Die Reeser Verteidigungsmauer entstand nach Plänen von Albrecht Dürer

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Hier zeigt die Teilnehmerin ein Stück Horn, das vermutlich aus dem 17. Jahrhundert stammt.
 
Von Hand wird der Aushub zerkrümelt auf der Suche nach Zeugen der Reeser Geschichte.
Rees: Bastion |

Die Mitglieder der Grabung, die jetzt an der ehemaligen Verteidigungsanlage am Westring begann, sind allesamt Burgen-Fans und Mitglied der Deutschen Burgen- Vereinigung. Der Bastion auf den Grund gehen - das ist das Ziel der aktuellen Grabung unter Leitung des Burgenforschers Dr. Joachim Zeune.




Bereits zum dritten Mal war der Archäologe und Burgenexperten jetzt mit einer Exkursion in Rees, einem Pflaster, das unter archäologischen Aspekten überaus interessant ist. Auch diesmal erwartet Dr. Zeuner, den Seminarteilnehmer aus ganz Deutschland zu diesem Praxis-Seminar begleiteten, wieder Spannendes und Wissenswertes über die Reeser Stadtgeschichte. Stoff, der über Berichte auch zu den Stadtführern gelangt, die das kostbare Wissen gleich in ihre Führungen einbauen.


Fundstücke aus dem 17. Jahrhundert


So ist etwa die Themenführung entstanden, die die Entwicklung der Verteidigungsanlage zum Thema hat. Tierzähne, Tonscherben, ein Knopf ... gemäß der Devise „...die Guten ins Töpfchen...“ haben die Grabungsteilnehmer die historischen Fundstücke beschriftet und in einen Korb gelegt: „Das ist sicher alles aus dem 17. Jahrhundert und früher!“ ist sich Dr. Joachim Zeuner sicher. Das Durchsehen des Aushubs vor der Bastion am Westring ist aber nur ein Teil der spannenden Reise in die Vergangenheit. Weil die Bastion nach Plänen von Albrecht Dürer in Kombination mit italienischer Verteidigungsarchitektur entstanden ist, erwartet das Grabungsteam in vielen Metern Tiefe am Fuße der Verteidigungsmauer Schießscharten und einen innenliegenden Umgang innerhalb der Mauer. 1527 habe Albrecht Dürer, dessen ‚Hobby’ die Planung militärischer Verteidigungsanlagen war, eine bebilderte Befestigungslehre herausgegeben, die sich seinerzeit als ‚Bestseller’ einen Namen gemacht hat.

Die Bastion wurde 1583 erbaut


Tolle Unterstützung durch die Stadt Rees, den Bauhof und Kerstin Pieper von der unteren Denkmalbehörde erhielt Dr. Zeuner mit seiner Truppe auch diesmal wieder. Ihrer Leidenschaft opferten die Seminarteilnehmer auch diesmal wieder eine Woche Urlaub, auch für Unterkunft und Verpflegung müssen die Teilnehmer selbst sorgen. Eine spannende Entdeckung machten die Hobbyarchäologen auch mit dem Stein, der den Bau der Mauer auf das Jahr 1583 datiert. Er sei so überwuchert gewesen, dass er nicht mehr erkennbar gewesen sei, so Dr. Zeuner, der erläuterte, dass die aktuelle Fundstelle nicht diejenige sei, an der Stein ursprünglich verbaut war. Sei’s drum: Interessant war seine Erläuterung, das sie beiden in Spiegelschrift eingemeißelten ‚N’ im Begriffe ‚ANNO’ schlichtweg auf das Unvermögen der Steinmetze zurückzuführen sei, die des Lesens nicht kundig waren. Während der kleine Bagger des Baubtriebshofes unermüdlich schaufelweise Erdmaterial entlang der Bastion fortschaffte, zerkrümelten Mitglieder des Forschungsteams den Aushub mit Kelle und Spachtel, säuberten mit Hilfe von Zahnbürsten die Fundstücke und lugten immer wieder gespannt in die Grube, ob sich den wohl die erwarteten Schießscharten zeigten, die Dr. Zeuner als typisch für die von Albrecht Dürer geplanten Verteidigungsbauten bezeichnete.

Der Schutzwall war enorm hoch


Was abseits historische Funde auf jeden Fall deutlich wurde: Das Bodenniveau war zur Entstehungszeit der Stadtverteidigung wesentlich niedriger, durch Aufschüttungen im 17. bis 19. Jahrhundert ist der derzeit sichtbare Teil einer ehemals imposanten Verteidigungsmauer lediglich die ‚Spitze des Eisberges’. Ebenfalls typisch, so der Archäologe, sei der Bau der von Ringstraßen entsprechend des Verlaufes des ehemaligen Verteidigungsgrabens. Bereits bei den letzten Grabungen 2002 und 2013 hätten die Grabungsteilnehmer Teile des unterirdischen Gangsystems erkundet, das in die Stadt hineinführt. Dort, wo heute private Gärten liegen, seien unterirdische Gänge dringend sanierungsbedürftig und vom Einsturz bedroht gewesen“, skizzierte auch Bürgermeister Christoph Gerwers die Leistung der Archäologen, von denen seinen Stadt in jeder Hinsicht profitiere.
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