Es war auch meine DDR

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Als ich zwei Jahre alt war, rankt sich um mich herum die DDR, ein Land, welches viele als ein neues Deutschland aufbauen wollten.
Freudig und sehr intensiv lebte und erlebte ich kurz darauf den Kindergarten, fühlte mich wohl und hatte wunderbare Erzieherinnen, die zusammen mit meinem Zuhause etwas Gutes aus mir machen wollten.
Gern ging ich zur Schule – erst vor ein paar Tagen feierten wir „Diamantene Schuleinführung“ in Jena.

Die Vorbereitungen zur „Jugendweihe“ meiner Schwester fand ich klasse und erinnere mich noch daran, als kleiner Bruder mit auf die Leuchtenburg mitgenommen worden zu sein.
Kein Ferienlager, welches ich nicht ausgelassen und oft sehr mitgestaltet habe. Die Erinnerungen an Bad Saarow sowie Trassenheide (Usedom) sind da noch heute voller Erlebnissen, die ich jedem Kind wünschen und nach denen diese sich die Finger ablecken würden!
Nach dem Studium kam ich 1971 mit meiner kleinen Familie nach Gotha, weil neben Beruf auch eine Wohnung angeboten wurde.
Beruf und Familie machten voll Freude und wurden intensiv wie glücklich gelebt.

Weshalb ich 1987 zum 50. Geburtstag meines Schwagers in den „Westen“ durfte – dafür aber zur Silberhochzeit meiner Schwester mit ihm 1989 (Frühjahr) nicht, fragte ich mich und bei den Behörden, ohne je eine Antwort bekommen zu haben.
Auch bekam ich nie Auskunft, was das SED-Zentralkomitee unter „zu gegebener Zeit“ verstand, auf meine Frage: „Wann wird die DDR-Nationalhymne wieder gesungen werden?“
Darin steht „. . . Deutschland einig Vaterland . . .“ – reichte aber auch nicht als Hymne für das einige Deutschland nach dem Anschluss der DDR an die BRD.
Mein Wunsch wäre ja für eine gemeinsame Hymne gewesen: „Anmut sparet nicht, noch Mühe . . .“ (Kinderhymne von Berthold Brecht).

Am 09.10.1989 war ich in der Firma bemüht, die Lohn/Gehaltsrechnung durchzuziehen. Das mit der Grenzöffnung sah ich im Fernsehen – konnte aber noch nicht ahnen, dass es nun „meine DDR“, in der ich eine wunderbare Kindheit, Jugend, Studium, Familie erlebt und gelebt hatte, nicht mehr geben würde.
Der politische Polterabend am 02.10.1990 war von Wechselstimmung geprägt – Schlussstrich unter meinen bisherigen Lebensweg und Ungewissheit sowie unbenennbarer Freude auf eine erhoffte gute Zukunft.

Auf meinen Antrag zur Einsicht in meine (mögliche) STASI-Akte habe ich in den letzten drei Jahren nur gelesen, dass ich mit längerer Bearbeitungszeit rechnen müsse.
Mit der STASI hatte ich zeitlebens nichts zu tun.
Ausreiseantrag stellte ich nie.
Die Grenze zum „Westen“ wollte ich nie gewaltsam überwinden.
Wenn ich mir das bei den vielen Fernsehdokus der letzten Tage recht betrachte, bin ich kein normaler DDR-ler, wie er lobenswert wäre.
Und doch lasse ich mir mein Leben in der DDR nicht nehmen oder umschreiben.

Heute vor vielen Jahren wurde die DDR geboren und war bis zur Einheit ein Staat in dem ich gern lebte.
(Das negiert nicht das zahlreiche Unrecht, wie es Menschen lebten, die sich damit staatstreu zeigen wollten und den Grundgedanken des anfangs angestrebten Sozialismus mit Füßen traten.)



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