"Echt alt! Mittelalterliches Handwerk ausgegraben" Sonderausstellung im LWL-Freilichtmuseum Hagen

Anzeige
9,5 Zentimeter hoher Tiegel für den Bronzeguss. (Foto: Stadtarchäologie/Wippermann)
Die Sonderausstellung "Echt alt!" im Hagener Freilichtmuseum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) hat das Mittelalter im Blick. Über 800 Jahre alt sind die ältesten Objekte der Ausstellung, die die Geschichte von Handwerk und Technik darstellt. Die Ausstellung beginnt am Sonntag (6.5.) und ist bis zum 31. Oktober geöffnet.

Die Ausstellung "Echt alt!" führt anhand archäologischen Funde aus Westfalen-Lippe in das Mittelalter, in dem zahlreiche Handwerker in den Städten und auf dem Land gearbeitet haben. Viele ihrer Werkzeuge, Werkabfälle sowie Produkte gelangten im Laufe der Zeit unter die Erde. Sie endeten in Abfallgruben, weil sie beschädigt waren oder nicht mehr benötigt wurden. Oder im Bauschutt, wenn Gebäude durch Brände oder andere Katastrophen zerstört wurden. Jahrhundertelang überdauerten sie dort, bis Archäologen sie bergen konnten. Da sich von mittelalterlicher Handwerksarbeit nur sehr wenig "obertägig" erhalten hat, bilden die archäologischen Funde und Befunde oft die einzigen Ansatzpunkte, um mehr über die Tätigkeit von Handwerkern im Mittelalter zu erfahren.

Für diese Ausstellung hat das LWL-Freilichtmuseum in Kooperation mit der LWL-Archäologie für Westfalen die interessantesten Objekte aus Grabungen der letzten Jahrzehnte ausgesucht. Rund 200 Objekte vermitteln Einblicke in Arbeitsweisen, Techniken und Produkte von mittelalterlichen Werkstätten. Zu sehen sind vor allem Handwerke, die auch im Museum präsent sind. So können die Besucher nachvollziehen, wie sich die handwerklichen Techniken weiterentwickelt und die handwerklichen Berufe verändert haben. Die Ausstellung stellt Holzhandwerker, Schmiede, Metallgießer sowie Gerber und Schuhmacher vor. Dazu kommen Bauhandwerker, Töpfer und Knochenschnitter, ein Handwerk, das es heute nicht mehr gibt.
Aus Schmiedewerkstätten finden die Archäologen zum Beispiel oft Reste des Schmiedeprozesses, die Schlacken. Von der Tätigkeit von Buntmetallgießern haben sich zahlreiche Gussformen aus Ton erhalten. Dagegen hinterlässt eine Holzwerkstatt kaum Spuren, denn Abfälle und Produkte kamen ins Feuer, sobald sie nicht mehr gebraucht wurden.

Der Einstieg in die Ausstellung zeigt die Orte des Handwerks. Bereits im Frühmittelalter arbeiteten Handwerker in Klöstern und auf dem Land für den lokalen Bedarf, während sich ab dem 12. Jahrhundert in den Städten die meisten Handwerke und Gewerke zu Hauptproduktionsstätten entwickelten. Die Ausstellung gliedert sich in acht "Handwerksräume", die sich den verschiedenen Handwerken und ihrer Tätigkeiten widmen. Dazu gehören charakteristische Werkzeuge sowie Objekte, die den Ressourceneinsatz und Wiederverwendung von Materialien verdeutlichen. Auch Innovationen, Handel und Austausch können davon abgeleitet werden. Wer die Objekte ganz genau betrachtet, erkennt auch den Herstellungsprozess, zum Beispiel die Drehspuren, die eine Drechselbank auf Holzobjekten hinterlassen hat.

Einen Schwerpunkt bildet die Metallverarbeitung. Objekte von Erzen über Verhüttungsprodukte bis hin zu unterschiedlichen Schmiede-Produkten und einer Lehm-Esse aus dem 9. Jahrhundert. Sie wurde mit Hilfe von Befunden aus Neuenkirchen-Offlum (Kreis Steinfurt) und archäologischen Experimenten rekonstruiert. Ein besonderer Höhepunkt der Ausstellung ist eine Knochenschnitzerarbeit: eine Schachfigur in Form eines Bischofs aus dem späten 12. Jahrhundert. Diese sehr qualitätvolle Arbeit wurde auf der Falkenburg bei Detmold (Kreis Lippe) gefunden. Die Figur entstand allerdings nicht in Westfalen, sondern war "Importware", vermutlich aus Köln. Die Ausstellung zeigt sie zusammen mit dem Fragment einer Turmfigur, einer weiteren Schachfigur von der Falkenburg, aber aus regionaler Produktion. So können beide in Machart und Qualität verglichen werden. Allerdings nur bis Mitte August, denn dann reist die wertvolle Figur in die Ausstellung "Gotik" im Diözesanmuseum Paderborn.

Ein Begleitprogramm umrahmt die Ausstellung: An verschiedenen Stationen in der Ausstellung können Besucher selbst aktiv werden und ihre handwerklichen und archäologischen Fähigkeiten ausprobieren. Es gibt auch eine Rallye mit der Museumskatze Mäcki, die Familien spielerisch durch das Gelände zur Ausstellung führt. Verschiedene Führungen und Ferienprogramme greifen das Thema "Echt alt!" auf, in den Pfingstferien zum Beispiel eine Malerwerkstatt. Ein besonderes Programm ist für das Mittelalter-Wochenende am 21. und 22. Juli geplant. Die Besucher können bei Gasthandwerkern die mittelalterlichen Handwerkstechniken studieren, bei Krämern das Warenangebot sowie mittelaltelterliches Lagerleben kennenlernen.

Zur Ausstellung "Echt alt!" erscheint eine 220 seitige, umfangreiche bebilderte Publikation.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.