Didi Lobster und die Meerjungfrauen ( Teil 5 )

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Didi und die Meerjungfrauen


Tief unten im Meer, wo nur wenige Sonnenstrahlen hingelangen, wo fast kein Licht mehr vorhanden ist, gibt es viele Lebewesen. Diese haben sich ihrer Umgebung vollkommen angepasst und leben zufrieden vor sich hin.

Das Seegras bewegt sich sachte in der leichten Strömung. Fische aller Art, schwimmen beschäftigt hin und her.
Zwischen dem Seegras kann man eine Art Weg entdecken, auf dem viele der Bewohner des Meeres entlang eilen. Vorbei an kleinen Steinen, unter denen Schnecken wohnen.
Weiter hinten sieht man größere Steine, eigentlich sind das schon Felsen, bei denen viele verschiedene, bunte Fische leben.
Etwas weiter entfernt sieht man ein Gebilde, das eines Tages von
oben herab kam.

Ältere Bewohner nennen es „Wrack“ und ist von einem Lebewesen gebaut worden, das sich „ Mensch“ nennt.
Einige See-Kilometer weiter sieht alles ganz anders aus. Kein Lebewesen ist zu sehen, obwohl große Felsen mit Wohnhöhlen vorhanden sind.
Alles sieht wunderbar gepflegt aus.
Aber was ist hier los? Kommt man um einen der großen Felsen herum, ist dort plötzlich eine große Höhle, aus der ein lautes Stimmengewirr erklingt.

Der Besucher, der sich den ganzen Weg bis hierher herangewagt hat, hört plötzlich wie eine Stimme alle anderen übertönt:

„Glaubt mir, sie ist verloren! Wir werden sie nie wiedersehen!“
„Ich gebe nicht auf!“ ruft eine andere Stimme.
„Niemals!!! Es muss einen Weg geben sie zu finden!“

Der Besucher staunt. Er hört nur weibliche Stimmen. Vorsichtig schaut er um die Ecke herum und sieht sich einer großen Zahl von –Meerjungfrauen, auch Nixen genannt, gegenüber.
Bevor er sich versieht ist er auch schon von den Nixen entdeckt worden und wird sofort von ihnen umringt.

„Ja, wen haben wir denn da?“ ruft die Eine.
„Wo kommst du denn her?“ will eine andere wissen

.„Hast du vielleicht Arietta gesehen?“.


Alle reden durcheinander und werden immer lauter, bis eine der Nixen alle anderen übertönt.

„Ruhe! Ruhe!! Seid doch mal still!! Wir wissen gar nicht wer das ist. Lasst ihn doch mal zu Wort kommen. Also, Fremder, wer bist du? Wo kommst du her und was willst du hier?“

„Mein Name ist Didi Lobster. Ich bin auf der Suche nach meinem Korallendorf, das ich vor langer Zeit verlassen musste. Ich habe diese zauberhafte Wohnanlage gesehen, konnte aber niemanden entdecken. Mit einem Mal hörte ich Eure Stimmen. Das ist alles!“

„Es tut uns leid, dass wir so unhöflich sind “ erklärt die „laute“ Stimme.

„Das ist eigentlich nicht unsere Art. Aber im Moment haben wir große Sorgen und wir diskutieren ein Problem. Trotzdem bist du uns herzlich willkommen!“

„Vielen Dank “ antwortet Didi, „ ich suche nur eine Bleibe für diese Nacht. Morgen ziehe ich weiter. Vielleicht kann ich euch aber auch helfen? Was ist passiert?“
Die erste Nixe erzählt: „Ich bin Marietta, die Obernixe oder auch Bürgermeisterin dieses Dorfes.

Das ist Olivetti, meine Vertreterin. Ihre Tochter ist spurlos verschwunden, und das schon seit Tagen. Das ist der Grund für
die ganze Aufregung. Wir wissen nicht mehr was wir machen sollen und wo wir noch suchen können.“

„Wie heißt denn deine Tochter? Wo hat man sie zuletzt gesehen? Wer hat sie überhaupt gesehen. Wohin wollte sie? Was hatte sie vor?“

Didi sprudelt die Fragen nur so heraus. „Ich werde euch bei der Suche helfen “ verspricht er. „Lasst mich nur machen!“

Danach gehen alle auseinander.

Didi wird von Marietta eingeladen, die Nacht in ihrer Wohnung zu verbringen und nimmt das Angebot gerne an.

Am nächsten Tag macht er sich auf die Suche. Er fragt jeden den er sieht, ob und wann er Arietta gesehen haben. Aber Didi kommt nicht weiter.

„Ich glaube, ich muss weiter weg suchen “ denkt er.

Gedacht, getan! Er zieht immer weitere Kreise um das kleine Dorf.

Immer wieder befragt er jeden, den er trifft. Keiner kann ihm etwas sagen. Es ist zum verzweifeln.

Irgendjemand muss doch etwas gesehen haben.

Didi ruht sich unter einem großen Stein aus.

Dieser befindet sich nicht weit von der Stelle entfernt, wo das Wrack liegt, das von oben herab gekommen ist und von „Menschen „ erbaut worden ist.
Während sich Didi das Gebilde so betrachtet, taucht über seinem Stein ein Schatten auf.

Didi duckt sich tiefer in sein Versteck.

Was ist das?

Es taucht ein sehr großer Fisch auf. Sein Maul ist etwas geöffnet und Didi kann viele spitze und sicherlich scharfe Zähne erkennen. Die Augen des Fisches gucken ganz böse.



„So ein Schwachsinn “ hört Didi den Fisch vor sich hinbrummen.

„Nun soll ich Seerosen zum Essen besorgen. Wo soll ich Seerosen herkriegen? Überall habe ich schon nachgesehen, aber die gibt es einfach nicht. Dabei wollte ich Arietta doch verwöhnen, auch wenn man das einem Zackenbarsch nicht zutraut. Wo finde ich denn nun bloß Seerosen? Ich glaube ich hätte diese süße Nixe nicht entführen sollen.“

Didi hat genau zugehört, zumal der Fisch genau über seinem Versteck angehalten hat.

Didi ist total überrascht. Da hat ihm der Zufall geholfen. Was soll er nun tun?

Der Zackenbarsch schwimmt weiter und sein Ziel ist offensichtlich das Wrack.

Didi folgt ihm, so schnell er kann. Dabei ist er ganz vorsichtig. Er darf nicht entdeckt werden.

Er sieht, wie der Entführer in einem Loch in der Wand des Wracks verschwindet. Schnell folgt er ihm in die Dunkelheit hinein.
Er braucht nicht lange zu suchen. Er kommt aus der Dunkelheit hinaus in eine Art Kammer.

Sofort zuckt er zurück. Gegenüber an der Wand sieht er den Zackenbarsch und - Arietta, die verschwundene Nixe.

„Tut mir leid “ hört Didi den Zackenbarsch gerade sagen.

„Ich habe leider keine Seerosen gefunden. Du musst schon noch etwas warten. Morgen versuche ich es wieder. Irgendwo werde ich wohl welche bekommen. Vergiss dein Versprechen nicht! Sobald ich welche habe, musst du für immer bei mir beleiben!“

Mit diesen Worten schwimmt der Zackenbarsch davon und verschwindet durch eine andere Öffnung.

„Du wirst nie welche finden!“ ruft Arietta ihm hinterher „niemals! Es ist besser du lässt mich frei!“

Der große Fisch ist aber verschwunden und hört sie nicht mehr.

Didi, der alles beobachtet hat, bewegt sich nun auf Arietta zu.

„Bleib ganz ruhig “ spricht er sie an.“ ganz ruhig. Ich komme, um dir zu helfen.“

„Wer bist du denn?“ Fragt Arietta ganz ohne Angst.

„Ich bin Didi Lobster und suche mein Korallendorf. Dabei bin ich auf deine Mutter und die anderen Nixen gestoßen und die haben mir alles erzählt. Wie geht es dir?“

„Ach eigentlich ganz gut. Kuno Zackenbarsch, so heißt der Typ, hat es schon lange auf mich abgesehen. Ich soll immer bei ihm bleiben, als seine Frau.
So ein Quatsch. Was soll ich denn mit dem? Als ich es ihm gesagt habe, da ist er ausgerastet und hat mich einfach mitgenommen, obwohl ich mich heftig gewehrt habe.

Danach hat er mich hierher gebracht und mich mit einem dreifach gedrehten Seegrasseil festgebunden. Hier, schau, ich kann zwar frei herumschwimmen, aber nur ein paar Algenlängen weit. Außerdem kommt Kuno jede halbe Stunde um mich zu kontrollieren. Du solltest schnellstens verschwinden bevor er dich auch noch entdeckt und festsetzt.“

„Ich glaube du hast Recht “ entgegnet Didi, „ aber ich komme wieder. Ich werde dich befreien. Mir wird schon etwas einfallen. Bleib ganz ruhig.“

Langsam und vorsichtig zieht er sich zurück.

Gerade als er außerhalb der Kammer ist, hört er wie Kuno Zackenbarsch wieder bei Arietta eintrifft um sie zu überprüfen.

„Na warte “ denkt Didi, „ dich kriege ich schon. Aber wie?“

Er versteckt sich wieder im Schatten des Wracks unter einem Stein., Mit einem Mal sieht er etwas Helles aufblinken. Was kann das sein?
Vorsichtig nähert er sich dem Blinken und entdeckt eine Schnur, an dem sich ein Haken befindet. Dieser Haken ist es, der so blinkt. Behutsam zieht er daran und zuckt erschrocken zurück. Der Haken wird mit einem Ruck nach oben gezogen und verschwindet.

Didi ist noch ganz erschrocken und beruhigt sich nur langsam.

„Was war denn das? So was habe ich ja noch nie gesehen.
Na ja, ich kehre erst einmal ins Nixendorf zurück um zu berichten.
Vielleicht wissen die ja was das für ein komisches Ding ist.“

Er macht sich auf den Rückweg und ist nach einigen Stunden im Nixendorf angelangt. Dort wird er schon ungeduldig erwartet.

„Wo warst du so lange?“

„Wir dachten schon, du kommst gar nicht wieder.“

„Wo ist Arietta?“

„Hast du sie gefunden?“

„Ist sie gesund?“

„Los, erzähle schon!“

Alles spricht durcheinander. Marietta, die Bürgermeisterin fordert mit lauter Stimme zur Ruhe auf.

Als alle still sind, berichtet Didi, wie und wo er Arietta gefunden hat.

„So war es „ Jetzt brauchen wir nur noch eure Männer. Wo sind die eigentlich?“

„Ach, die sind alle im Seepferdchenland. Das machen die einmal im Jahr um sich die Seepferdchen-Meisterschaft an zu sehen. Normalerweise brauchen wir keine Angst zu haben. Es ist nie etwas passiert.“

„Na, dann müssen wir uns etwas einfallen lassen “ meint Didi.

Er erzählt auch von dem Blinker-Haken und möchte von den Nixen wissen, ob sie so etwas schon mal gesehen haben oder das kennen.

„Den kennen wir “ kommt die Antwort von allen Seiten.

„Mal ist der Haken hier, und mal ist er dort. Das sind Menschen, die unsere Unterwasser-Nachbarn fangen wollen. Sie binden immer leckere Dinge an den Haken und wenn einer was essen will, und da reinbeisst , schwups hängt er fest und wird nach oben gezogen. Auf Nimmerwiedersehen!“

„So, so “ denkt Didi, „ auf Nimmerwiedersehen.“

„Ich habe es!“ ruft er plötzlich. „Ich habe eine Idee! Könnt ihr basteln? Seid ihr in der Lage, Seerosen zu basteln?“

„Das haben wir noch nie gemacht, aber wir können es probieren. Aber wozu brauchst du Seerosen? Was willst damit?“ fragt Olivetti, die Mutter von Arietta.

Didi erklärt, wozu er die Seerosen benötigt.

„Die müssen ziemlich echt aussehen. Die binden wir an dem Haken fest und locken Kuno Zackenbarsch dahin. Sobald er die Seerosen sieht, wird er sie haben wollen. Er schnappt danach und, zack, wird er nach oben gezogen und der Weg zu Arietta ist frei. Was haltet ihr davon?“

„Super Idee!“

„Toll!“

„Das machen wir sofort!“
„Ich habe noch rote Algenblätter. Damit müsste es gehen!“
„Ich auch. Ich hole sie!“

Im Nu sind alle verschwunden um Seerosen zu basteln.

Didi muss sich erst einmal ausruhen und geht schlafen.

Am nächsten Tag geht die Bastelei weiter und noch einen Tag später ist alles fertig. Sie haben mehrere Sträuße von fast echten Seerosen fertig gestellt.

Der große Tag ist da. Arietta soll befreit werden.

Didi erklärt allen noch einmal seinen Plan.

„Wer nicht mitmachen will, bleibt natürlich hier “ sagt er.
„Natürlich kommen wir mit!“

„Wir holen Arietta heraus!“

„Kuno kann was erleben!“

So machen sie sich alle auf den Weg.

Als sie das Wrack erreichen, teilt Didi die Nixen ein. Alle wissen was sie zu tun haben.

Ein Teil der Nixen schwimmt zu dem deutlich sichtbaren Faden, an dem wieder der Haken blinkt. Vorsichtig heben sie den Haken an, während andere ihn in Richtung Wrack schleppen.

Wieder andere befestigen die Seerosen an dem Haken und binden sie fest. Der Seerosenstrauß wird so hingelegt, dass er nicht nach unten rutschen kann. Der Mensch da oben hat offensichtlich nichts gemerkt.

Didi ist inzwischen im Wrack angekommen und geht in die Kammer, wo Arietta gefangen ist.

„Wir holen dich jetzt raus! Nur noch eine kleine Weile!“

„Didi, pass auf, da kommt Kuno“ ruft Arietta ängstlich.

„Was machst du Knirps denn hier?“ ertönt eine zornige Stimme
hinter Didi. „Mach bloß da du weg kommst, sonst setzt es was. Das ist mein Revier und du hast hier gar nichts verloren! Verschwinde!“

Drohend kommt er auf Didi zu.

„Warte!“ ruft dieser, „ ich will dir doch nur helfen!“

„Helfen? Wieso das denn? Ich brauche keine Hilfe!“

„Doch! Ich weiß, dass du Seerosen suchst. Ich weiß wo welche sind!“

„Seerosen? Wo? Wo hast du welche gesehen?“

Kuno wird ganz hektisch.

„Du musst mit rauskommest. Dort zeige ich sie dir!“

„Da bin ich aber gespannt, du Knirps. Wehe du beschwindelst mich. Na los, gehe du voran und zeige mir die Seerosen!“
Didi geht langsam zum Loch in der Wand. Kuno folgt ihm misstrauisch.

Draußen zeigt er auf den gut sichtbaren Strauß Seerosen, der auf einem Stein liegt. Dahinter ist das Wasser etwas trübe, wie aufgewühlt, so das man nicht viel erkennen kann.

„Tatsächlich“ murmelt Kuno Zackenbarsch, „na, die hole ich mir doch. Dann muss Arietta ihr Wort halten! Ha, ha,ha!“

Laut lachend schwimmt er auf die Rosen zu, sperrt sein großes Maul auf und schnappt sich den Strauß.

Er klappt sein Maul wieder zu und, zuckt schmerzhaft zusammen. Er hat auf den Haken gebissen und hängt nun fest.
Die Nixen kommen aus ihren Verstecken und lassen die Schnur los, die sie zur Sicherheit ganz locker gehalten hatten.

Verzweifelt versucht Kuno von dem Haken los zu kommen und zappelt hin und her. Dadurch wird der Faden gestrafft und mit einem Mal wird Kuno nach oben gezogen.
Er zappelt immer noch. Die gebastelten Seerosen sinken zum Meeresgrund hinab, während Kuno auf Nimmerwiedersehen verschwindet.

Mit einem Mal ist Didi von Nixen umrahmt, die voller Freude um ihn herum tanzen.

„Hurra!“ tönt es von allen Seiten, wir haben es geschafft!“

„Wie haben wir das gemacht?“

„Super!“

„Ich bringe euch nun zu Arietta!“ ruft Didi und führt die ganze Meute zu der Kammer.

„Macht mich doch endlich los!“ ruft diese überglücklich.

„Moment " ruft Didi, „ ich komme!“

Mit seinen Scheren schneidet er das dreifach gedrehte Seegras-Seil entzwei.

Kurz darauf ist Arietta frei und fällt ihrer Mutter um den Hals.

Voller Begeisterung ziehen sie alle in das Nixendorf zurück und lassen abwechselnd Didi und Arietta hochleben.

„Nun wird gefeiert! Bereitet alles vor!“ ruft Marietta „ wir feiern den glücklichen Ausgang des Abenteuers.

Es wird ein langer Abend.
Bald legen sich alle zur Ruhe nieder.

Am nächsten Morgen verabschiedet sich Didi von seinen neuen Freundinnen.

Alle danken ihm noch einmal herzlich und er macht sich auf den Weg – neuen Abenteuern entgegen.
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