"Frau Müller muss weg" - Lustspiel in Essen

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Komödie im kleinen Rathaus-Theater Essen
 
Außenansicht des Rathauses
So lautet der Titel des Bühnenstücks im kleinen Rathaus-Theater

Es ist eher eine Real-Satire einer feinnervigen Alltagsbewältigung „Irgendwie muss man die blöden Kids doch durchs Schuljahr kriegen.“

Die Handlung zielt auf einen turbulenten Elternabend hin, bei dem die Eltern den Misserfolg ihrer Kinder der Klasse 4b mit teils haarsträubenden Argumenten allein der Lehrerin anlasten.

Bald gibt es Zeugnisse, nach denen sich die weitere Schullaufbahn entscheiden wird. Und diese Entscheidung wollen die Eltern nicht tatenlos abwarten. - Und haben ihr Urteil gefällt: Ein Misstrauensvotum: Frau Müller, die Lehrerin, muss weg, ehe sie die Zukunft ihrer Kinder vernichtet.
Denn nach drei Grundschuljahren haben sich die Noten der Klasse dramatisch verschlechtert. Da kann man doch nur das pädagogische Konzept anzweifeln.

Doch schon nach kurzer Zeit geht in der Argumentation der Eltern jede Objektivität verloren, und es beginnt eine Meuterei im Klassenzimmer, ein polemisch niveauloses Textgewebe.
Die Stimmung landet letztlich auf den Nullpunkt.

Und Frau Müller ist kein leichter Gegner und sieht das ganz anders.
Ihre Liste über die Defizite der Schüler ist lang. Und deshalb will sie unbedingt bleiben.
Nun schießen die Eltern mit ihren verbalen Angriffen die gestandene Lehrerin so sturmreif, dass sie wütend das Klassenzimmer verlässt.

Von da ab sind die Eltern mit dem Schlimmsten konfrontiert, nämlich mit sich selbst.
Das erhitzt sich nochmals enorm, indem sie verbal übereinander herfallen und ihre eigenen Versäumnisse auf den Prüfstand stellen.

Eine schadenfrohe, aber auch realistische Komödie über den Wahnsinn, der Eltern befallen kann, wenn es um die Zukunft ihrer Kinder geht.

Fast am Ende der Vorstellung steht die Erkenntnis:
- Es kommt immer anders, als man denkt.
- Kinder sind oft wie ihre Eltern, was nicht immer ein Vorteil ist.

Richtigen Schwung bekommt diese Verschwörungsgemeinschaft, als entdeckt wird, dass Frau Müller ihre Handtasche mit der Notenliste vergessen hat. Die Tasche wird inspiziert, und ein kurzer Blick darauf genügt, das Kommando muss unverzüglich zurück, denn die Noten sind wider Erwarten recht gut. Nun muss man Frau Müller irgendwie zum Bleiben bewegen...

Als Frau Müller zurückkommt, hat sie sich entschlossen, die Klasse abzugeben und morgen Direktor und Ministerium zu informieren.

Im Folgenden scheint das Konzept aufzugeben, denn fast alle gesagten hässlichen Rücksichtslosigkeiten werden relativiert, dementiert und waren nicht so gemeint. Jeder versucht, Sympathien zurückzugewinnen und sich bei Frau Müller mit Lobhudeleien einzuschleimen.

Das erstaunt Frau Müller aber doch, da die eben noch niederträchtigen Anfeindungen nun im Widerspruch stehen und sie doch tatsächlich bleiben soll.
Sie will darüber in Ruhe nachdenken und morgen die Klasse weiter unterrichten.

Frau Müller holt die Notenliste aus ihrer Tasche, um sie kurz mit den Eltern zu besprechen.

Frau Müller stellt mit großem Schrecken fest, dass das die Noten vom Vorjahr sind. Sie entschuldigt sich wegen der alten Liste. Da sie wegen Pflegebedürftigkeit ihrer alten Mutter nun nach Hause muss, verlässt sie frohgemut den Raum.

Nun kippt die Stimmung enorm, aber diesmal mit großer sprachloser Resignation über die eigene Dummheit, nicht aufs Datum geachtet zu haben.
Ein pessimistischer Gemütszustand paart sich mit der Überzeugung, dass sie, die Eltern, nun alles gründlich verbockt haben. Die Zukunftschancen ihrer lieben Kleinen sind dahin. Jeder geht resigniert nach Hause.

Der Regisseur hat die Realität gut recherchiert und Konflikte und Figuren so zugespitzt, dass alles gut durchschaubar wird mit überraschenden Wendungen, indem die Klischees sich selbst auflösen und das eigentliche Dilemma dahinter sichtbar wird.

Mit tosendem Applaus bedankte sich das begeisterte Publikum für die großartige Inszenierung des tollen Ensembles. - Es war ein schöner Theaterabend und vor allem sehr ehrlich.

Letztlich stellt sich die Frage, muss unser Schulsystem weg oder die Leistungsgesellschaft.
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Wolle Gladbeck aus Gladbeck | 19.12.2014 | 18:33  
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