteienlandschaft war um eine Farbe reicher.

Pünktlich zur offiziellen Geburtstagsfeier mit geladenen Gästen gibt es in der Stadtanzeiger-Ausgabe am Sonntag, 24. November eine Fortsetzung der „Grünen Geschichte“ - dabei ein Rückblick auf die damaligen Slogans und Plakate der Partei.
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