„Es sind nicht die Einser-Schüler, die wir suchen!“

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Talentscout Judith Quester im Gespräch mit Schüler Marco.
 
Zusammenarbeit mit Zukunft: Talentscout Judith Quester von der Hochschule Bochum mit Friedrich Hahlweg, Berufskolleg Niederberg/ Wirtschaft und Verwaltung, Frank Flanze, stellvertretender Schulleiter, und Schüler Marco.
Talentscout der Hochschule Bochum unterstützt Schüler des Berufkollegs Niederberg auf ihrem Weg zum Studium

Berufsorientierung wird am Berufskolleg Niederberg (BKN) immer schon groß geschrieben. Jetzt gibt es ein neues Angebot: Das Talentscouting. „Talentierte Schüler werden bei diesem Angebot auf ihrem Weg zum Studium unterstützt“, so der stellvertretende Schulleiter Frank Flanze. „Das ist ein weiterer Baustein der Berufsorientierung an unserer Schule.“

Einmal im Monat sitzt Judith Quester in ihrem Besprechungszimmer im BKN an der Langenberger Straße. Sie ist Talentscout der Hochschule Bochum und wartet auf „ihre“ Schüler. Lange muss sie nicht warten, denn dieser Tag ist bei ihr immer ausgebucht. „Insgesamt zehn Schülern kann ich an diesem Tag einen Gesprächstermin anbieten“, so Talentscout Quester, die selber eine Uni-Laufbahn hinter sich hat. „Besonders wichtig bei den Gesprächen ist, dass ich eine Beziehung zu den Schülern aufbaue. Nur so öffnen sie sich und Wünsche, Ziele aber auch Ängste und Zweifel werden sichtbar.“ Denn trotz Abitur sei es noch lange nicht für jeden Schüler selbstverständlich, auch eine akademische Ausbildung in Erwägung zu ziehen.

Seit den Sommerferien kooperiert das Berufskolleg mit der Hochschule Bochum - das Ziel: Talentierten Schülern, die nicht klassischerweise ein Studium „anpeilen“, Türen zu öffnen und Barrieren abzubauen. Bei diesem Projekt spielen auch die Lehrer der Schule eine große Rolle. „Wir müssen genau hinschauen, um herauszufinden, wo sich Talente verstecken, denn nur an der Note kann man das eben nicht festmachen", so Christian Hoppe, Technik-Lehrer am Berufskolleg und Koordinator des Programms.

Genau hier setzt das Talentscouting an


Die Lehrer sprechen die Schüler an und erzählen von dem neuen Angebot - ganz unverbindlich, denn bei diesem Projekt ist nichts verpflichtend. „Die Lehrer sind meine Augen im Klassenzimmer“, so Judith Quester, die über sich selbst sagt, dass es in ihrem Leben Momente gab, in denen sie sich gewünscht hätte, jemanden unterstützend an ihrer Seite zu haben. „Es sind nicht die Einser-Schüler, die wir suchen. Für sie ist eine universitäre Ausbildung meist selbstverständlich.“ Aber natürlich berate man auch diese Schüler des Berufkollegs, wenn es Fragen bezüglich des Studiums gebe.
„Ich bin die ,Frage-Frau'. So stelle ich mich bei den Schülern vor“, sagt Quester. Vor der Beratung mache sie sich ein genaues Bild eines jeden Einzelnen - auch über die Lebensumstände. Doch damit habe kaum jemand ein Problem: „Es ist wichtig etwas über die Lebensumstände der Schüler zu erfahren. Muss er sich um Geschwister kümmern? Im Laden helfen?“, so Quester. Vor diesem Hintergrund könne man dann die Leistung des Schülers im Unterricht einordnen und daraus den Schluss ziehen, welches Potential noch in ihm schlummert.

„Mein Vorteil in diesen Gesprächen ist, dass ich keine Lehrerin an der Schule bin. Da ist das Verhältnis von Anfang an ungezwungen.“ Der erste Schritt sei getan, wenn der Schüler Interesse an einem Gespräch habe, dann folge die Beratung und im Anschluss heiße das Zauberwort „Vernetzung“ - Kontakte werden hergestellt, E-Mail-Adressen von wichtigen Ansprechpartnern weitergegeben. Was der Schüler daraus macht, bleibt ihm überlassen, denn: „Jetzt muss der Schüler aktiv werden, denn auch im Studium wird Selbständigkeit verlangt“, so Frank Flanze. „Die Beratung ist ergebnisoffen. Wir haken da nicht nach.“

„Gerade haben zwei Informatik-Schüler von mir zum ersten Mal Uni-Luft geschnuppert“, so Christian Hoppe. „Sie wurden von einem Informatikstudenten in der Hochschule in Empfang genommen und begleitet. Ein wichtiger persönlicher Einblick, der sicherlich mehr aussagt als ein Tag der offenen Tür.“ Aber selbst, wenn der Schüler gar nicht weiß, wo die Reise hingehen soll - Judith Quester ist sich sicher: „Ein Interesse hat jeder, manchmal bedarf es nur ein bisschen Zuspruch. Es gibt unfassbar viele Angebote, da ist ein Wegweiser oft sehr hilfreich.“

Das Angebot gilt für alle Schüler, auch nach ihrem Schulabschluss, bis zum Jahr 2020. Bis dahin nämlich wird das Talentscouting-Programm der nordrhein-westfälischen Regierung mit jährlich 6,4 Millionen Euro gefördert.
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