KKV-Gesprächskreis "Christen treffen Muslime": Wir sind nicht Charlie, aber wir sind für Presse- und Religionsfreiheit und gegen Gewalt im Namen der Religion

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Die Mitglieder des Gesprächskreises
 

„Wir sind nicht Charlie, aber wir sind gegen Gewalt im Namen der Religion. Wir sind für Presse- und Meinungsfreiheit, aber auch für Respekt vor Andersdenkenden.“ Auf diese Kurzformel brachten es die Mitglieder des Monheimer KKV-Gesprächskreises "Christen treffen Muslime" bei ihrem Treffen im Pfarrer-Franz-Boehm-Haus. Dabei verabschiedeten sie die nachfolgende Erklärung:

Die Mitglieder des Gesprächskreises verurteilen in aller Schärfe den feigen und durch nichts zu entschuldigenden Mordanschlag auf das französische Satiremagazin „Charlie Hebdo“ durch radikale Islamisten. Gleichzeitig begrüßen sie die gemeinsame Erklärung des Vatikans und französischer Imame, in der dieses Verbrechen angeprangert wird. Insbesondere schließen sie sich der hier genannten Forderung an, dass es zwingend notwendig ist, „sich dem Hass und aller Formen der Gewalt zu widersetzen, die das menschliche Leben zerstört, die Würde der Person verletzt, das grundlegende Wohl der friedlichen Koexistenz von Menschen und Völkern radikal untergräbt, ohne Unterschied von Nationalität, Religion und Kultur. Die religiösen Verantwortlichen sind dazu aufgerufen, noch mehr eine Kultur des Friedens und der Hoffnung zu fördern, die in der Lage ist, die Angst zu überwinden und Brücken zwischen den Menschen zu bauen. Der interreligiöse Dialog bleibt der einzige Weg, den wir zusammen gehen können, um Vorurteile abzubauen.“

Brauchen mehr Respekt voreinander

Darüber hinaus appelliert der Gesprächskreis an die Medien, mehr Sensibilität und Respekt gegenüber Glaubensüberzeugungen zu entwickeln. Wer den Glauben anderer verspottet, trägt mit Sicherheit nicht zu einem friedlichen Miteinander bei. Im Gegenteil, er spaltet und provoziert Gegenreaktionen. Wenn die Welt menschlicher werden soll, brauchen wir mehr Respekt voreinander. Und Respekt ist ein Ausdruck von Bildung und Kultur.

Meinungs- und Religionsfreiheit sind Güter, die nicht gegeneinander ausgespielt werden dürfen. Wenn jeder nach der Devise „was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem andern zu“ leben würde, dann wäre auch ein friedliches Miteinander zwischen den einzelnen Völkern und Religionen gewährleistet. Oder um es mit der Bergpredigt zu formulieren: „Alles, was ihr also von anderen erwartet, das tut auch ihnen! (Mt 7.12)“. Auch in einem wahren Hadith (Ausspruch des Propheten Muhammad) heißt es: „Behandle alle Menschen so, wie du möchtest, dass du behandelt wirst; und weise bei anderen das zurück, was du bei dir selbst zurückweisen würdest.“

Christen und Muslime müssen sich um gegenseitiges Verstehen bemühen
Nicht zuletzt aus diesem Grund wird der KKV-Gesprächskreis "Christen treffen Muslime" seine Bemühungen intensivieren und den gemeinsamen Dialog in verstärktem Maße fortsetzen. Und zwar ganz im Sinne von „Nostra Aetate“, dem Dokument des zweiten Vatikanischen Konzils, das die Haltung der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen definiert, und in dem es u.a. heißt: „Die konfliktreiche Geschichte der beiden Religionen (gemeint sind hier das Christentum und der Islam) wird dabei nicht ausgeblendet – sie soll aber das Verhältnis nicht belasten: Aufgaben von Christen und Muslimen sei es, „das Vergangene beiseite zu lassen, sich aufrichtig um gegenseitiges Verstehen zu bemühen und gemeinsame einzutreten für Schutz und Förderung der sozialen Gerechtigkeit, der sittlichen Güter und nicht zuletzt des Friedens und der Freiheit für alle Menschen“.

Attentäter handelten nicht im Namen des Islam

„Selig sind, die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen (Mt 5,9).“ Mit diesem Wort aus der Bergpredigt unterstreichen die evangelischen Mitglieder des Gesprächskreises ebenfalls, wie wichtig ihnen der Dialog zwischen den Religionen ist. Der rheinische Präses Manfred Rekowski warnte davor, Muslime oder den Islam für den Terroranschlag von Paris verantwortlich zu machen. Wer aufgrund des Attentates Muslime ausgrenze, gebe den Attentätern nachträglich Recht und verleugne die plurale Gesellschaft, schrieb der leitende Theologe der Evangelischen Kirche im Rheinland. Die Attentäter hätten nicht im Namen des Islams gehandelt. Keine Religion dürfe missbraucht werden, um Gewalt zu rechtfertigen, mahnte Rekowski.

In Sure 29 Vers 46 fordert der Koran zudem die Muslime auf, mit den Schriftbesitzern, also den Anhängern der früheren Offenbarungsreligionen, "auf beste Weise" zu diskutieren. Die verschiedenen Gläubigen sollen miteinander um das Gute wetteifern. Daher ist der Islam einem Dialog der Religionen und Kulturen gegenüber grundsätzlich aufgeschlossen. Auch der Prophet Muhammad war ständig im Gespräch mit den Juden und Christen in seinem Umfeld.

Der KKV-Gesprächskreis „Christen treffen Muslime“ trifft sich bereits seit rund zehn Jahren mit den türkischsprachigen Muslimen in Monheim. Darüber hinaus nehmen seit längerer Zeit auch evangelische Christen an den vierteljährlich stattfindenden Gesprächen teil. Ziel des Gesprächskreises ist es, im gemeinsamen Dialog zwischen Christen und Muslimen einander besser kennenzulernen, gegenseitige Vorurteile und Missverständnisse zu beseitigen, um so im gegenseitigen Respekt die Unterschiede und Gemeinsamkeiten im Glauben des Anderen festzustellen.
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