Modellprojekt „TeamUp!“ im westfälischen Jugendfußball

Anzeige
Teilnehmer des Modellprojekts im SportCentrum Kamen-Kaiserau. Foto: privat
Kamen.

21 Jugendtrainerinnen und Jugendtrainer sowie Jugendleiter und Jugendleiterinnen aus elf Vereinen in Westfalen wollen es wissen: Wie kann man Werte im Jugendfußball fördern? Am Wochenende startete in der SportSchule Kamen-Kaiserau das Modellprojekt „TeamUp!“, initiiert von der Bertelsmann Stiftung und unterstützt vom Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW).

Hier tauschen sich Jugendleiter/-innen und Trainer/-innen von ausgewählten Mannschaften an drei Wochenenden und in zwei Praxisphasen über ihre Erfahrungen mit Jugendlichen im Training und im Verein aus, reflektieren ihre eigenen Werte und lernen Methoden und Wege kennen, wie sie die Wertebildung von Jugendlichen unterstützen können. Das Besondere an „TeamUp!“: Die Kombination aus intensiven Präsenzmodulen und begleiteten Praxisphasen. Die Teilnehmer erproben das Gelernte mit ihren Jugendmannschaften im Verein un d werden vom Lehrteam vor Ort gecoacht. Hierdurch werden Praxistransfer und Nachhaltigkeit gewährleistet.

Die Stiftung und der Verband sind sich darin einig, dass Fußball weit mehr ist, als nur ein populärer Mannschaftssport, bei dem die Erfolge zählen oder die 17 Regeln. Fußball verbindet über soziale, kulturelle und religiöse Unterschiede hinweg und ist ein wichtiger Schlüssel für den Zusammenhalt. Kinder und Jugendliche lernen Werte wie Respekt, Fairness und Toleranz und entwickeln soziale Kompetenzen. Im Umgang mit Mitspielern, Gegnern und im Vereinsalltag können sie soziales Verhalten einüben, das zu einem guten Miteinander auf und neben dem Platz beiträgt. Das geschieht aber nicht von allein: Wichtige Bezugspersonen sind dafür die Trainer und Jugendleiter, die oft eine besondere Vorbildrolle innehaben.

Julia Tegeler, die das Projekt für die Bertelsmann Stiftung begleitet, sagt dazu: „Wir arbeiten schon länger an dem Thema, wie sich Wertebildung mit Kindern und Jugendlichen gut umsetzen lässt. Wir haben uns für den Jugendfußball entschieden, weil er ganz unterschiedliche Jugendliche anspricht. Und wir erhoffen uns von dem Modellprojekt viele Erkenntnisse, um daraus Empfehlungen für die pädagogische Arbeit ableiten zu können.“ Sie hat für das Projekt ein erfahrenes Lehrteam aus einem Wertetrainer und einem Fußballtrainer zusammengestellt: Das Tandem besteht aus René Märtin vom Deutschen Empowerment-Institut (Osnabrück) und Henning Timpe (Münster), „Eigengewächs“ des FLVW und Lehrer an einem Gymnasium. Beide bereisen den Winter über die Vereine und beraten sie vor Ort.

Das Projekt hilft Trainern und Jugendleitern dabei, die Werte ihres Vereins aktiv zu leben und das kooperative Miteinander im Jugendfußball systematisch weiterzuentwickeln. Sie lernen Übungen sowie Trainingseinheiten für die Teamentwicklung und Konfliktbearbeitung kennen. Und sie erhalten wertvolles Handwerkszeug für den Fußballalltag und erweitern ihre Kompetenzen, um gezielt das gute Teamplay der Jugendlichen in Mannschaft und Verein zu stärken.
Beim FLVW engagiert sich Michael Lichtnecker für das Projekt, seines Zeichens Fair Play-Beauftragter: „Wir wollen Werte wirklich leben – gerade auch in unserem Verband. Damit Wertebildung auch ihren Stellenwert in der Ausbildung hat, gilt unser Pilot als eigenständiger Lehrgang: Die Lerneinheiten können auf die Trainer- und Jugendleiterlizenz im FLVW angerechnet werden. Ich bin sehr froh darüber, dass wir jetzt mit dem Modellprojekt starten konnten!“

Für die Vereine liegt der Vorteil einer solchen Ausbildung auf der Hand: Ohne Stress und Konflikte machen Training und Vereinsleben mehr Spaß. Dabei hilft es, zu wissen, wie man mit Streit und Vorurteilen umgeht, wie man Teamgeist weckt und die jungen Spieler für ein gutes Miteinander motiviert. Kinder und Jugendliche, die ihre Trainer als positive Vorbilder erleben, entwickeln sich besser und sind bereit, selbst Verantwortung zu übernehmen. Ein Verein, der sich über seine eigenen Werte im Klaren ist und Kindern und Jugendlichen eine positive Orientierung gibt, ist attraktiv und kann bei der Suche nach Nachwuchs punkten. Und nicht zuletzt: Sportlicher Erfolg hängt immer auch vom Teamgeist der Mannschaft ab.

Das Projekt läuft bis Februar 2017 und wird von unabhängigen Experten aufwändig evaluiert, um mit dem Erkenntnisgewinn und den Erfahrungen auch über die Probephase hinaus weiter arbeiten zu können.
0
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.