"Wir bauen auf die Kulturhalle"

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Selbst wohlwollende Gemüter müssen zugeben, dass die Stadtverwaltung Neukirchen-Vluyn derzeit ausgesprochen glücklos agiert: Nach dem Debakel um die Schließung der Kulturhalle leisteten sich die Verantwortlichen jetzt eine erneute Blamage in Sachen Julius-Stursberg-Gymnasium. In die dortige Aula, sprich im Pädagogischen Zentrum (PZ), sollten nämlich mögliche Veranstaltungen, die nun nicht mehr in der Kulturhalle über die Bühne gehen können, eventuell verlegt werden. Doch eine aktuelle Überprüfung ergab: Die Aula ist kein offizieller Versammlungsort. Der Passus gilt bei Veranstaltungen über 195 Zuschauern. Das bedeutet: Im PZ dürfen keine außerschulischen Veranstaltungen stattfinden.
Verwunderlich ist das nicht nur, weil dies in der Vergangenheit ohne Probleme möglich war. Ärgerlich ist das vor allem für den Werkschor Niederberg und den Männergesangsverein Neukirchen, die sich nun einen neuen Ort für ihre Konzerte suchen mussten. Frank Grusen, neuer Pressesprecher der Stadt, bleibt nichts anderes als übrig, als seine Hilfe anzubieten: „Wir unterstützen die Leute gern bei der Suche nach einem neuen Veranstaltungsort.“ Profitieren dürfte wohl der Klingerhuf.
Eines ist allerdings klar: „Wir bauen auf die Kulturhalle, allein schon wegen Größe und Akustik“, so Grusen. Einen ersten Aktenvermerk hat die Stadt inzwischen von dem zuständigen Ingenieurbüro erhalten. Nun will die Verwaltung die darin aufgeführten Maßnahmen prüfen. Es soll um verschiedene Türen im gesamten Haus, eventuell auch um Lüftungsanlagen gehen. Konkrete Angaben über die zu veranschlagenden Kosten, geschweige denn einen Zeitpunkt für die Wiedereröffnung, sind noch nicht bekannt.
Eine Notsituation also für die Stadt, denn wirklich attraktive Ersatzmöglichkeiten fehlen. Zudem sieht man sich weiterhin Vorwürfen ausgesetzt, wie es zu diesem eklatanten Mangel an Brandschutzmaßnahmen überhaupt kommen konnte. Und natürlich ist alles, was jetzt geschieht, eine Steilvorlage für die SPD-Fraktion, die erst aus der Presse von der Schließung der JSG-Aula für außerschulische Veranstaltungen erfahren haben will. „Wieder ohne vorher die Politik zu informieren - so geht es nicht“, so der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Jochen Gottke. Der Vorstand drängt nun auf schnelle Beantwortung drängender Fragen - zum Beispiel, wieviele im PZ geplante Veranstaltungen noch abgesagt oder verlegt werden müssen. Die Sozialdemokraten möchten außerdem das Gespräch mit den anderen Ratsfraktionen suchen, um Maßnahmen zu entwickeln, „die künftig derartige Skandale verhindern“.
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