Villa Grünewald: Und wieder wird eine Villa aus dem Stadtbild verschwinden!

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Nadine Klöckl mi ihren Kindern vor der Villa Grünewald an der Gartenstraße 1.
   
Auch die große Rotbuche, vor welcher die Informationen des Investors aufgestellt wurden, wird es nicht mehr lange geben. Geplant sind: ein dreigeschossiges Gebäude mit insgesamt 18 Eigentumswohnungen.

Rote Backsteinvilla an der Gartenstraße in Langenberg soll Neubaugebiet weichen


Nadine Klöckl ist ihre Verzweiflung anzumerken. Vor etwa zwei Monaten entdeckte sie das Bauschild vor der alten Rotbuche im Park der Villa Grünewald an der Gartenstraße. „Ich kann nicht fassen, dass so ein eindrucksvolles Gebäude abgerissen werden soll und man kann nichts dagegen unternehmen. Das macht mich traurig und wütend.“ Jetzt sucht sie nach Mitstreitern, die ihr helfen, die alte Villa zu retten.

Langenberg – Velberts Kulturstadtteil – hat sich in den vergangenen Jahren um diesen Namen verdient gemacht. Anteil an diesem Erfolg haben nicht zuletzt die Langenberger Villen-Führungen. Sie sind sehr beliebt und stets ausgebucht. „Unsere Stadtführungen erfreuen sich seit Jahren großer Beliebtheit. Tendenz steigend. Besonders die Villen-Führungen stoßen immer auf große Resonanz“, so Stadtführer Karl Goldmann. Das Konzept, dem historischen Stadtteil eine touristische Bedeutung zukommen zu lassen, greift also. Doch zurzeit kommt es innerhalb der Bevölkerung zu einer großen Verunsicherung: Eine der namhaften Villen Langenbergs, nämlich die Villa Grünewald an der Gartenstraße, soll abgerissen werden und einem Neubaugebiet weichen.

„Wir waren schockiert, als das Bauschild vor rund zwei Monaten aufgestellt wurde“, so Anwohnerin Nadine Klöckl. „Damit hat keiner gerechnet. Wir dachten, die alten Villen besäßen so etwas wie ‚Bestandsschutz‘ hier in Langenberg.“

Villa wird im Buch "Villen in Langenberg" erwähnt


Zumal auch diese Villa zu den 45 Villen gehört, die der VHS-Arbeitskreis „Alt-Langenberg“ in seinem Buch „Villen in Langenberg" dokumentiert hat. Viel Historisches gibt es da über die Villa, die 1897/1898 vom Wirt und Eisfabrikanten Wilhelm Grünewald erbaut wurde, zu erfahren. Denkmalgeschützt ist die Villa nicht, doch das ist bei etwa der Hälfte der im Buch beschriebenen historischen Häuser der Fall. "Muss man sich nun auch über deren Bestand Sorgen machen, da sie ohne Denkmalschutz der Willkür einzelner ausgesetzt seien?", fragt Klöckl stellvertretend für viele beunruhigte Bürger aus dem Heimat- und Bürgerverein, aus der Nachbarschaft oder von der Facebook-Gruppe „LA gefällt“. Noch längst nicht jeder wisse von den Abrissplänen, so die Mutter von vier Kindern, die es wütend macht, dass man so wenig machen kann: „Bei einer Befragung auf dem Wochenmarkt hat sich eine einhellige Meinung herauskristallisiert: Dem Bürgerhaus würde ohne die für Langenberg charakteristischen Villen die entsprechende Kulisse fehlen und genommen. Bewohner und Touristen schätzen den Gang durch Langenberg und suchen Langenberg auf Grund der historischen Altstadt und der denkmalgeschützten Häuser und Villen auf.“

Die Zeit drängt


Daher appelliert Klöckl weiter an die Einsatzbereitschaft der Bürger, sich gegen den Abriss zu wehren. Sei es durch Leserbriefe, Unterschriftenlisten oder Protestbriefe an die Stadt. Und das, bevor es zu spät ist, so Klöckl, denn die Zeit dränge. Voraussichtlicher Baubeginn ist nach Auskunft der Mülheimer „Exclusiv Wohnbau“ bereits im März 2018. In der Vergangenheit seien in Langenberg schon viele nicht wieder gut zu machende Entscheidungen hinsichtlich „alter Baukultur“ getroffen worden. So erinnert Klöckl an den Abriss des ältesten urkundlich erwähnten Hauses „Auf dem Bruch“, der Alten Lateinschule, der Stein’schen Villa oder des Hauses „Im Hanstein“, um nur einige wenige zu nennen. Das dürfe sich nicht wiederholen.

Stadt sind die Hände gebunden


Ihrem Unmut hat die Lehrerin, die mit Mann und Kindern vor vier Jahren in diesen „idyllischen Ort“ zog, auch schon gegenüber der Stadt Luft gemacht. Doch dieser sind die Hände gebunden. Auf Nachfrage des Stadtanzeigers erklärte Stadtsprecher Hans-Joachim Blißenbach den Sachverhalt folgendermaßen: „Grundsätzlich gilt: Ein Eigentümer kann im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten frei über sein Eigentum verfügen. Einen Bebauungsplan gibt es für dieses Grundstück nicht, eine Beurteilung erfolgt im Rahmen des § 34 Baugesetzbuch. Im Übrigen kann ein Bebauungsplan von seinen inhaltlichen Festsetzungen einen Abbruch eines Privatobjektes nicht verhindern. Lediglich die Festschreibung als Denkmal kann den Abriss zunächst verhindern. Ein Denkmalwert ist aber bei diesem Objekt nicht erkannt worden. Im Vergleich zu den vielen Villen in Langenberg, die als Denkmal eingetragen sind, hat die Villa Grünewald aber nicht die Ausstattung und die Bedeutung im Vergleich zu den anderen Villen.“ Außerdem könne nicht jedes "alte Haus" als Denkmal eingetragen werden, so Blißenbach weiter. Hier sei eine Auswahl zu treffen. Diese habe der Landschaftsverband Rheinland in seiner Inventarisation getroffen.

"Vielleicht gibt es ja eine sinnvolle Nutzungsmöglichkeit"


Doch Nadine Klöckl gibt nicht auf. Sie hofft auf die Unterstützung und Ideen von Menschen, die „wissen, wie es geht“. Schließlich seien ja auch schon Villen gerettet worden, die Opfer der Abrissbirne geworden wären, hätten sich die Bürger nicht gewehrt. Man denke nur an die Herminghaus-Villa in Velbert. Wie gut, dass man sie nun als Museum nutzen könne, so Klöckl: „Vielleicht gibt es ja für die Villa Grünewald eine ähnlich sinnvolle Nutzungsmöglichkeit. Und dem Stadtbild Langenbergs wäre es auch zuträglich.“

Übrigens ist der Bildband über die Langenberger Villen inzwischen vergriffen – was wiederum das große Interesse an diesem Thema unterstreicht. Auch die Velbert Marketing Gesellschaft wirbt mit dem Charme Langenbergs mit den Worten: „Bergische Fachwerk- und Schieferfassaden, verwinkelte Gassen und Gründerzeitvillen machen den Charme des Velberter Stadtteils Langenberg aus. Es entstanden in der Zeit von 1820 bis 1920 allein in Langenberg 41 Villen. […] Zu jeder Villa gehört auch ein Park mit seltenen Bäumen, Grotten und Pavillons, die einmalig in ihren Gestaltungen waren und noch sind.“ Geschieht nicht noch ein Wunder, werden es wohl bald nur noch 40 Villen sein.

Kontakt:
Bürger, die sich gegen den Abriss der Villa wehren möchten, können sich bei Nadine Klöckl unter Tel. 01577/3436597 oder per Mail an nadine.heuser@googlemail.com melden.
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1 Kommentar
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Manfred Hell aus Velbert | 24.07.2017 | 18:28  
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