Revolutionär der Lochkarte: Horst Haake feiert heute seinen 90. Geburtstag

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Hatte als Erster in Schwerte eine elektrische Datenverarbeitung: Am heutigen Mittwoch wird Horst Haake 90 Jahre alt. (Foto: Bernd Paulitschke)
 
Am Ehrentisch zur 25-Jahr-Feier 1978 saßen (v.l.) Konrad Zuse, Erwin Köster, Reinhard Haake und sein Vater Horst Reinhard Haake. (Foto: Haake)
Schwerte: Innenstadt |

90 Jahre wird er heute - und hat ein bewegtes Leben hinter sich: Horst Reinhard Haake hat das Lochkartensystem in Schwerte und Umgebung populär gemacht, gestaltet aber auch das Seniorenmagazin.

Begonnen hat sein Interesse am Lochkartenverfahren 1954, als er in der Dortmunder Gaststätte „Holzknecht“ mit anderen Steuerberatern dem Vortrag des Kollegen Erwin Köster über das „Lochkartenverfahren für steuerberatende Berufe“ lauschte. Köster sprach ihn nach dem Vortrag und einer eher verhaltenen Reaktion der Anwesenden auf seine Bedenken an. Beide vereinbarten, das Verfahren bei einigen von Haakes Mandantenbuchhaltungen probeweise anzuwenden und auswerten zu lassen. Eine Lochkarte ist ein Datenträger aus Spezialpapier, der für frühe Computersysteme verwendet wurde. Über die Jahre gab es viele Krisen, die aber alle von Haake gemeistert wurden. Unter anderem wurde er mehrfach grundlos verklagt und hatte mit harten Konkurrenten zu kämpfen.

Zum 25-jährigen Bestehen seiner Firma gab es 1978 eine große Feier mit dem Ehrengast Prof. Dr. Konrad Zuse. „Ich wurde gefragt, ob ich Zuse gerne auf meiner Feier hätte, und sagte natürlich sofort zu.“ Haake und Zuse sahen sich danach noch oft. So wurde der Schwerter mit seiner Frau zu Zuses 70. Geburtstag eingeladen. „Dort habe ich zahlreiche Fotos gemacht. Es waren viele Professoren da, unter anderem aus China und Südamerika. Zuse war sehr nett, ein unkomplizierter Mensch.“

Haake konnte Firma ohne Schulden auflösen

Zur Auflösung seiner Firma kam es 1985. „Ich hatte kurz vorher meinen Hauptspeicher von 1 auf 2 MB erweitert, damals eine ungeheure Erleichterung. Leider gingen zu der Zeit viele Firmen pleite. Aufträge kamen zwar rein, aber leider etwas zu spät. Ich habe es aber geschafft, meine Firma aufzulösen, ohne einen Pfennig Schulden zu haben. Ich bin nicht pleite gegangen“, so Haake. Vom Direktor der Sparkasse bekam er damals ein großzügiges Angebot: „Er sagte mir, da sie schon 20 Jahre mit mir zusammen gearbeitet hätten und ich immer meinen Verpflichtungen nachgekommen sei, würden sie auch zwei oder drei Jahre rote Zahlen mitmachen.“ Er hatte sich aber dagegen entschieden, auch weil mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte.

„Es gab viele Tränen beim Personal“, erinnert sich Haake. „Wir haben immer gut zusammengehalten. Wir haben immer voneinander gelernt und konnten auch Kritik vertragen. Zu vielen habe ich immer noch Kontakt. Zwei haben sich nach 14 Jahren aus der Schweiz gemeldet und mich und meine Frau zu sich in den Urlaub eingeladen.“

Auch nach dem Rückzug ins Privatleben ist Haake, der jeden Tag um 4 Uhr aufsteht, nicht ruhig geworden. „Ich habe mich vor allem im sozialen Bereich engagiert“,sagt er. Seit den 40er-Jahren ist Haake Mitglied im Sozialverband. „Bei Stalingrad hatte ich im Krieg einen Unterschenkel verloren“, erzählt er. Nach der Auflösung seiner Firma wurde Haake gebeten, für den Sozialverband in Schwerte die Buchführung zu machen. Seine Frau meinte, er solle das ruhig machen, und wurde ebenfalls Mitglied. „Wir sind gemeinsam durch dick und dünn gegangen, das findet man nicht oft“, so Haake. Leider ist seine Frau vergangenes Jahr verstorben. Zwei Jahre nach seiner Zusage war er bereits erster Vorsitzender des Sozialverbandes. „Das habe ich dann über 20 Jahre lang gemacht.“ Bereits in den 70er-Jahren wurde er Mitglied im örtlichen LionsClub.

Bis heute aktiv ist Haake auch für „Aktive Senioren - Das Magazin für Schwerte“. Das Magazin wurde Ende der 1980er-Jahre ins Leben gerufen. „Ich habe mich sofort gemeldet“, so Haake. „Ich habe schon als Schulkind gerne geschrieben und gezeichnet. Fritz Dorka und ich waren die ersten Mitarbeiter und suchten uns weitere Interessierte. Meist waren wir um die zehn, zwischendurch aber auch mal nur vier.“ Bis vor einigen Jahren wurde das Seniorenmagazin von der Stadt finanziell unterstützt. „Seitdem suchen wir immer nach Inseraten.“

Am gleichen Tag wie Horst Haake hat auch sein Sohn Reinhard Geburtstag: Er wird 65 Jahre alt. Er hatte seinen Vater lange in dessen Firma unterstützt. Für die Zukunft hofft Haake, dass es seine Gesundheit zulässt, dass er weiter aktiv sein kann.
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