Mendener in Island: Kunst aus Lavasand

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Ob es womöglich das einsamste Atelier der Welt war? Zwei Monate lang wohnte und arbeitete der Mendener Künstler Anno Weihs im "Weißen Haus" auf der isländischen Halbinsel Snæfellsnes als "Artist in Residence". 200 Polaroidaufnahmen dokumentieren die vergängliche Kunst, die er dort schuf. Foto: privat

Menden/Reykjavik.„Góðan daginn!“, „takk fyrir“, „já“ und „ég tala ekki íslensku“ (guten Tag, vielen Dank, ja, ich spreche kein Isländisch) waren die am häufigsten genutzten Wörter, die der Mendener Künstler Anno Weihs in den vergangenen zwei Monaten gesprochen hat.

Von Anfang Januar bis Anfang März hatte er als "Artist in Residence" seinen Arbeits- und Wohnsitz auf die isländische Halbinsel Snæfellsnes verlegt, in direkter Nachbarschaft des Snæfellsjökull, dem sagenumwobenen Gletschervulkan, an dem Jules Vernes Roman „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ beginnt.
Beworben hatte sich Anno Weihs mit seinem Konzept „Landnambók“ bereits Ende 2015 für diesen Aufenthalt. Und als dann einige Monate später die Zusage kam, musste praktisch auch schon mit den (Reise-) Vorbereitungen begonnen werden.
Obwohl dies seit 1998 bereits sein sechster Besuch der Insel war, lief die Planung doch anders ab als gewohnt. „Es ist halt etwas anderes, ob man mit dem Auto entlang der touristischen Hot Spots von Unterkunft zu Unterkunft fährt oder ob man sich mit ausreichend Proviant und sonstigen Utensilien für einige Wochen allein in ein Haus begibt“.
Gewohnt und künstlerisch gearbeitet hatte Weihs nämlich während dieser Zeit im Hvítahús (weißes Haus) in Hellissandur, dem einzig verbliebenen Haus einer alten Fischersiedlung. Das Haus wurde ursprünglich als Eishaus für die Fischer genutzt und steht nun seit einigen Jahren KünstlerInnen für verschiedene Projekte zur Verfügung.
„Bis zum nächsten bewohnten Haus waren es ca. 3 Kilometer und ansonsten nur der Snæfellsjökull-Nationalpark “, schwärmt der Mendener von der selbst gewählten Abgeschiedenheit während dieser Zeit.
Künstlerisch hat Anno Weihs in dieser Zeit hauptsächlich Installationen aus Lavasand und Fundstücken umgesetzt. „Ich habe ungefähr einen halben Kubikmeter schwarzen Lavasand in das Hvítahús geschleppt und getrocknet. Damit habe ich dann im Atelier experimentiert - Formen, Flächen und Landschaften. Alles, was dabei an Werken entstanden ist, existierte nur ein paar Tage. Am Ende der Zeit habe ich alles wieder zusammengefegt und der Natur zurückgegeben. Das war Teil meines Konzeptes“, so Weihs.
Vorher gab es unter dem Titel „Bifröst“ in der letzten Woche noch einmal eine Abschlussausstellung. Dazu hatte Weihs vor Ort ca. 200 Polaroids als fotografische Dokumentation angefertigt. Diese waren dann auch die einzigen Werke, welche nach acht Wochen den Rückweg in das heimische Atelier in Menden angetreten haben.
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