Wenn jede Minute zählt

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Der Mitarbeiter der Notrufzentrale gibt den Ersthelfern genaue Anweisungen via Telefon Mit dieser Aktion will die Feuerwehr zu Ersthilfe an Unfallorten anregen. Foto: Kappi
Mit der Telefonreanimation Leben retten

Ein Bewusstloser atmet nicht mehr. Für Laien ist es oftmals eine Überwindung zu helfen. Viele haben Angst, etwas falsch zu machen, wenn sie einen Verletzten finden. Aber gerade die ersten Minuten können Leben retten. Die Feuerwehr Bottrop hat jetzt die Telefonreanimation eingeführt. So ist es auch für Laien möglich, am Unfallort erste Hilfe zu leisten.

Von Angelika Noc

Wenn in der Leitstelle der Feuerwehr das Telefon klingelt und der Anrufer einen Notfall schildert, stellen sich für den Disponenten entscheidende Fragen: Ist die Person bewusstlos? Atmet sie noch? Wenn nicht, muss er handeln, und zwar schnell. Der Ersthelfer vor Ort soll den Bewusstlosen sofort wiederbeleben, denn gerade die ersten Minuten können Leben retten. Bei einem Herzstillstand treten bereits nach cirka vier Minuten die ersten irreparablen Hirnschäden ein.
Wer einen Verletzten findet, wählt wie gewohnt die 112. Geht der Notruf bei der Feuerwehr ein, handelt der diensthabende Mitarbeiter sofort. Ist der Unfallort ermittelt, werden die Einsatzkräfte direkt losgeschickt. „Für die Disponenten ist es eine große Herausforderung. Sie sind darauf angewiesen, mit dem zu arbeiten, was sie hören. Anhand der Abfrage wird entschieden, was zu tun ist“, erklärt Christoph Lang, Pressesprecher der Feuerwehr. Liegt ein Kreislauf-Stillstand vor und der Ersthelfer ist mit der Telefonreanimation einverstanden, geht es darum, ihn unterstützen und zu motivieren, bis professionelle Hilfe vor Ort ist.
Der Leitstellen-Disponent folgt den speziellen Anweisungen auf dem Monitor. „Wir erklären dem Laien ganz genau in welcher Position der Verletzte liegen muss und wie man eine Herzdruckmassage ausführt“, sagt Harry Schüßler, Disponent in der Leitstelle. Allein das Gefühl, dass der Helfer nicht alleine ist, hilft schon. Da ist jemand am Telefon, zählt mit, gibt den Takt an und macht Mut.
Doch viele Menschen sind unsicher, sie haben Angst etwas falsch zu machen oder fürchten rechtliche Konsequenzen. Viele Faktoren spielen beim Helfen auf der Straße eine Rolle. „Es ist gar nicht so schwierig, alle können es, auch Schüler sind dazu in der Lage. Das Training sollte in den Schulen eingeführt werden. Ein neunjähriger Junge hat seinem jüngeren Bruder mit Hilfe der Telefonreanimation das Leben gerettet“, weiß Matthias Frommer, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes.
„Eine Studie belegt, dass 10.000 Menschen pro Jahr gerettet werden könnten, wenn am Unfallort sofort reanimiert würde. Das Schlimmste ist gar nichts zu tun. Bei der Wiederbelebung kann nichts passieren. Man muss keine Angsthaben, auch nicht, wenn eine Rippe brechen sollte, daran stirbt man nicht“, so Frommer.
In der Leitstelle sitzen qualifizierte Leute, die ganz genau wissen, was zu tun ist. Sie haben im März dieses Jahres an einer Schulung teilgenommen.
Seit August wird durch die Feuerwehr Bottrop das System der Telefonreanimation praktiziert. Bis jetzt kam es zu zehn Einsätzen. „Unser Ziel ist es, die Nothelfer bei der Ersthilfe zu unterstützen, denn wenn man angeleitet wird, ist es einfacher, die psychologische Unterstützung hilft ungemein“, weiß Harry Schüßler. Das Konzept der Telefonreanimation befindet sich bundesweit in Planung und Umsetzung. Durch diese Maßnahmen können Überlebenschancen von lebensbedrohlich Erkrankten wesentlich erhöht werden.
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1 Kommentar
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Yvonne Beate Küffner aus Bottrop | 19.10.2016 | 04:52  
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