Studentische Konsensuskonferenz zum Direktzugang zum Physiotherapeuten

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Die beste studentische Rednergruppe wurde geehrt. Im Bild von links nach rechts: IFK-Vorstandsmitglied Rick de Vries, Hernes Oberbürgermeister Dr. Frank Dudda, Jana Fromm, Annika Hegger, Sebastian Andries, Prof. Dr. Sven Dieterich und Prof. Dr. Christian Grüneberg.
 
Die Studierenden haben sich hervorragend in die Rollen der Lobbyisten hineingedacht. Fotos: IFK
Nach dem erfolgreichen Start im vergangenen Jahr hat der IFK in Kooperation mit der Hochschule für Gesundheit (hsg) am 21. Januar 2016 eine Neuauflage des Planspiels einer Konsensuskonferenz zum Thema ‚Direct Access‘ veranstaltet.

IFK-Vorstandsmitglied und hsg-Dozent Rick de Vries ließ die Studierenden, die kurz vor dem Bachelor-Abschluss stehen, in die Rollen verschiedenster Akteure der Gesundheitsbranche schlüpfen, um die Debatte um einen Direktzugang aus unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten. In der Rolle von Vertretern der Physiotherapie, Ärzteschaft, Krankenkassen, Hochschulen, Forschern, Patienten und Berufsfachschulen sollte eine gemeinsame Erklärung zum Direct Access erarbeitet werden. Der ehemalige IFK-Geschäftsführer und heutige Oberbürgermeister von Herne, Dr. Frank Dudda, übernahm den Vorsitz der professionell inszenierten Konsensuskonferenz.

41 Physiotherapie-Studierende der hsg setzten sich im Rahmen des Planspiels mit Fragen auseinander wie beispielsweise: Welche Interessenkonflikte verursacht die Frage nach der Einführung eines Direktzugangs zum Physiotherapeuten? Welche Voraussetzungen wären für eine umfassende Umsetzung nötig? Und inwieweit sind Physiotherapeuten fähig, eine Erstdiagnose zu stellen?

Insbesondere über die Komponenten Versorgungssicherheit, Qualifizierung und Finanzierung wurde heiß diskutiert. So ließen die Patientenvertreter keinen Zweifel daran, dass aufgrund des Ärztemangels die Patientenversorgung langfristig nicht mehr gewährleistet sei und daher innovative Konzepte wie der Direktzugang umgesetzt werden müssten. Die Ärzteschaft argumentierte, dass Physiotherapeuten sich mit der Forderung nach einem Direktzugang selbst überschätzten und dazu wenn überhaupt nur akademisierte Therapeuten in der Lage seien. Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen befürchtete zusätzliche Kosten. Die Vertreter der Physiotherapie wiesen hingegen darauf hin, dass Kosten eingespart werden könnten, wenn Patienten schneller und gezielter behandelt würden. Der Konsens am Ende der Konferenz lautete schließlich, dass der Direktzugang zunächst auf Selbstzahlerbasis eingeführt werden solle.

Rick de Vries und seine hsg-Kollegen Prof. Dr. Christian Grüneberg, Dekan des Departments für Angewandte Gesundheitswissenschaften, und Prof. Dr. Sven Dieterich, Professor für Gesundheitswissenschaften, waren sichtlich begeistert, wie fundiert diskutiert wurde. Christian Grüneberg: „Das Konzept der Konsensuskonferenz geht auf. Die Studierenden üben, ihre Argumente auszutauschen und auf die Sicht der anderen Parteien einzugehen. Es wird ihnen in der Praxis künftig leichter fallen, die neuen Versorgungsmodelle argumentativ zu verankern.“

Die Studierenden waren mit vollem Einsatz dabei und zogen ebenfalls ein positives Fazit zu der etwas anderen Lehrveranstaltung: „Es war superinteressant zu erfahren, wie schnell meine Argumente als Kassenvertreterin auch gegen mich verwendet werden konnten“, stellte Miriam Bake fest. Sebastian Andries, der in der Konferenz als politischer Vertreter fungierte, könnte sich sogar vorstellen, in Zukunft tatsächlich die politischen Interessen der Physiotherapie zu vertreten: „Klar haben Ärzte und Kassen gewichtige Positionen im Gesundheitssystem, das hat sich auch in der Konferenz gezeigt. Aber schließlich sollte die bestmögliche Versorgung im Mittelpunkt stehen und nicht das Einzelinteresse. Daher sollte letztlich jedem Patienten ermöglicht werden, direkt zum Physiotherapeuten gehen zu können.“

„Die Studierenden haben bei der Einnahme der Rolle eines Lobbyisten im Rahmen der Konsensuskonferenz einen wichtigen Perspektivwechsel vollzogen. Es freut mich, dass ihnen das so gut gelungen ist. Das zeigt, dass sie sich auf der Grundlage ihrer erarbeiteten Kenntnisse des Gesundheitssystems bereits intensiv mit verschiedenen gesundheitspolitischen Positionen und Interessenlagen auseinandersetzen“, sagte Sven Dieterich.

Die Hochschule und der Bundesverband pflegen auch dank ihrer direkten Nachbarschaft auf dem Gesundheitscampus NRW in Bochum ein enges Verhältnis mit dem Ziel, den wissenschaftlichen Diskurs in der Physiotherapie zu stärken. Der Direktzugang zum Physiotherapeuten ohne Verordnung des Arztes zählt zu den Kernforderungen des IFK und erhält insbesondere bei akademisierten Physiotherapeuten großen Zuspruch.

Pressekontakt:

Bundesverband selbstständiger Physiotherapeuten – IFK e. V., Gesundheitscampus-Süd 33, 44801 Bochum, Raika Sobiech, Tel: 0234 97745-40, E-Mail: sobiech(at)ifk.de, Internet: www.ifk.de

Hochschule für Gesundheit, Gesundheitscampus 6-8, 44801 Bochum, Dr. Christiane Krüger, Tel: 0234-77727-124, E-Mail: presse(at)hs-gesundheit.de, Internet: www.hs-gesundheit.de
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